Valentin Haas, Foto beigestellt
»Gen Z«: Generation mit hohen Ansprüchen
Psychologe Valentin Haas verrät, wie die »Gen Z« die Unternehmenskulutur in der Hotellerie und Gastronomie verändert und wie Unternehmen die junge Generation wirklich für sich gewinnen können.
von Alexandra Gorsche
31. Januar 2024
Die »Generation Z« (Gen Z), dabei handelt es sich um junge Menschen, die zwischen den Jahren 1995 und 2010 geboren sind, betritt die Arbeitswelt mit hohen Ansprüchen und einer einzigartigen Sichtweise: Sie sucht nach einem sinnvollen Beitrag und einer Arbeitsumgebung, die ihre Werte reflektiert. Personalabteilungen stehen vor neuen Herausforderungen – aber auch vor neuen Chancen.
»Um talentierte ›Gen Z‹-Mitarbeiter anzuziehen, müssen Unternehmen eine Arbeitsumgebung schaffen, die ihre Werte widerspiegelt. Dies bedeutet nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch einen klaren Fokus auf soziale Verantwortung und persönliche Entwicklung«, weiß Diplom-Psychologe Valentin Haas. Er berät Unternehmen dabei, wie sie die »Gen Z« für sich begeistern und verrät seine Tipps in diesem Interview.
PROFI: Wie hat sich die Arbeitswelt in der Hotellerie und Gastronomie durch den Eintritt der Generation Z verändert, insbesondere in Bezug auf deren Ansprüche und Sichtweise?
Haas: Im Vergleich zu den vorigen Generationen möchte sich die »Generation Z« am Arbeitsplatz vor allem willkommen und anerkannt fühlen. Es geht nicht mehr nur darum, in einem x-beliebigen Hotel oder Gastronomiebetrieb zu arbeiten, sondern in einem Umfeld, in dem man Teil einer Gemeinschaft ist. In diesem Umfeld ist das Ziel, sich selbst zu entfalten und die eigene Richtung zu wählen – immer mit dem übergeordneten Vorsatz, sich zu verwirklichen und wachsen zu können. Die Arbeit wird demnach als ein Ort empfunden, der die persönlichen Werte widerspiegelt und den jungen Menschen ihren Lebenssinn gibt.
Welche spezifischen Werte und Erwartungen bringt die »Generation Z« mit sich, wenn es um ihre berufliche Entwicklung in der Hotellerie und Gastronomie geht?
Die »Generation Z« betritt die Arbeitswelt der Hotellerie und Gastronomie mit einer Reihe von spannenden Werten und Erwartungen, die auch für einen Betrieb neue Anregungen geben können. So ist es für sie von größter Bedeutung, dass ökologische Verantwortung an ihrem Arbeitsplatz ernst genommen und vor allem gelebt wird. Ebenso legen sie großen Wert auf ein Arbeitsumfeld, das Vielfalt in allen ihren Facetten schätzt, sei es in Bezug auf Herkunft, Religion oder das Geschlecht der Mitarbeiter. Ein junger Mensch der »Generation Z« kann nur dort arbeiten, wo jedes Individuum gewürdigt wird. Darüber hinaus ist diese Generation bestrebt, in ihrer Karriere voranzukommen. Klare Wege zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung, wie Fortbildungsprogramme und transparente Aufstiegschancen, sind für sie unerlässlich, um sich langfristig an ein Unternehmen zu binden.
Die »Generation Z« erwartet weit mehr als finanzielle Reize. Inwiefern sind finanzielle Anreize allein nicht mehr ausreichend, um die »Gen Z«-Mitarbeiter in der Branche zu halten? Welche anderen Faktoren spielen eine entscheidende Rolle?
Geld ist zwar wichtig, vor allem in Anbetracht der aktuellen Situation, steigenden Preisen und Inflation. Dennoch bewertet die »Generation Z« einen potenziellen Arbeitsplatz nach zusätzlichen Kriterien, die den meisten wichtiger sind als ein immens hohes Gehalt. Schließlich ist in den Köpfen angekommen, dass viel Geld noch lange nicht alle Probleme lösen kann. Aus psychologischer Sicht gibt es dabei drei wichtige Faktoren: Zum einen wünschen sich Mitarbeiter der »Gen Z«, anerkannt und emotional gewürdigt zu werden. Sie achten beispielsweise darauf, ob Leistungen hervorgehoben und aufrichtig geschätzt werden. Zweitens muss ihr Arbeitsumfeld ihre Kreativität anregen und ihre Autonomie fördern. Besonders in der dynamischen Welt der Gastronomie und Hotellerie ist es dabei wichtig, dass sie ihre Ideen und Talente frei entfalten können. Nicht zuletzt legt die »Gen Z« großen Wert auf einen Arbeitgeber, der die psychische Gesundheit unterstützt. Hotellerie- und Gastronomiebetriebe sind meist von hohem Tempo und Stress geprägt. Genau deshalb ist es entscheidend, Mitarbeitern einen sicheren Raum zu geben, der mentales Gleichgewicht und Wohlbefinden fördert.
Können Sie uns Einblicke geben, wie Unternehmen in der Hotellerie und Gastronomie eine Arbeitsumgebung schaffen können, die die Werte der »Generation Z« reflektiert?
Unternehmen in der Hotellerie und Gastronomie können die Werte der »Generation Z« umsetzen, indem sie eine Arbeitsumgebung schaffen, die Transparenz und offene Kommunikation fördert. Jeder Mitarbeiter soll seine Meinung offen sagen dürfen und ernst genommen werden. Sinnvoll ist in diesem Zuge auch, regelmäßige Feedbackgespräche einzuplanen. Somit haben Mitarbeiter in nahen Abständen die Möglichkeit, ihre Anregungen weiterzutragen und Emotionen stauen sich nicht auf. Auch die Einführung flexibler Arbeitszeiten und die Einführung einer 4-Tage-Woche kommen dem Wunsch der »Generation Z« nach Flexibilität entgegen. Diese Maßnahmen helfen ihnen, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen und ihre Autonomie zu stärken. Groß geschrieben wird außerdem ein harmonisches Team und ein Gemeinschaftsgefühl. Wer als Betrieb in der Hotellerie und Gastronomie gezielt den Teamzusammenhalt fördert, wird demnach gute Chancen haben, treue Mitarbeiter zu finden und zu halten.
Welche Rolle spielt soziale Verantwortung in Bezug auf die Anziehung und Bindung von talentierten »Gen Z«-Mitarbeitern in der Hotellerie und Gastronomie?
Die »Gen Z« legt großen Wert darauf, dass ihre eigenen ethischen Überzeugungen und die ihres Arbeitgebers übereinstimmen. Sie suchen nach einer Arbeitsumgebung, in der soziale Verantwortung und ethisches Handeln an erster Stelle stehen. Außerdem misst diese Generation dem Engagement für Umweltschutz und nachhaltigen Praktiken große Bedeutung bei. Sie bevorzugen folglich Arbeitgeber, die aktive Schritte zum Umweltschutz unternehmen, da dies ihre eigene Sorge um den Planeten widerspiegelt. Darüber hinaus fühlen sich die jungen Menschen dieser Generation von Unternehmen angezogen, die sich aktiv für soziale Projekte engagieren. Sie möchten Teil eines Teams sein, das über den finanziellen Gewinn hinaus einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet. Insgesamt ist soziale Verantwortung demnach nicht nur ein moralisches Gebot, sondern auch ein wichtiger Faktor, um für die »Generation Z« als attraktiver Arbeitgeber in der Hotellerie und Gastronomie zu gelten.
Wie können Personalabteilungen gezielt auf die Bedürfnisse der »Generation Z« eingehen und deren Potenzial voll ausschöpfen?
Grundlegend sollten Personalabteilungen zunächst die psychologischen Bedürfnisse der »Generation Z« verstehen. Dazu zählen unter anderem der Wunsch nach Anerkennung, Zugehörigkeit und einem sinnstiftenden Beruf. Was sich die jungen Menschen für ihr tägliches Arbeitsumfeld und -team wünschen, gilt natürlich auch für die Personalabteilung. Wer diese aufsucht, sollte demnach immer die Möglichkeit haben, in einer vertrauensvollen Atmosphäre offen Feedback geben zu dürfen.
Da der Wunsch nach mentaler Gesundheit immer bedeutender wird, ist es vor allem an den Personalabteilungen gelegen, diesem nachzukommen. Ob in Form von psychologischer Beratung oder Workshops, beispielsweise zum Stressmanagement, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ein gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld zu unterstützen. Darüber hinaus wissen es Mitarbeiter der »Gen Z« zu schätzen, wenn die Personalabteilung die persönliche und berufliche Entwicklung fördert. Wer heutzutage in der Gastronomie und Hotellerie genügend Weiterbildungsoptionen anbietet und Karrierewege transparent darstellt, punktet enorm.
Welche psychologischen Aspekte sind wichtig, um die persönliche Entwicklung der »Gen Z«-Mitarbeiter in der Hotellerie und Gastronomie zu fördern?
Die Gehirne junger Erwachsener sind besonders plastisch, was bedeutet, dass sie sehr lernfähig sind. Indem Betriebe Lern- und Entwicklungsprozesse durch vielfältige und herausfordernde Aufgaben fördern, können sie die kognitive Flexibilität und Problemlösungsfähigkeiten ihrer »Gen Z«-Mitarbeiter stärken. Um bei den Gehirnaktivitäten zu bleiben: Gerade in jungen Jahren ist das Belohnungssystem im Gehirn besonders reaktionsfreudig. Anerkennung und positives Feedback können daher motivierend wirken und zur Jobzufriedenheit beitragen.
Ein weiterer psychologischer Aspekt, den vor allem Hotellerie- und Gastronomiebetriebe fördern können, ist die Resilienz. Denn einer sehr dynamischen Branche stehen viele junge Erwachsene gegenüber, die empfindlicher auf Stress reagieren können als vorangehende Generationen. Um dem entgegenzuwirken, sollten von Beginn an Maßnahmen zur Stressreduktion und zur Förderung von Resilienz ergriffen werden. Auch Entspannungstechniken, Achtsamkeitstrainings und ein unterstützendes Arbeitsumfeld können hilfreich sein. Zu einem solchen unterstützenden Umfeld gehören außerdem soziale Beziehungen. Ein Mitarbeiter der »Gen Z« möchte ein Gefühl der Zugehörigkeit verspüren, bei sich, aber auch bei allen anderen. Inklusion ist das Stichwort. In dieser Einheit möchte dann aber dennoch jeder genügend Raum haben, sich selbst zu verwirklichen und autonom zu handeln. Dies kann durch die Bereitstellung von Möglichkeiten zur Selbstgestaltung und Eigenverantwortung erreicht werden. Ein letzter psychologischer Aspekt, den Betriebe in der Hotellerie und Gastronomie fördern sollten, ist die intrinsische Motivation und das Engagement der Mitarbeiter. Das erreicht man, indem man seinen Mitarbeitern deutlich macht, wie hoch die Bedeutung der Arbeit im Betrieb ist und welche positiven Auswirkungen daraus resultieren.
Glauben Sie, dass die »Generation Z« einen besonderen Beitrag zur Weiterentwicklung von Unternehmenskulturen in der Hotellerie und Gastronomie leisten kann? Wenn ja, auf welche Weise?
Auf jeden Fall! Ihr Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten und -modellen bringt eine neue Dynamik in traditionelle Arbeitsstrukturen. Mit ihren frischen Perspektiven und innovativen Ideen tragen sie zudem maßgeblich zur Entwicklung eines Unternehmens bei. Da die jungen Mitarbeiter ein großes technisches Know-how und digitale Kompetenzen haben, können sie auch dabei helfen, Prozesse moderner und vor allem effizienter zu gestalten. Außerdem kommt ihr Drängen nach umweltbewussten Praktiken und nachhaltigen Geschäftsmodellen jedem Unternehmen zugute. Schließlich haben auch viele andere Generationen längst begriffen, wie wichtig es ist, achtsam und nachhaltig zu leben. Gleiches gilt für ihr Engagement einer inklusiven Unternehmenskultur – und in gewisser Weise lebt ja gerade die Hotellerie- und Gastronomiebranche von einer kulturellen Vielfalt an Gästen. Dann sollte es auch unter den Mitarbeitern gelebt werden.
Über Valentin Haas
Valentin Haas ist approbierter psychologischer Psychotherapeut und Business-Coach und hat einen Ansatz entwickelt, der sich auf die Resilienz von Unternehmern, Managern und Selbständigen spezialisiert.
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