Bernd Kreis ist unter anderem Falstaff Sommelier des Jahres 2019 und Meilleur sommelier d’Europe 1992.
© Franziska Stegemann
Bernd Kreis: »Menschliche Qualitäten können nicht durch Digitalisierung ersetzt werden«
Bernd Kreis aus der »High Fidelity Bar« spricht im Interview über das Weinland Steiermark, was er sich für die Zukunft wünscht und wie junge Menschen zum Sommelierberuf hingeführt werden können.
von Alexandra Gorsche
03. November 2023
PROFI: Was zeichnet die Steiermark – mit ihren drei Gebieten – als Weinland aus?
Bernd Kreis: Die großen Unterschiede in Geologie, Topografie, Klima sowie Weinstile auf kleinem Raum sind ziemlich einzigartig. Mir gefällt die Fokussierung auf handwerkliche Produktionsweise und das große Augenmerk auf Authentizität und Terroir.
Ihr Wunsch für die Zukunft?
Im Sommelierberuf sind, sofern er richtig ausgeübt wird, menschliche Qualitäten von herausragender Bedeutung. Diese Qualitäten, also Umgang, Kultur, Einfühlungsvermögen, Eloquenz, Humor und so weiter, machen den großen Unterschied aus und können, im Gegensatz zu Weinwissen und Service, nicht durch Digitalisierung ersetzt werden. Ich wünsche mir, dass in der Darstellung des Sommelierberufs und bei den Sommelierwettbewerben diese Eigenschaften stärker hervorgehoben werden.
»Mein persönlicher Ratschlag an junge Sommeliers: Übe deinen Beruf in Demut vor dem Wein und seinen Produzent:innen und in Achtung deiner Gäste aus.«
Bernd Kreis, »High Fidelity Bar«
Was muss sich in der Branche ändern, damit wir mehr junge Menschen für den Beruf des Sommeliers begeistern können?
Das Bild des Sommeliers ist zu sehr geprägt von Tätigkeiten außerhalb der Restaurants. Diese machen aber den geringsten Teil der eigentlichen Sommeliertätigkeiten aus. Für viele Weininteressierte ist die Arbeit in einem Gastronomiebetrieb viel zu anstrengend. Daher laufen viele Sommelierausbildungen aus Sicht der Gastronomie ins Leere. Abgesehen vom Erhöhen der Attraktivität aller gastronomischen Berufe, ist das Hinführen zum Sommelierberuf von jungen Menschen, die sowieso schon in der Gastronomie tätig sind, am erfolgversprechendsten. Dazu braucht es einen starken Berufsverband, den Österreich glücklicherweise hat.
Was lieben Sie an Ihrem Beruf, an Ihrer Tätigkeit?
Die Nähe zu den Menschen, was Gäste bzw. Kund:innen und Lieferant:innen angeht, und die permanente Beschäftigung mit einem Genussthema, das fast ausschließlich positiv wahrgenommen wird.

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