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KI trifft Mixologie: Müssen Bartender jetzt um ihren Job bangen?

Künstliche Intelligenz
Bar
Cocktail

Kann eine KI den perfekten Cocktail kreieren? Im Berliner »Bonvivant« zeigte Google mit »Gemini«, wie Künstliche Intelligenz Rezepte entwickelt, die sogar Barchefs wie Elias Heintz überraschen. Doch ersetzt die Technologie tatsächlich den Mixologen, oder wird sie zur kreativen Inspirationsquelle hinter der Bar?

Muss Barchef Elias Heintz jetzt etwa um seinen Job fürchten? Nicht wirklich. Vergangene Woche konnte man sich im Berliner Sterne-Restaurant »Bonvivant« dennoch kurz fragen, ob der Mixologe der von Falstaff ausgezeichneten besten Restaurantbar des Jahres bald Konkurrenz aus der digitalen Welt bekommt. Denn hier demonstrierte Google mit seiner KI »Gemini«, wie sie nicht nur Texte oder Bilder generieren, sondern auch Cocktails kreieren kann. Genauer gesagt: Rezepte für Drinks entwickeln, die dann von Profis wie Heintz in die Gläser gebracht werden.

Das Prinzip klingt denkbar einfach, und ist gleichzeitig ein faszinierender Einblick in die Zukunft. Die KI, im Englischen als Artificial Intelligence bezeichnet, schlüpft an diesem Abend in die Rolle eines digitalen Barchefs, charmant »kAI« genannt. Er wurde mit dem theoretischen Wissen eines erfahrenen Bartenders gefüttert. Zudem kennt er alle Zutaten und Spirituosen, die das »Bonvivant« zu bieten hat. Was folgt, ist eine interaktive Konversation, bei der die Gäste ihre Wünsche äußern und Gemini gezielt nachfragt: Gibt es Allergien oder Unverträglichkeiten? Soll der Drink alkoholisch sein oder lieber nicht? Fruchtig oder herb, klassisch oder ausgefallen? Begriffe wie »süßlich mit einem Hauch Rauch«, »sommerlich-erfrischend« oder »wild und experimentell« wandern in den Chat.

»Das ist schon beeindruckend«

Am Ende des Fragenkatalogs präsentiert die KI ein individuell zugeschnittenes Rezept samt detaillierter Anleitung – von der Wahl des Glases bis hin zur Garnitur. Hat man dann noch gemeinsam mit »kAI« einen Namen für seine Kreation gefunden, schickt man Anleitungen für »Ginger Zing«, »Cosmic Dream« oder »Green Delight« per Mail direkt an die Bar.

© Chromebook / Geosvany Cafasso

Dahinter werden die Augen ziemlich groß: »Das ist schon beeindruckend«, gibt Barchef Elias Heintz zu. Doch eine Sache fällt ihm direkt auf: »Das wird viel zu süß.« Was der KI fehlt, ist nämlich genau das, was einen guten Bartender ausmacht: ein ausgeprägter Geschmackssinn, Erfahrung und das Fingerspitzengefühl, um die Balance eines Drinks zu perfektionieren.

Inspiration statt Konkurrenz

Dass Künstliche Intelligenz ihn oder sein Team jemals ersetzen könnte, glaubt Heintz nicht. Vielmehr sieht er Gemini als inspirierenden Sidekick. Die KI liefert Ideen, die vielleicht sonst nicht auf der Karte gelandet wären – und bringt frischen Wind hinter die Bar.

Für Google war genau das die Botschaft des Abends: zu zeigen, wie KI kreative Prozesse bereichern kann, auch in Bereichen, die auf den ersten Blick wenig mit Technologie zu tun haben. Der Übergang von Technik zu Genuss war dabei erstaunlich fließend.

Gleichzeitig merkt man schnell: Gemini ist mehr als ein nettes Gadget für Tech-Enthusiasten. Je mehr Informationen die KI erhält, desto besser wird sie. Sie kann Muster erkennen, Präferenzen analysieren und so immer treffsicherer Vorschläge machen. Der Gedanke, dass KI in immer mehr vielen Lebensbereichen ähnlich kreativ agiert, ist sowohl faszinierend als auch ein bisschen unheimlich.

Wie ein gut informierter Kollege

Die Sorge, dass Künstliche Intelligenz die Weltherrschaft übernehmen könnte, verfliegt allerdings schnell – spätestens nach dem ersten Drink. KI ist ein Werkzeug, kein Akteur. Sie braucht immer Menschen, die ihre Ideen prüfen, verfeinern und in die Praxis umsetzen.

Künstliche Intelligenz bleibt also vorerst ein »Sidekick« – eine Art digitaler Assistent, der uns vieles erleichtern, aber nicht ersetzen kann. Sie übernimmt Routinen, liefert Ideen und verknüpft Wissen blitzschnell, doch sie braucht immer einen Menschen, der ihre Vorschläge interpretiert, verfeinert und zum Leben erweckt. Wie ein gut informierter Kollege mit einer endlosen Datenbank im Kopf.

Symbiose von Mensch und Maschine

Am Ende des Abends bleibt die Erkenntnis: Künstliche Intelligenz wie Google Gemini ist keine Bedrohung, sondern ein Werkzeug, das Kreativität und Können ergänzt. Und während die Gäste auf den gelungenen Abend anstoßen, wird klar, dass Gemini seinen Platz in der Welt der Kulinarik finden könnte – nicht als Konkurrent, sondern als Partner.

Elias Heintz wird seinen Shaker so schnell nicht aus der Hand legen – doch vielleicht lässt er sich beim nächsten Drink von einem Blick auf den Bildschirm inspirieren. Denn wer weiß? Die spannendsten Ideen könnten künftig aus der Symbiose von Mensch und Maschine entstehen.

Rezept »Green Delight«

© Chromebook / Geosvany Cafasso

- 4 cl Holunderblütensirup
- 3 cl Zitronensaft
- 2 cl Thomas Henry Pink Grapefruit
- 1 cl Vaihinger Ingwer Direktsaft
- Frischer Ingwer
- Frische Gurke
- Eis

ZUBEREITUNG

Den Ingwer schälen und in kleine Stücke schneiden. Die Gurke waschen und in Scheiben schneiden. Gin, Holunderblütensirup, Zitronensaft, Grapefruit und Ingwersaft in einen Shaker geben. Einige Ingwerstücke, Gurkenscheiben und Eiswürfel hinzufügen. Kräftig shaken. In ein Longdrinkglas abseihen.  Mit einer Zitronenscheibe, Ingwer und Gurkenscheiben garnieren.


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Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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