Schicht vorbei? Mitarbeiter-Restaurants versorgen das Team oft auch außerhalb der Dienstzeiten.
© STOCK resort
»Home Sweet Home« im Hotel: Warum Mitarbeiter so schön wie Gäste wohnen
Lieblose Personalunterbringung war gestern! Heute wirbt die gehobene Hotellerie um Talente mit Wohlfühlunterkünften, Fitness- & Spa-Angeboten, Team Lodges und Natur vor der Haustüre. Das wirkt positiv – auch auf den Umsatz.
von redaktion
10. Oktober 2025
Text von Isabella Kitzwögerer
Während die Gäste sich nach dem Ausschlafen ein ausgiebiges Frühstück genehmigen und den Blick träge über das gebotene Naturschauspiel schweifen lassen, hat der Hochbetrieb im Hintergrund schon vor Stunden begonnen. In kaum einer Branche hängen Gästeerlebnis und Mitarbeitermotivation so eng zusammen wie in der gehobenen Hotellerie. Und das wirkt sich direkt auf den Umsatz aus. Wer lächelnd zum Upselling motivieren soll, muss zuerst auch selbst etwas zu lachen haben. Denn der Anspruch ist hoch, die Auslastung in den Hauptsaisonen konstant. Soll das Level an Service zu jeder Zeit qualitativ äquivalent zur Anzahl der Sterne sein, erfordert das ein Höchstmaß an Einsatz. Hinter den Kulissen zählt also das Umfeld: Raum zur Erholung, Möglichkeiten zur Weiterbildung und ein wertschätzender Umgang sind »Bindungsfaktoren«. Denn eines ist klar: »Unsere Gäste sind Könige, aber unsere Mitarbeiter setzen ihnen die Krone auf.«
Wohnen mit Hündchen
So formulierte es Bert Willkomm aus dem Tannheimer Hotel »Jungbrunn«. Für den Tiroler Hoteldirektor zählen dabei auch Details: Neue Team-Mitglieder dürfen ganz selbstverständlich mit ihren Vierbeinern in die Personalwohnungen einziehen. Die schönsten Spazierwege kennt man daher aus eigener Anschauung, sollte einmal ein Gast fragen. Vor allem aber ist der Wohlfühlfaktor deutlich höher – und man kommt nach der Schicht in keine leere Wohnung. Doch mit oder ohne Haustier: Der vom Betrieb zur Verfügung gestellte Wohnraum prägt das Arbeitsklima maßgeblich. Wer beengt und lieblos untergebracht ist, wird sich langfristig nicht wohlfühlen, geschweige denn gerne bleiben. Hochwertige Team-Lodges und Mitarbeiter-Residenzen, die diesen Namen verdienen und dem Gäste-Erlebnis in fast nichts nachstehen, sind in Spitzenhäusern Gebot der Stunde.
Ein Paradebeispiel dafür ist das »Stock Resort« (Finkenberg, Tirol). »Wir schaffen Räume, in denen sich unser Team wohlfühlt – die Team Lodge ist einer davon«, schwärmt die geschäftsführende Familie Stock unisono. Wichtiges Detail im Zillertal: Hier gibt es inzwischen schon mehr Personal- als Gästezimmer! Neben hochwertig ausgestatteten Wohnungen stehen den Mitarbeitenden ein eigener Pool, Fitnessraum, Sauna, Infrarotkabinen und ein Solarium zur Verfügung. Ein Aufenthaltsraum mit Dart und Tischtennis sowie ein Massagesessel mit Meditationsfunktion macht die Erholung abseits des Diensts komplett.

Sportstudio und Bergblick
Dieses »Wohnen auf Gäste-Niveau« stellt auch der »Stanglwirt« in Going bei Kitzbühel in den Mittelpunkt der Mitarbeiter-Bindung: »Daheim beim ›Stanglwirt‹ ist nicht nur das Motto für unsere Gäste, sondern gleichermaßen für unser Team«, erzählt Junior-Chefin Elisabeth Hauser-Benz und spricht auch den Gesundheitsaspekt an: »Wir möchten, dass sich unsere Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und sich in ihrer Freizeit gut erholen können«. In der neu erbauten Mitarbeiterresidenz der Tiroler sorgen daher Massivholzwände, großzügige Betten, Regenduschen, Flatscreens und ein Fitnesscenter für fast hotelähnlichen Komfort. Die Miete, respektive der Unkostenbeitrag, ist dabei mit 250 Euro pro Monat konkurrenzlos. Zumal neben einem eigenen Elektro-Fuhrpark zur freien Benutzung auch der Bergblick auf den Wilden Kaiser oder das Kitzbüheler Horn vom eigenen Balkon inkludiert ist.
Während die »Personalzimmer« längst modernere Optik (und Namen!) angenommen haben, ist ein weiterer Benefit jüngeren Datums. Sich körperlich auszupowern, um Stress abzubauen und abzuschalten, spricht vor allem junge Mitarbeiter an. Im »Schlosshotel Seefels« geht das in der eigenen Mitarbeiter-Kraftkammer mit direktem Blick auf den Wörthersee. Wer sich lieber an der frischen Luft körperlich betätigt, wird hier ebenso fündig. Denn am exklusiven Team-Strand tummeln sich Flamingos und Einhörner. In Form von Schlauchbooten, die für Ausfahrten zur Verfügung stehen. »Spaß muss bei uns auch sein«, sagt Hotelière Helena Ramsbacher dazu.
Es beginnt gleich am Anfang
Wie wichtig es ist, Neuankömmlinge im Team von Anfang an die Hand zu nehmen, zeigen auch Häuser wie das »Alpenrose -Familux Resort«. In Lermoos erhalten neue Mitarbeiter in den Unterkünften eine Erstausstattung mit Bettwäsche und Handtüchern, auch die Dienstkleidung liegt bereit. Nur ihre eigenen »sieben Sachen« müssen Team-Mitglieder noch selbst packen.
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