Eis- und Kaltbaden - Falstaff PROFI

Außer kaltem Wasser – und vielleicht einer Haube am Kopf – braucht es fürs Eis- und Kaltbaden nichts.

© Kärnten Werbung GmbH | Michael Stabentheiner

Eisige Erweiterung: Kalt- und Eisbaden boomen – und kurbeln den Tourismus an

Was die Kneipp-Kur im alten Jahrtausend war, stellt heute Eisbaden dar. Im Unterschied zur Kaltwasser-Kur hat das nicht nur medizinische Effekte: Im wasserreichen Alpenraum entsteht damit ein Angebot zur Saisonverlängerung.

von redaktion
29. Dezember 2025

Text Jasmin Bürger

Wenn eine ohnehin gelebte Tradition zum Trend wird, warum soll man sie dann nicht auch als Hotelier nutzen? Was als »Eisbade-Challenge« wahlweise als Trend oder Mutprobe aus dem hohen Norden viral geht, ist z. B. in Kärnten keineswegs neu: »Ich kenne viele 70-Jährige, die, seit sie sich erinnern können, jeden Tag in den See gehen«, verweist Klaus Ehrenbrandtner, Geschäftsführer der Kärnten Werbung, auf die Tradition, ganzjährig in den Seen zu baden. Neu hingegen ist, dass das Kaltbaden zum Kanon jener Erlebnisse zählt, die als »Auszeit auf Kärntnerisch« beworben werden. Für Ehrenbrandtner kommt dieses Angebot zur richtigen Zeit: »Wir sehen eine große Sehnsucht in der Gesellschaft nach Erlebnissen für Körper, Geist und Seele«.

Eis- und Kaltbaden - Falstaff PROFI
In Kärnten nutzt auch der Tourismus die gesundheitsfördernde Tradition verstärkt. | © Kärnten Werbung / Michael Stabentheiner

Nichts für Warmduscher

Den Einsteigern hilft dabei sogar der Klimawandel. Denn die warmen Temperaturen vieler Kärntner Seen erlauben in der Nachsaison einen sanften Einstieg: »Baden im eigentlichen Sinn kann man bis in den Oktober. Dann beginnt die Zeit des Kaltbadens«, sagt Ehrenbrandtner, der übrigens selbst seit zwei Jahren die Tradition pflegt. Erst bei Wassertemperaturen unter 15 Grad spricht man offiziell von Kaltbaden. Für Hoteliers kommt dazu, dass dieses neue Angebot in der »Off-Season« keine großen Anforderungen stellt. Allerdings sollte der Schritt ins buchstäblich kalte Wasser begleitet werden. Denn einfach so sollte man nicht Kaltbaden – auch Hineinspringen ist tabu. »Am wichtigsten ist es, sich vorher gut aufzuwärmen. Und dann die richtige Atemtechnik«, sagt Elisabeth Berndl, die mit ihrem Mann Michael das »Hotel Seefischer« am Millstätter See führt.

Die Berndls bieten seit zwei Jahren ihren Gästen auch ein Yoga- und Kaltbade-Retreat nach Wim Hof an. Dieser niederländische Extremsportler und Motivationstrainer gilt als Guru des Kaltbadens und ist für seine Challenges und Kälte-Unempfindlichkeit auch bekannt als »The Iceman«. Workshops nach seiner Methode sollen auch Warmduscher zu Kaltbade-Profis machen. Aber was soll das eisige Bad bringen? Der Körper reagiert auf Kälte mit dem Versuch, seine Temperatur konstant zu halten. Das äußerst sich in stärkerer Durchblutung und hat positive Auswirkungen auf das Immunsystem und die mentale Kraft. Im Idealfall werden auch Endorphine und das »Glückshormon« Serotonin freigesetzt. Elisabeth Berndl formuliert dieses positive Gefühl so: »Man muss sich ein bisserl selbst überlisten, aber wenn man es einmal geschafft hat, ist man stolz auf sich.« Besonders wenn es, wie bei ihrem letzten Eisbad zu Silvester, »minus drei Grad Außentemperatur und drei Grad Wassertemperatur hat«.

Eis- und Kaltbaden - Falstaff PROFI
Yoga- und Kaltbade-Retreats werden im »Hotel Seefischer« geboten. | © Gert Perauer

Seebäder im Dezember

Auch am Faaker See haben Hoteliers die Lust auf kühle Herausforderungen erkannt. So gibt es etwa im »Karnerhof« seit einiger Zeit im Herbst auch einen »Wim Hof«-Workshop von einem externen Anbieter. Hotelchefin Ursula Karner freut sich über Gäste, die nach den Workshops »auch im Dezember wieder zu uns kommen«. Die Saisonverlängerung klappt also auch hier, wobei das Thema »noch ein Nischenprodukt ist«, wie
Karner sagt. Im »Seefischer« wie im »Karnerhof« ist Kaltbaden aber eingebettet in den Wellness-Gedanken; beide Hotels bieten mit ihren Sauna- und -Relaxbereichen ein umfassendes Erholungserlebnis auch nach der »Mutprobe«.

Das Thema Kaltbaden hat für Beherbergungsbetriebe einen weiteren großen Vorteil: »Es geht in Vier-Sterne-Betrieben genauso wie beim Urlaub am Bauernhof«, sagt Tourismus-Chef Ehrenbrandtner, »denn an sich braucht es dazu keine Sauna«, sagt er. Den Körper direkt nach dem Kaltbaden zu erhitzen, ist sogar kontraproduktiv: »Ruhige Aufwärmübungen mit wenig Bewegung« sind die richtige Technik für danach. Unterkünfte brauchen keinen eigenen Seezugang, um ihren Gästen das Kaltbaden schmackhaft zu machen: Mehrere öffentliche Badeplätze an Kärntens Seen bieten nun auch in der Nachsaison Infrastruktur für Kaltbader samt dort ausgehängten Verhaltenstipps – am Millstätter See gibt es sogar beheizte Umkleidekabinen! Und Kaltbade-Workshops sind über Kärnten Tourismus auch unabhängig von Hotelunterkünften als Tageserlebnis buchbar.

Überall und für Solo-Reisende

Mit dem Thema spricht man zudem andere Gäste an als die klassischen Sommertouristen. »Es sind logischerweise weniger Familien als Paare oder Freundesgruppen dabei. Diese jedoch in allen Altersschichten«, beschreibt Klaus Ehrenbrandtner die Zielgruppe. So manchen mag auch ein Video des portugiesischen Fußball-Stars Cristiano Ronaldo beim Eisbaden motivieren: Wenn man schon nicht Tore schießen kann wie er, dann hat man zumindest mit der Überwindung, ins kalte Wasser zu steigen, etwas gemeinsam.

Dass Kaltbaden immer mehr zu einem fixen Element in Wellness-Betrieben wird, zeigt auch ein Blick über die Grenze: Das »Olm Nature Escape Hotel« im Südtiroler Ahrntal wirbt heuer erstmals mit dem Kaltbaden im hauseigenen See, der im Oktober bei über 10 Grad noch einstiegstauglich war. Ganz Motivierten bieten sich in Wanderweite zwischen einer halben und fünf Stunden aber auch einige Bergseen zum Eisbaden. Was die Infrastruktur dort anbelangt, kann man sich freilich in Kärnten noch etwas abschauen – Kabinen zum Aufwärmen gibt es mitten in der Gebirgslandschaft naturgemäß nicht. Aber beim Zurückwandern wird es einem ja auch so warm.

Eis- und Kaltbaden - Falstaff PROFI
Im »Olm Nature Escape« kann man im Haussee eisbaden – oder in den Bergseen der Umgebung. | © Julia Rieck

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