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© Sascha Rettig

Luxus in Cannes: Tür an Tür mit den Stars

Filmfestspiele
Frankreich
Hotel

Wenn jetzt im Mai in Cannes die wichtigsten Filmfestspiele der Welt nur wenige hundert Meter entfernt stattfinden, checken im renommierten »Carlton Cannes« wie seit jeher wieder Stars und andere namhafte Gäste ein. Längst ist diese 1913 eröffnete Grande-Dame am Boulevard de la Croisette aber auch selber eine betagte Berühmtheit, die kürzlich eine aufwändige Rundum-Erneuerung bekam.

Ob vielleicht Tom Hanks in den nächsten Tagen mit einem Drink an der Bar sitzt? Vielleicht huscht ja auch Kristen Stewart durch die Lobby? Oder Tom Cruise springt in einem eitlen wie kühnen Stunt von seiner Suite direkt in den Pool im Garten! Während der Filmfestspiele in Cannes, die am Dienstag zum 79. Mal eröffnet wurden, steigen Hollywoodstars und andere Kinoberühmtheiten seit jeher gern im »Carlton Cannes, a Regent Hotel« am Boulevard de la Croisette ab. Auch in diesem Jahr könnte sich die Gästeliste wieder um prominente Namen verlängern. Seit das Luxushotel 1913 eröffnet wurde, gehen namhafte Gäste aus Kunst, Politik und Gesellschaft durch die hohe Drehtür am Eingang ein und aus – vor allem, wenn die Stadt an der französischen Riviera wie immer im Mai zum Nabel der Filmwelt wird. Von Brad Pitt, Clint Eastwood und Quentin Tarantino bis zu Sophia Loren, Sharon Stone und Naomi Campbell: Es gibt kaum eine Weltberühmtheit, die hier nicht schon mal eingecheckt und sich mit Anekdoten in die Hotel-Historie eingeschrieben hat.

Längst ist das »Carlton« selbst eine Berühmtheit und wurde über die Jahrzehnte schon auf unterschiedlichste Weise filmisch verewigt. Hier wurden zahlreiche Kinowerke gedreht – von der Romantikkomödie »French Kiss« bis zu Hitchcocks Klassiker »Über den Dächern von Nizza« mit Cary Grant und Grace Kelly. Nicht zuletzt fand hier der Dreh des legendären Musikvideos »I’m still standing« von Elton John statt. Der Popstar kam damals, 1983, am »Carlton« vorgefahren – im Rollys Royce natürlich. Blauer Himmel. Blaues Meer. Schon am Boulevard de la Croisette warteten die Leute tänzelnd und winkend auf ihn und vor dem Eingang schließlich stand ein knapp bekleidetes Empfangskomitee mit knallig-bunt bemalten Körpern Spalier. Damals versetzte die Pop-Ikone den Hotelpalast in einem queeren, campen Ausnahmezustand. Tänzerinnen und Tänzer um ihn herum und überall. Auf den schweren Teppichen im Treppenhaus. Unter dem Kronleuchter im Ballsaal. Auf den Liegen am Strand. Im feinen Sand. Und auf dem Trottoir der Croisette.

Auf der Flaniermeile entlang der Strände ist das »Carlton« wohl der berühmteste der Hotelpaläste und dabei die Ausstrahlung einer französische Grande Dame – inklusive  Belle-Époque-Fassade, reicher Verzierungen wie »Meringues« und Skulpturen, dazu kommen das verschnörkelte Eingangsportal und die beiden Kuppeln an den Außenseiten, die den Brüsten einer Kurtisane nachempfunden sein sollen. Erst kürzlich wurde die betagte Dame, wie es sich für eine Legende gehört, mit großem Aufwand aufgehübscht und bekam während der Pandemie eine Grundsanierung. Mehr als zweieinhalb Jahre war das Fünf-Sterne-Hotel dafür geschlossen. Seit der Wiedereröffnung aber strahlt das Hotel wieder an der Croisette 58. »Wir wollten die DNA auf jeden Fall erhalten«, erklärt Laura Lefrançois vom »Carlton Cannes« bei einem Rundgang. »Die Architekten sagten, dass diese große, alte Dame viel bräuchte.« Auch wenn vieles neu und moderner sein mag: Die Drehtür ist immer noch original. Und auch darüber hinaus stecken in den Mauern und Dekors nach wie vor unzählige Spuren der Vergangenheit und der Belle-Époque-Stil wurde erhalten. »Es dreht sich alles um die Tradition kombiniert mit Modernität«, erklärt Lefrançois.

Essenz der Riviera

369 Zimmer und Suiten hat es heute – inklusive 37 Residences für längere Aufenthalte. Was sofort auffällt, ist die Helligkeit durch das Interieur, aber auch durch das Sonnenlicht, dass vielerorts hineinströmt. Keine Schwere, sondern die luftige Leichtigkeit des Sommers an der Riviera steckt in der Atmosphäre des »Carlton«. Leichte Farben. Viel Weiß. Viel Creme. Die Böden sind aus Carrara-Marmor. Insgesamt wurden 27 unterschiedliche Marmorarten verbaut. Der Check-In-Desk ist nun nach hinten verlegt. Die Lobby, in der man von den Lobby Ambassadors empfangen wird, ist dadurch offener und freundlicher. »Bei den Säulen in der Lobby haben wir unter acht Schichten Farbe den originalen Marmor freigelegt«, berichtet Laura Lefrançois. Der ebenfalls aufgehübschte »Grand Salon« ist ein eleganter Ballsaal mit historischem Charme und eindrucksvollen Kronleuchtern, die von einem Experten aus Versailles aufgearbeitet wurden. »Es hat allein zwei Jahre gedauert, diese Decke zu restaurieren«, fügt sie hinzu.

Die Aussicht von vielen Zimmern ist so exklusiv wie das Hotel selbst. Man blickt nicht nur auf das rege Treiben auf dem Boulevard, sondern auch über die Sandstrände mit ihren Liegen und bunten Schirmchen und dahinter über das blauglitzernde Mittelmeer bis zum Horizont. Segelboote und Yachten treiben vor der Küste auf dem Wasser. Im ruhigen Innenhof des Hotels entkommt man ebenfalls der Quirligkeit der Stadt und kann entspannen. Zwischen den neuen Gebäudeflügeln, die mit der Renovierung ergänzt wurden, befindet sich nun ein mediterraner Garten, der mit insgesamt 2.2000 Pflanzenarten angelegt wurde. Ganz hinten schließlich der größte Infinity-Pool in Cannes – eine echte Konkurrenz für die Abkühlung in den Meereswellen vor der Tür.

Auch bei den drei Restaurants gab es kulinarische Neuerungen seit der Wiedereröffnung: Im »Riviera Restaurant«, wo auch gefrühstückt wird, werden saisonale Köstlichkeiten und Klassiker der mediterranen Küche serviert – auf der Terrasse mit Blick auf Croisette und Meer. Der »Salon Camélia« ist derweil Treffpunkt und Tee-Salon gleichermaßen – mit einer großen Auswahl an Tees. Das neue »Rüya«, das auch Ableger in London und Dubai hat, schweift für seine kulinarische Inspiration weiter weg: Das Restaurant, das ebenfalls eine Terrasse zur Croisette bietet, konzentriert sich auf eine modernisierte Version anatolischer Gerichte. Im hinteren Teil wird vor den Augen der Gäste unter anderem frisches Brot gebacken. Für einen Aperitif oder zum Tagesausklang wiederum kann man in der »Bar °58« vorbeischauen. Die ist ebenfalls ganz neu und entstand dort, wo einst ein Büro des Küchenpersonals war. Der Keramik-Tresen wurde von einer Künstlerin aus der Region entworfen.

1930, als die amerikanische Klientel langsam den Sommer als Urlaubszeit entdeckte, hatte das »Carlton« den ersten Privatstrand in Cannes. Bis heute kann man dort direkt am Meer an angenehm schattigen Plätzen unter den weißen Schirmen entspannen oder im Restaurant Rindertartar, Seebrassen-Capaccio oder Muscheln in provenzalischem Wein genießen. Dazu erfrischt man sich mit einem Gin d’Azur, einem fruchtig-zitronigen Cocktail. So fühlt man sich am Strand selber wie ein Star. Oder mit etwas Glück begegnet man sogar dem einen oder der anderen. Fehlt nur, dass auch Elton John die Treppe herunter getänzelt kommt.


 

Sascha Rettig
Sascha Rettig
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