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»Kuratieren von Luxuserlebnissen«: Ein Blick hinter die Kulissen des Capella Bangkok

Ein weiteres 5 Sterne Luxus Hotel in eine Millionenmetropole? General Manager John Blanco des »Capella Bangkok« spricht im Interview über die Veränderung des Luxusbegriffs, wie der mit Nachhaltigkeit zusammenpasst – und welchen persönlichen Luxus seine Gäste hier erwartet.

Ein sichtlich gut gelaunter John Blanco steht in der eleganten Lobby des Capella Hotels in Bangkok. Der in Amerika geborene, und sechs Sprachen sprechende, Weltbürger ist der General Manager des im Oktober 2020 eröffneten 5 Sterne Hotels – und seit einem Tag frisch aus dem Urlaub zurück. Das resortähnliche Hotel ist einer der letzten Neuzugänge, der an Luxushotels wahrlich nicht armen asiatischen Megacity. Und wie auch seine Hauptkonkurrenten, »Mandarin Oriental«, »Peninsula« oder »Four Seasons« liegt es prominent am Ufer des Chao Praya Flusses. Aber auch wenn der Start, mitten in der Pandemie, kein leichter war, ist das Hotel soeben nicht nur zum besten Hotel Bangkoks gewählt worden, sondern wurde die singapurianische »Capella Group« gerade auch zur besten Hotelmarke der Welt gekürt. In diesem Hotel wird also definitiv Vieles richtig gemacht. Was genau zu diesem Erfolg geführt hat, erzählt John Blanco im Gespräch mit Falstaff.

 

Das Capella Bangkok ist eines der fünf besten Hotels der Welt. Was sind die Herausforderungen in der Luxushotellerie, um die individuellen Bedürfnisse der Gäste zu erfüllen?

Heute kann niemand mehr definieren, was genau Luxus ist – außer man selbst. Für mich ist Luxus vielleicht, auf einem Plastikhocker in Thailand auf der Straße zu sitzen und unglaublich köstliche Nudeln zu essen. Besonders jetzt, nach der Pandemie, wollen Menschen ihren Hunger nach einzigartigen Erlebnissen stillen. Wir in der Luxushotellerie müssen uns fragen: Wie schaffen wir das für jeden einzelnen Gast? Wir haben bei »Capella« das große Glück, dass unsere Hotels relativ klein sind. Dadurch und durch unsere Servicekultur sind wir in der Lage, uns Zeit für die individuellen Bedürfnisse unserer Gäste zu nehmen. Im Endeffekt geht es darum, eine Art von emotionaler Bindung zu schaffen.

General Manager John Blanco des Capella Bangkok
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General Manager John Blanco des Capella Bangkok

Wie unterscheidet sich das »Capella Bangkok« von den anderen 5 Sterne Häusern der Stadt?

Es gibt viele Luxushotelmarken in Bangkok, die einen Aufenthalt auf höchstem Niveau anbieten. Allein mit hohen Standards zu konkurrieren, ist deshalb völlig sinnlos. Der Markenethos von »Capella« beinhaltet das Kuratieren von Erlebnissen. Wir haben ein besonderes Verständnis dafür, wie jeder Gast persönlich Luxus auf seiner Reise definiert. Die Menschen sind heutzutage wankelmütiger als noch vor der Pandemie. Wir realisieren, dass es unglaublich viele wunderbare Dinge gibt, die wir jetzt wieder genießen können – und wir begleiten unsere Gäste dabei mit Leidenschaft und Know-How.

Wie definiert sich Luxus in der Hotelbranche allgemein?

Ich arbeite seit 35 Jahren in der Hotellerie, und die Interpretation von Luxus im kommerziellen Sinn hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. In den 80er und 90er Jahren war die Definition klar: Das ist Luxus, und das ist der Weg dorthin. Für große Ketten wie »Ritz Carlton« oder »Four Seasons«, für die ich früher gearbeitet habe, heißt das, einen hohen Standard verlässlich reproduzieren zu müssen. Dafür braucht es ein gewisses Maß an Konsistenz. Um in dieser Größenordnung erfolgreich zu sein, muss man Regeln schaffen, die immer und überall auf der Welt anwendbar sind.

Wie hat sich der Begriff mit der Zeit verändert?

Ich erinnere mich an ein Erlebnis in Paris in den frühen 80ern, in einem Hotel der absoluten Spitzenklasse. Ich wollte nur einen Kaffee trinken und trug eine Lederjacke. Sofort spürte ich die Ablehnung des Personals. Zu der Zeit musste man einen Anzug tragen. Ich fühlte mich ganz und gar nicht willkommen. Das ist aus heutiger Sicht, eine sehr antiquierte Vorstellung von Luxus. Die Definition von Luxus ist heute, mehr denn je, eine sehr persönliche Angelegenheit, und kann für jeden Gast etwas anderes bedeuten.

Auf Ihrer Webseite ist der Begriff »Cultourist« nachzulesen. Was genau versteht man darunter, und was bedeutet es für das Konzept des Hotels?

Jedes Hotel der »Capella Group« sieht anders aus und fühlt sich anders an. Die besondere Gemeinsamkeit aller Häuser liegt darin, die einzigartige Atmosphäre des jeweiligen Ortes widerzuspiegeln, ohne ein Themenhotel zu sein. Das Gelände, auf dem heute das »Capella Hotel Bangkok« steht, war früher ein riesiger Fischmarkt, davor war es eine skandinavische Botschaft, und ganz ursprünglich stand hier ein buddhistischer Tempel. Das Land gehörte einer thailändischen Familie, die es später dem König schenkte. Das Grundstück liegt an der ersten gepflasterten Straße in Bangkok. Es sind all diese Geschichten, die den Ort geprägt haben. In erster Linie geht es darum, zu verstehen wo wir hier sind, und das dem Gast zu vermitteln, ohne ihn zu belehren. Wie können wir die Geschichte des Ortes in unsere Arbeit integrieren? Das ist die Funktion des Cultourist.

Wie setzen sie Nachhaltigkeit in einem Luxushotel um?

Wir wollen die lokale Gemeinschaft, mit der wir zusammenarbeiten, positiv beeinflussen und nicht nur einmalige PR-Maßnahmen installieren, sondern substanziell und dauerhaft Zustände zum Besseren verändern. Dafür arbeiten wir mit dem Unternehmen »Earth Check« zusammen. Beispielsweise darf keiner unserer Lieferanten seine Produkte in Plastikverpackung liefern. Wir haben spezielle, wiederverwendbare, sterilisierte Behälter, in denen die Lebensmittel transportiert werden. Das Hotel ist mit modernen Technologien ausgestattet, die ökologisch nachhaltige Prozesse garantieren. Sei es die Aufbereitung und das Recycling von Abwasser, oder die höhere Energieeffizienz der Klimaanlagen.


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Gabriele Dünwald
Autor
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