KI erfindet Reiseziele: Wo wir lieber nicht hinreisen sollten
Zu schön, um wahr zu sein, sind manche Destinationen, die Nutzern auf Instagram & Co. eingespielt werden. Und tatsächlich sind sie oft nicht-reale, von KI generierte Traumziele. Falstaff TRAVEL zeigt, welche Destinationen reine Konstrukte sind, und worauf man achten sollte, bevor man eine Reise antritt.
Man scrollt sich durch den Content auf den verschiedenen Social Media Kanälen, entdeckt Amüsantes, Spannendes und schönste Reiseziele sowie Tourismus-Attraktionen. Doch Vorsicht: Oftmals handelt es sich um reine Konstrukte von Künstlicher Intelligenz (KI), die in Wirklichkeit nicht existieren.
Fake-Weihnachtsmarkt am Buckingham Palace
Der von der KI erfundene Weihnachtsmarkt am Buckingham Palace löste zuletzt Ärgernis bei vielen Tourist:innen aus. Sie freuten sich auf stimmungsvolle Stände und Lichtergirlanden vor dem königlichen Schloss in London. Auf dem Instagram-Kanal londoncity.best war die Rede vom ersten Weihnachtsmarkt überhaupt vor Londons Wahrzeichen. Laut Bericht des Nachrichtensenders BBC waren einige Besucher:innen rein wegen des Markts in die britische Hauptstadt gereist. Doch Pustekuchen: Er war ein reines KI-Konstrukt, das in Wirklichkeit nicht existierte. Die Stadt an der Themse ist natürlich, gerade zur Weihnachtszeit, trotzdem einen Besuch wert.
Erfundener Nordlicht-Panoramazug in Norwegen
Ähnlich begeistert und zugleich verwundert zeigen sich auch die Follower:innen des Instagram Kanals norwaytravelers. Ihnen wird der neue »Panorama Nachtzug« vorgestellt – ein Zug mit gläsernen Wänden und Decke, der durch Norwegens nächtliche Landschaft fährt und Gästen während der Fahrt einen besonders schönen Ausblick auf die Nordlichter geben soll. Die Community ist entzückt, doch einige kommentieren mit »Der Zug fährt in euren Träumen« und »sowas haben wir nicht in Norwegen«. Auf Nachfrage beim Norwegischen Tourismusbüro erfährt Falstaff TRAVEL, dass ein nächtlicher »Northern Light Train« zwar existiert – er fährt 43 Kilometer lang von Narvik bis an die schwedische Grenze. Doch es handelt sich nicht um einen gläsernen Panoramazug, sondern um einen klassischen Zug mit geschlossener Decke – auch auf einer Fahrt mit ihm kann man die Aurora Borealis bestaunen.
KI-gefälschter Bericht zu Seilbahn
Bei einem Beitrag über den »Kuak Skyride« war zuletzt ebenfalls eine komplett KI-generierte Fälschung im Spiel. Das mutmaßlich professionell erstellte Video – in dem ein Avatar eine Moderatorin darstellt – berichtet über eine »neue, atemberaubende Seilbahn in Malaysia«, nahe der Stadt Kuak Hulu. Das Video zeigte Menschen, die sich vor einem Ticketschalter anstellten, während Tourist:innen Fotos schossen. Laut The Independent begab sich ein älteres Ehepaar auf die 370-Kilometer-lange Reise, um die Seilbahn zu erleben. Doch bei deren Ankunft gab es lediglich eine Hotelmitarbeiterin, die erklärte, dass diese Attraktion nie existiert hat.
Gefährliche Vorschläge der KI
Neben ärgerlichen Anreisen kann das Aufsuchen von Orten, die nicht existieren, auch gefährlich sein. In Peru warnte der lokale Tourguide Miguel Angel Gongora Meza zwei Tourist:innen, die auf dem Weg zu einem »Heiligen Canyon von Humantay« waren. Diesen Ort hatte ihnen eine KI empfohlen, doch er ist eine reine Fiktion – eine Kombination aus existierenden Namen und frei erfundenen Beschreibungen. Meza erklärte gegenüber der BBC, eine solche Falschinformation sei in den Anden lebensgefährlich. Ohne ortskundige Führung könne man sich schnell in 4.000 Metern Höhe ohne Sauerstoff und Mobilfunknetz wiederfinden.
Reality-Check der Inhalte ist unerlässlich
Das Problem mit den von KI vorgeschlagenen Inhalten auf Social Media beschränkt sich nicht auf falsche Routen oder erfundene Destinationen. Die Technologie hinter dem fiktiven Content ist dieselbe, die für Deepfake-Betrug genutzt wird, wie der Digitalwirtschafts-Anbieter t3N berichtet. Die Grenzen zwischen authentischen Empfehlungen und gezielter Täuschung verschwimmen.
Für Reisende bedeutet das, dass eine gesunde Portion Misstrauen unerlässlich ist. Jeder von einer KI generierte Vorschlag – sei es ein Restaurant, eine Route oder eine ganze Sehenswürdigkeit – sollte über etablierte Quellen wie offizielle Tourismus-Websites, Kartenanwendungen oder aktuelle Reiseführer verifiziert werden. KI kann ein starkes Werkzeug für Inspiration sein, aber die finale Prüfung muss menschlich bleiben.