ChatGPT als Souschef: Kann das gut gehen?
Angst vor KI in der Küche? Ein Abend mit ChatGPT zeigt, wie entspannt und lecker Technik sein kann.
Eine künstliche Intelligenz als Küchenhelfer? Was vor ein paar Jahren noch nach Science-Fiction klang, ist längst Realität geworden. Aber kann das wirklich funktionieren? Während Skeptiker den Untergang der Menschheit voraussagen, sind Helfer wie ChatGPT für rund 800 Millionen Nutzer:innen weltweit im Alltag unverzichtbar geworden. Besonders in den heimischen Küchen hat sich die künstliche Intelligenz rasant zum persönlichen Souschef gemausert.
Beim ersten OpenAI-Creator-Event in Deutschland wurde genau dieses Spannungsfeld live getestet. Dafür lud das KI-Unternehmen gemeinsam mit Food-Influencer Stefano Zarrella in die »Taste Academy Cologne« ein, um zu zeigen, was mit KI in der Praxis alles möglich ist. Denn vor allem im deutschsprachigen Raum steigen die Anfragen zu Food und Alltagsküche rasant – und viel Potenzial bleibt oft noch auf dem Schneidebrett liegen.
Garantiert idiotensicher
Zarella selbst nennt die KI »Chat« und schwört auf ihre Unterstützung. Zuletzt rettete sie einen eingerissenen Käsekuchen; erklärte nicht nur, woran es lag, sondern lieferte gleich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie der Kuchen beim nächsten Mal perfekt gelingen würde. »Chat ersetzt keine Menschen«, betont Zarella, »aber als Sparringpartner kann man viel von ihr lernen.« Selbst seine Mutter Clementina Zarella, Ende 60, nutzt die KI im familieneigenen Cateringservice »Casa Zarella«. Berechnungen, die früher eine halbe Stunde dauerten – etwa wie viele Lasagneplatten für 140 Gäste nötig sind – erledigt ChatGPT binnen Sekunden.
Was noch möglich ist, sollten Stefano Zarrellas Freunde und Gäste in einer kleinen Kochchallenge herausfinden. Unter ihnen bekannte Gesichter aus den sozialen Netzwerken wie Ana und Tim Johnson, Tobias Wolf, Sharon Battiste und AriPastaClub traten in Teams für Vorspeise, Hauptgang, Dessert und Tischdekoration an. Abgesehen von der Zutatenliste war nichts vorgegeben. Ein Bild der vorhandenen Zutaten genügte, um von ChatGPT eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu erhalten – idiotensicher. So entstanden Gerichte wie gerösteter Blumenkohl auf Tahinsoße mit Granatapfelkernen, veganes italienisches Spinat-Risotto mit Erbsen und eine Schokomousse aus Avocado mit frischen Beeren. Die KI gab Tipps zum richtigen Gargrad, zu kreativer Resteverwertung und sogar zum Anrichten und dekorieren. Das Team für die Tischdekoration nutzte ChatGPT, um individuelle Platzkarten zu gestalten, versehen mit kleinen, humorvollen Sprüchen, die beim Hinsetzen der Gäste ein Lächeln aufs Gesicht zauberten.
Wovor sollte man Angst haben?
Was im Küchenstudio inszeniert wirkt, ist in vielen Haushalten längst Realität. Ein Bild vom halbwegs gefüllten Kühlschrank oder Vorratsschrank genügt, und ChatGPT schlägt ein schnelles Abendessen vor – ob gesund, proteinreich oder einfach nur lecker. Gleichzeitig kann die KI die Nährwerte berechnen, Restzeiten im Kühlschrank prüfen und Ideen liefern, wie aus den Resten am nächsten Tag ein neues Gericht entstehen könnte. Nur schneiden, rühren oder kneten kann ChatGPT – noch – nicht (der Thermomix aber schon…).
Und vielleicht das Wichtigste: ChatGPT kann auch Ängste nehmen. Wer kennt es nicht, dass die Familie sich am Sonntag spontan zum Essen anmeldet und man in Panik gerät? Wo man sonst auf sich allein gestellt war, steht nun »Chat« – oder wie man die künstliche Intelligenz auch immer nennen will – an der Seite.
Wovor sollte man auch Angst haben? Wer einmal gesehen hat, wie einfach die KI Schritt-für-Schritt unterstützt, merkt schnell, dass die Kontrolle immer beim Menschen bleibt. Die KI gibt Hinweise, liefert Ideen, berechnet Mengen – entscheiden und umsetzen muss weiterhin der Mensch. Sie übernimmt nicht, sie ergänzt.
Stefano Zarrella und seinen Gästen hat ChatGPT jedenfalls einen schönen Abend beschert, bei dem das Lob allein den Köch:innen galt – nicht der KI. Am Ende bleibt die Botschaft klar: Angst vor Technik ist überflüssig, Mut zum Ausprobieren zahlt sich aus, und Kochen kann mit einem digitalen Souschef an der Seite überraschend einfach, kreativ und entspannt sein.