Karriere Hotellerie - Falstaff PROFI

Karriere starten: Die Ausbildung an der Rezeption beginnt im »Forsthofgut« direkt am Gast.

© Patrick Langwallner

Da machst du Karriere! Top-Chancen für Junge in der Hotellerie und Gastro

Die Karrierechancen in der Branche stehen aktuell ­hervorragend. Wo man am meisten für den ­Lebensweg profitiert, haben wir bei Top-Ausbildungs­betrieben eruiert.

von Wiebke Stegmann
18. Mai 2026

Schwächelnde Wirtschaft und Roboter auf dem Vormarsch in der Arbeitswelt. Ist es da eine gute Idee, die berufliche Laufbahn in der Gastronomie und Hotellerie zu starten? Die Antwort auf die Frage fiel eindeutig aus: »Ja!« Karin Leeb zum Beispiel kann sich diesen Weg für ihre beiden Kinder absolut vorstellen. Nicht nur, weil die Branche für die geschäftsführende Inhaberin des »Hotels Hochschober« die schönste ist. Nein, sie ist vielmehr von den positiven Aussichten überzeugt. »Der Tourismus ist unheimlich krisenresistent«, sagt die Hotelière. Und liefert die Begründung für ihren Optimismus nach: Die Gesellschaft verzichte eher auf Konsumgüter. »Aber Erlebnisse, also Beziehungen in einem schönen Ambiente zu erleben«, daran halten die Menschen fest.

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»Die wervollsten Mitarbeiter«: Karin Leeb, Inhaberin des Hotels »Hochschober«, setzt auf ihre Lehrlinge. | © Daniel Zangerl

Breite Ausbildungsmöglichkeiten

Julia Hinteregger vom »Forsthofgut« spinnt den Gedanken weiter. Die klassische Lehre im Service oder der Küche gibt es noch, aber die Vielfalt der Berufsbilder wächst: Fitnessbetreuung, Kosmetik, Hotel- und Gastgewerbeassistenz (HGA), Personalabteilung, Marketing, vegetarisch-veganes Kochen wie im »Hochschober« auf der Turracher Höhe oder ein duales Studium – diese Liste ist lang. Aber keineswegs vollständig. Die Betriebe reagieren damit auf veränderte Gästebedürfnisse und auf eine junge Generation, die nach Sinn und Abwechslung in ihren Beschäftigungsverhältnissen sucht. »Die Möglichkeiten, seinen Weg zu finden und zu gehen, waren noch nie so groß wie jetzt«, weiß die 33-Jährige als Leiterin Human Resources (HR) des Naturhotels in Leogang.

Ihr eigener Werdegang war auch nicht so geradlinig, wie sie findet. Bereits mit 15 Jahren hat sie Erfahrungen in der Systemgastronomie gesammelt, machte ihre Lehre, arbeitete unter anderem im Fine Dining, in einer Bar und übernahm schließlich die Position der stellvertretenden Restaurantleitung im »Forsthofgut«. Das war vor sieben Jahren. Heute ist die gebürtige Niederösterreicherin die HR-Chefin und will aus dem Betrieb im Salzburger Land nicht mehr weg: »Wer sich weiterentwickeln will, der bekommt hier jede Chance.« So ist eine Hilfskraft, die zunächst kaum Deutsch sprach, inzwischen Oberkellner.

Moderne Lehre: Der »Forsthofgut Campus« fördert mit Freude eine Ausbildung mit Zukunft. | © Patrick Langwallner

»Die Welt steht dir offen«

Gudrun Lapan wiederum hat die Optionen, die die Branche bereithält, genutzt – und den Globus erkundet. Nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung als Hotel- und Gastronomiefachkraft im Lungau zog es sie in die weite Welt. Zehn Jahre war sie beispielsweise auf Kreuzfahrtschiffen in unterschiedlichen Positionen unterwegs. Dort arbeitete sie mit Menschen aus 48 Nationen zusammen. »Da wird der Kosmos auf einmal ganz klein«, findet die 51-Jährige. Wenn so viele Kulturen aufeinandertreffen, geht es um mehr als optimierte Abläufe. Kommunikation, Verständnis, Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen bekommen eine neue Bedeutung.

Inzwischen ist die Weltenbummlerin zurück in Österreich und wirkt als Geschäftsführerin von »magdas LOKAL« in Klagenfurt. Es ist ein Social Business der Caritas Kärnten, wo  Menschen aus Afghanistan, Syrien, Kroatien, dem Iran, Rumänien, der Schweiz, Österreich und dem ehemaligen Jugoslawien zusammenarbeiten. Die Lehrlinge werden hier in einem geschützten Rahmen mit sozialer Unterstützung ausgebildet.  Sie alle tragen einen »schweren Rucksack« mit sich, wie es Gudrun Lapan beschreibt. Ihre Erfahrungen im Umgang mit den Kulturen kommen ihr dabei zugute. Es gebe nämlich viel zu erklären, immer wieder, feste Regeln und jede Menge zu lachen.

Am Ende der Lehrzeit geht es für die jungen Leute in andere Betriebe. »Ich mache ihnen immer klar, je besser sie gelernt haben, desto besser können sie sich verkaufen und desto besser geht es ihnen. Schließlich gibt es in unserer Branche keinen festen Gehaltsdeckel.«

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Teamspirit und Vielfalt als Chance: In »magdas LOKAL« ­lernen Auszubildende im internationalen Team. | © beigestellt

Zurück zum Anfang: Wiederkehrer

Wer sich nach den Globetrotter-Jahren oder nach dem Wechsel in einen anderen Betrieb zurück an den Ursprung sehnt, dessen Chancen stehen gut. »Ich habe selbst die Tourismusschule in Innsbruck absolviert und rate allen, sofort nach dem Abschluss möglichst viel von der Welt anzuschauen«, erzählt Florian Mayer, der die Gruppe der »Familux«-Hotels in Deutschland und
Österreich mit seinem Bruder Julian führt. Der Tiroler hofft, wenn die reiferen Hotelfachleute zurück in die Heimat kommen, dass sie sich an die Benefits von »Familux« erinnern. »Mir ist das viel lieber als Externen unser Konzept zu erklären«, so
der Geschäftsführer.

Persönlichkeit statt Noten

Wer sich jetzt denkt, dass dafür am Anfang aber erst mal gute Noten oder zumindest ein Abschluss notwendig sind, der irrt. Beides mag den Einstieg erleichtern, ist aber für eine Karriere in der Gastronomie und Hotellerie keine zwingende Voraussetzung. Zumindest schauen sowohl das Team vom »Hochschober« als auch vom »Forsthofgut« in erster Linie auf die Motivation und die Persönlichkeit, ob der potenzielle Auszubildende zum Haus und dessen Haltung passt. »Ich glaube, dass man alles lernen kann, wenn man den Willen hat. Aber die Werte, die musst du mitbringen«, erklärt Julia Hinteregger. Die HR-Leiterin gibt ein Beispiel: »Unser Ding sind nicht 100 Prozent, sondern wir geben immer 101 Prozent. Denn dieses eine Prozent macht es aus, um dem Gast und uns selbst ein besonderes Erlebnis oder einen ›Wow‹-Moment zu bescheren. Dazu muss man aber bereit sein.«

Die Entwicklung geschieht dann in der Ausbildung mit der Lehre. Gerade in der Gastronomie und Hotellerie eignen sich die Nachwuchskräfte Kompetenzen an, die sie nicht nur für diesen Beruf benötigen, sondern auch im Leben. Dazu gehören:

• Arbeiten im Team

• Konflikte lösen

• präzises Arbeiten

• logisches Denken

• Schaffen einer eigenen Arbeitsstruktur

• Aneignen einer kulturellen Intelligenz

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Karriere mit Rückkehr: »Familux«-Geschäftsführer Florian Mayer setzt gezielt auf Rückkehrer mit Erfahrung. | © Roland Graf

Die Sache mit dem Sinn

Die neue Mitarbeiter-Generation stellt heute andere Fragen als ihre Ausbildner. Nicht nur: »Was verdiene ich?« Sondern: »Warum mache ich das?« Für die geschäftsführende Inhaberin des »Hochschobers« Karin Leeb ist die Antwort darauf klar: »Es ist ein sinnstiftender Beruf.« Wer in der Gastronomie arbeitet, schaffe schließlich Erlebnisse, Emotionen und Begegnungen. Das Team sorgt professionell dafür, dass Menschen eine gute Zeit haben und bringt Freude in den Alltag anderer.

Die Nachwuchskräfte von morgen suchen nicht nur nach dem Sinn in ihrer Tätigkeit. Sie wollen auch ernst genommen werden. Ausgezeichnete Lehrbetriebe wie der »Hochschober«, das »Forsthofgut« und »Familux« sehen ihre Auszubildenden als wichtige Teammitglieder an, die möglichst schnell mit Aufgaben ihres späteren Berufs betraut werden sollen. Denn: »Lehrlinge
sind keine billigen Hilfskräfte, die man irgendwie versauern lässt. Wir schauen stattdessen, dass sie ganz schnell zu guten Fachkräften werden. In Zeiten, wo sehr viel Bewegung am Arbeitsmarkt ist, sind sie unsere wertvollsten Mitarbeiter, weil sie nämlich drei bis vier Jahre bei uns sind«, führt Leeb aus.

Eine Lehre in Gastronomie oder Hotellerie ist somit kein Plan B. »Es ist der Anfang einer Karriere, die erstaunlich viele und unterschiedliche Türen öffnen kann«, resümiert Julia Hinteregger.

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