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Eva Böhmová, Valdemar Damgaard, Matthias Michel, Lars Michel, Svenja Lehmeier, Anders Henriksen.

Eva Böhmová, Valdemar Damgaard, Matthias Michel, Lars Michel, Svenja Lehmeier, Anders Henriksen.
© Romy Streit

Wie zwei Brüder Grindelwald aufmischen

Hotel
Restaurant
Bern
Schweiz

Matthias und Lars Michel transformieren das Quartier am Ende der Dorfstrasse in Grindelwald in einen Ort für Entdecker und Geniesserinnen. Mit ihrer klaren Vision, einem ambitionierten Küchenchef und der neuen Bäckerei «Kringle» prägen sie den Zeitgeist im Berner Oberland.

Im Herzen von Grindelwald, dort, wo sich der Eiger und seine Kumpanen majestätisch erheben, lebt die Gastfreundschaft der Familie Michel bereits in fünfter Generation. Mit dem «Hotel Fiescherblick» haben die Brüder Matthias und Lars Michel einen Ort geschaffen, der nicht nur durch skandinavische Ästhetik und alpine Lage besticht. Hervor sticht vor allem das, was man auf Bildern nicht sieht: ihre Leidenschaft, Innovationsfreude und ihr tiefer Respekt für die Gäste, das Team und die Region.

Im Dezember 2022, als das «Fiescherblick» wieder eröffnet wurde, begann das Quartier am Ende der Grindelwalder Dorfstrasse aufzublühen. Die Brüder peppten das traditionsreiche Haus nicht nur architektonisch auf, sondern entwickelten auch ein neues Konzept. Heute ist das «Fiescherblick» ein Hotel mit Seele – modern, aber nicht modisch; ambitioniert, aber nie abgehoben. Die Präsenz von Matthias und Lars Michel ist überall spürbar, vom reduzierten Design über die persönliche Gästebetreuung bis hin zur neuen Bäckerei «Kringle», die sie Anfang Juni 2025 eröffnet haben.

Dass die beiden Brüder ausgebildete Tourismus- und Hospitality-Profis sind, ist kaum überraschend. Entscheidend ist aber etwas anderes: ihr unbändiger Wille, mit dem «Fiescherblick» und all seinen Nebenschauplätzen Grindelwald als Destination voranzutreiben. Mit ihrer tiefen Verbindung zur Region, die internationale Einflüsse – etwa aus Skandinavien oder Japan – zulässt, prägen sie die neue Generation alpiner Schweizer Gastlichkeit.

Gastgeber sein bedeutet für die Familie Michel, ihren Gästen ein Zuhause auf Zeit zu bieten – für dieses Gefühl sorgen sie mit Empathie, Echtheit und persönlichem Einsatz. Das Hotel verzichtet bewusst auf opulente Alpenromantik. Stattdessen dominieren klare Linien, warme Naturmaterialien und eine gewisse Ruhe im Design. Zusätzlich dazu gehört Mut. Mut, sich ständig weiterzuentwickeln und Menschen wie Küchenchef Aurélien Mettler den kreativen Raum zu geben, ihre Visionen umzusetzen. Und die zwei Brüder haben ihn.

Kulinarische Entdeckungsfreude

Die Küche des «Fiescherblick» steht exemplarisch für diesen voranschreitenden Entdeckungsgeist. Aurélien Mettler, gebürtiger Interlakner und mit 29 Jahren bereits souveräner Küchenchef, bringt einen Stil auf den Teller, der sich nicht in Schlagworten erschöpft. Seine Küche ist weltoffen, aber verwurzelt, handwerklich präzise und geprägt von Neugier.

«In erster Linie geht es mir um den Geschmack», erklärt Mettler. «Ich kaufe das bestmögliche Produkt ein – was einfach gesagt ist, aber in der Umsetzung auch sehr schwierig sein kann.» Eine seiner weiteren Rahmenbedingungen ist, so viele Schweizer Produkte wie möglich zu verwenden. Mettler und sein Team kochen saisonal und hyperregional – was nichts mit seinem Kochstil zu tun hat, sondern damit, dass man eben «das beste Produkt verarbeiten kann». 

Inspiration holt sich der Jungkoch nicht nur bei Produzent:innen, sondern auch in anderen Restaurants. Interessanterweise sind Fine-Dining-Lokale für ihn gar nicht die grösste Inspirationsquelle, sondern eher bodenständige Restaurants. «Solche Besuche bringen mir immer wieder neue Ideen. Plötzlich baue ich Produkte in meine Menüs ein, an die ich vorher gar nicht gedacht habe», erzählt Mettler. 

Nach dem «Lokal» in Biel ist es Mettlers erste Station als Küchenchef in einem Hotel. In den letzten drei Jahren hat sich sein Kochstil stark weiterentwickelt. Und so soll es auch weitergehen. «Ich schaue immer nach vorn.» Manchmal sei es aber auch wichtig zurückzuschauen und sich daran zu erinnern, was man alles schon erreicht hat, betont Mettler.

Offenheit für Neues

Was das «Fiescherblick» besonders macht, ist seine Kultur der Offenheit. Nicht nur gegenüber den Gästen, sondern auch gegenüber neuen Ideen. Aurélien Mettler und sein Team arbeiten nicht in starren Hierarchien, sondern mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. «Lars und Matthias sind im selben Alter wie ich. Das schafft Nähe und Vertrauen», schwärmt der Küchenchef. Gemeinsame Entscheidungen und ein unstillbares Interesse an Weiterentwicklung prägen die Atmosphäre im «Fiescherblick». 

Die Familie Michel steht mit ihren beiden Hotels – dem «Fiescherblick» und dem traditionsreichen «Gletschergarten», das von den Eltern geführt wird – für eine neue, aufgeschlossene Form der Gastlichkeit im Berner Oberland. Während andere noch darüber nachdenken, wie alpine Hotellerie in Zukunft aussehen könnte, leben sie diese längst – Tag für Tag, Gericht für Gericht, Idee für Idee.

Nach langem Leerstand wachgeküsst, präsentiert sich das urige Haus nun zeitgemäß mit skandinavischem Stil.
Dorfstrasse 203
3818 Grindelwald
Schweiz
Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
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