Champions League: Das »Chenot« ist führend in Sachen Longevity. Hier: neuromuskuläre Aktivierung.
© Chenot Palace Weddix
Erneuern, nicht erholen! Wie Hotels mit »Longevity« rund ums Jahr Profit machen
Im »Longevity«-Hype purzeln Prävention, Diagnostik und normaler Wellness-Urlaub durcheinander. Doch es lohnt sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen: Dann winken höhere Margen und längere Aufenthalte!
von redaktion
12. Januar 2026
Text Nicola Afchar-Negad
Ein Hotel-Spa hat zwar seinen Reiz nicht verloren, aber seine Exklusivität: Was früher ein Alleinstellungsmerkmal war, ist heute Standard. Sauna, Massagen, Floating oder Klangschalen kennt der Gast schon. Entspannung allein zieht nicht mehr. Der neue Luxus definiert sich über medizinische Wirksamkeit eines Urlaubs, verkürzt im Buzzword Longevity. Es ist die Urlaubsform für eine Generation der Selbstoptimierer. Wer Halb-Marathons läuft und seine Ernährung umstellt, will auch in den Ferien wissen, was in seinem Körper passiert – und wie sich das verbessern lässt. Richtig verstanden, verwandelt sich dieses Bedürfnis in ein profitables Wachstumsfeld für Hotels!
Upselling Gesundheit
Es geht um Prävention und Diagnostik, wie man sie aus der Klinik kennt, allerdings in der Lifestyle-Variante. Menschen sind auf der Suche nach dem Jungbrunnen, nach Möglichkeiten, nicht nur ihre Lebens-, sondern vor allem ihre Gesundheitsspanne zu verlängern. Und sie sind bereit, dafür gutes Geld auszugeben. Der durchschnittliche Aufenthalt dauert deutlich länger, wie auch Marco Riederer, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, unterstreicht. »Studien und Erfahrungswerte aus der Praxis zeigen, dass Aufenthalte in medizinisch begleiteten Longevity-Resorts mindestens zwischen sieben und 14 Tage dauern, also deutlich länger als ein Wellness-Wochenende.« Zudem sei die Wiederkehrrate höher, so Riederer, der hier klassisches Upselling-Potenzial ortet.
Im neuen Trendreport »Hotels im Zeichen der Langlebigkeit« geht man bei Prodinger auf gut 100 Seiten in die Tiefe. Unter anderem werden zwei Zielgruppen definiert. Die »Alltagsoptimierer« – bei ihnen ist das Thema Longevity ganz ohne ärztliche Diagnose bereits verankert – und die »Gesundheits-Investoren«. Für beide braucht es Authentizität, für letztere zusätzlich medizinische Kompetenz. »In kleineren Hotels funktioniert das meist besser mit externen Partnern auf Abruf, während größere Resorts auf ein internes Kompetenzzentrum setzen könnten.« Entscheidend sei »nicht die Größe des Spas oder die Zahl der Ruheräume, sondern das Konzept dahinter«, so der Berater. Das Um und Auf: Messbarkeit.
Vom Spa zur Strategie
Das Um und Auf ist aber der Erfolg, genauer noch: die Messbarkeit der Ergebnisse im Urlaub. Ein aktuelles Beispiel liefert das »Rosewood München«. Hier kommt das tendenziell eher aus Mode und Design bekannte »X« für Kollaborationen ins Spiel. »Rosewood Munich X Julia Czechner« – eine Kooperation zwischen renommierter Hotelbrand und einer Ärztin für ästhetische und regenerative Medizin. »Die Zusammenarbeit zwischen dem ›Asaya Spa‹ im ›Rosewood‹ und Dr. Julia Czechner entstand aus dem gemeinsamen Verständnis, dass Hautgesundheit ein zentraler Bestandteil ganzheitlicher Langlebigkeit ist«, beantwortet Tami Le, Director of Spa, die Frage nach der Motivation. »Die Haut ist eines der sichtbarsten Organe des Alterns. Longevity geht über klassisches Anti-Aging hinaus. Es beschreibt nicht das Aufhalten der Prozesse, sondern die Förderung von Vitalität und funktionaler Hautgesundheit über die Zeit.«
Das Ergebnis der Kooperation für den Gast sind etwa »Medical Facials», die eigens für das Hotel entwickelt wurden. Die Ärztin sei, so Le, auch regelmäßig im Hotel, es geht also um eine echte Partnerschaft. »Die Erwartungen der Gäste haben sich geändert. Heute stehen nachweisbare Ergebnisse, Personalisierung und wissenschaftlich fundierte Konzepte im Vordergrund. Ein Ansatz, der Longevity und Medical Skin Health integriert, ist daher nicht nur zeitgemäß, sondern entscheidend.« Klare Worte aus München!

Die Haltung bewahren
Das bayrische »Rosewood« ist eine gutes Beispiel, denn im Segment Longevity stößt der buchende Kunde – ähnlich wie vor ein paar Jahren in Sachen Medical Wellness – immer auf die gleichen Namen. »Lanserhof«, »Mayrlife«, »Chenot« oder das »Palace -Merano« etwa. Diese Häuser sind über Jahrzehnte gewachsen, betonen Kontinuität mindestens so stark wie Innovation. Genau das kann und sollte man sich von Ihnen abschauen, ansonsten aber eigene Wege zur Alterslosigkeit beschreiten. So wie das »Nouri Hotel« bei Freiburg. Neben den für ein Lifestyle-Wellness-Hotel zu erwartenden Spa-Anwendungen ist es hier vor allem die Kryo- also Kältetherapie, die aufhorchen lässt: Kälte- und Eisbaden im Freien, Kryotherapie drinnen, die Celsius-Kalibrierung ist gerade ein wenig so etwas wie der Hype im Hype.

Bei »Nouri« setzt man auf den »Rolls-Royce unter den Kryokammern« mit einer Tiefsttemperatur von – 110 °C. Ein Anamnese-Gespräch vor den Minus-Minuten ist fix eingeplant, ein ärztlicher Check-up bei Bedarf möglich. Hier im Schwarzwald hat man so einiges aus Schlagworten wie Luftkurort, Heilquellen oder Bäderstraße rausgeholt. Bad Dürrheim hat sich etwa auf das Thema Bio-Hacking fokussiert, also frei übersetzt die Selbstoptimierung der eigenen Biologie. Dazu kommt der jährliche Bio-Hacking-Kongress im Herbst (Saisonverlängerung!) und demnächst eine Kältekammer im Wellness- und Gesundheitszentrum »Solemar«.
Dass die Hotels in der Region davon komplett saisonunabhängig profitieren, macht Longevity interessant. Was man ebenfalls mit einkalkulieren sollte, ist die Nachbetreuung: After-Retreat-Coaching, Online-Follow-ups, auch eigene Produkte (Kosmetiklinien) sind hilfreich. Nur, Achtung – da geht es dann erneut um Messbarkeit und Authentizität. Oder, wie Riederer die Stolperfallen definiert: »Fehlende fachliche Kompetenz, überzogene Versprechen, nicht geschultes Personal.« Der häufigste Fehler ist es aber, »wenn Hotels Longevity als Trend behandeln – und nicht als Haltung«!
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