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Von wegen «Generation Sober»: Gen Z überholt Babyboomer beim Alkohol

Alkohol

Jung, gesundheitsbewusst und nüchtern? Eine neue internationale Untersuchung stellt das Bild der abstinenten Gen Z infrage. Inzwischen trinken mehr junge Erwachsene Alkohol als Babyboomer.

Alkoholfreies Bier, Sober Bars und monatelange Trinkpausen haben der Gen Z den Ruf einer besonders nüchternen Generation eingebracht. Neue Zahlen des Marktforschungsunternehmens IWSR zeigen etwas anderes: Der Anteil junger Erwachsener, die zumindest gelegentlich Alkohol trinken, ist seit 2023 deutlich gestiegen. Inzwischen liegt er sogar über jenem der Babyboomer.

Gen Z nähert sich dem Durchschnitt

Die Daten stammen aus der aktuellen Ausgabe der halbjährlichen Konsument:innenbefragung »Bevtrac«. Dafür untersucht die IWSR das Konsumverhalten in 15 wichtigen internationalen Alkoholmärkten, darunter die USA, China, Deutschland, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich. Österreich und die Schweiz waren nicht Teil der Erhebung. Befragt wurden Angehörige der Gen Z, die das in ihrem jeweiligen Land geltende gesetzliche Mindestalter für Alkoholkonsum erreicht hatten und höchstens 28 Jahre alt waren.

Von ihnen gaben 74 Prozent an, innerhalb der vergangenen sechs Monate mindestens einmal Alkohol konsumiert zu haben. 2023 waren es noch 66 Prozent. Damit stieg der Anteil innerhalb von drei Jahren um acht Prozentpunkte. So liegt die Gen Z nur noch knapp unter dem Durchschnitt aller untersuchten Altersgruppen. Über die gesamte erwachsene Bevölkerung hinweg hatten 76 Prozent der Befragten in den vergangenen sechs Monaten Alkohol getrunken.

Babyboomer trinken am wenigsten

Der Vergleich zwischen den Generationen zeigt deutliche Unterschiede. Den höchsten Anteil verzeichnen weiterhin die Millennials: 81 Prozent der 29- bis 44-Jährigen hatten im untersuchten Zeitraum Alkohol konsumiert. Bei der Gen X zwischen 45 und 60 Jahren waren es 77 Prozent. Unter den Babyboomern ab 61 Jahren lag der Anteil dagegen bei 71 Prozent. Damit weist die älteste untersuchte Generation inzwischen die niedrigste Konsumbeteiligung auf. Die Gen Z liegt mit 74 Prozent drei Prozentpunkte darüber.

Die Gen Z trinkt häufiger in Gruppen als andere Generationen.
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Die Gen Z trinkt häufiger in Gruppen als andere Generationen.

Nach Ansicht von IWSR-Präsident Marten Lodewijks stellen die Ergebnisse die verbreitete Vorstellung von der Gen Z als «Generation der Mässigung» infrage. Junge Erwachsene pflegten zwar einen anderen Umgang mit Alkohol als frühere Generationen, näherten sich bei der grundsätzlichen Konsumbeteiligung aber dem Durchschnitt der erwachsenen Bevölkerung an.

Cocktails mit Freunden

Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Wahl der Getränke und beim sozialen Rahmen. Cocktails spielen für die Gen Z eine besonders wichtige Rolle: 84 Prozent der Gen-Z-Konsument:innen hatten innerhalb der vergangenen sechs Monate mindestens einen Cocktail getrunken. In keiner anderen Altersgruppe fiel dieser Anteil höher aus. Auch grössere Gruppen sind bei jungen Erwachsenen vergleichsweise häufig: 18 Prozent waren bei ihrem letzten Konsumanlass mit mindestens fünf weiteren Personen zusammen. Laut IWSR lag dieser Wert ebenfalls über jenem der anderen Generationen.

Weniger Getränke pro Anlass

Insgesamt greifen zwar ähnlich viele Menschen zu alkoholischen Getränken wie zuvor, pro Anlass wird jedoch weniger konsumiert. Über alle untersuchten Altersgruppen hinweg ging sie von 4,4 Getränken in den Jahren 2024 und 2025 auf 3,9 Getränke im Jahr 2026 zurück. Babyboomer konsumierten mit durchschnittlich 2,6 Getränken pro Anlass am wenigsten.

Generation Sober?

Dabei ist die Kennzahl von 74 Prozent klar einzuordnen: Sie gibt lediglich an, wie viele Befragte innerhalb von sechs Monaten mindestens einmal Alkohol getrunken haben. Sie sagt weder aus, wie häufig die Personen konsumierten, noch welche Mengen sie insgesamt tranken. Die Ergebnisse belegen daher nicht, dass die Gen Z gleich viel oder mehr Alkohol konsumiert als andere Generationen. Sie zeigen vielmehr, dass zumindest gelegentlicher Alkoholkonsum unter jungen Erwachsenen verbreiteter ist, als es das Image der «Generation Sober» vermuten lässt.


Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
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