Wo man in der Steiermark und Kärnten abseits der Skipiste einkehren kann
»Finale Grande« heißt der Zielhang auf der Reiteralm in Schladming. Aber auch die Pisten nahe der Bergstation wissen, wie man Skifahrer begeistert. Blick auf das Dachsteinmassiv inklusive.
Es ist eine dieser kalten, klaren Nächte in den letzten Wochen des Jahres. Der Mond hängt tief über den Gipfeln des Dachsteinmassiv. Sterne funkeln am Himmel, oben auf den Hängen der Planai huschen die Lichtkegel der Pistengeräte durch die Dunkelheit. Der Trubel des Tages macht jetzt Pause. Auch die eigenen Beine sehnen sich nach Ruhe. Die Skitage sind zu dieser Zeit zwar noch kürzer als im Februar oder März, aber nicht minder intensiv. Zudem umweht sie etwas Pionierhaftes: der erste Schnee, die erste Abfahrt, die erste Kaspressknödelsuppe der Saison – die (Rück-)Eroberung eines Genussreviers, das den Gast mit einem Mix aus frischen Pisten, verschneiten Wäldern, kulinarischen Spezialitäten aus der Region und weiten Aussichten in die Bergwelt der Niederen Tauern verwöhnt. Heute, morgen und in den nächsten Wochen.
Am nächsten Tag erwacht Schladming. Das erste Morgenlicht lässt das Dachsteinmassiv gegenüber in orange-rosa Farben glühen, die Sonne bemüht sich, ihre ersten Strahlen bis ins Tal hinunterzuschicken. Für den Zielhang der Planai reicht es noch nicht. Er liegt noch im Schatten – und kann daher bis Mittag warten. Für die ersten Abfahrten lohnt es sich, oben am schon sonnigen Gipfelplateau zu bleiben: Mitterhausalm, Burgstallalm oder die »Klangpiste« – hier spielt im wahrsten Sinne des Wortes die Musik. Im Bereich der Fastenberg-Bergstation kann man an einer Musikbox aus über 10.000 Titeln seinen persönlichen Soundtrack wählen. Wenig später dröhnen AC/DC-Gitarrenriffs, eine Schlagerschnulze oder ein sämiger Walzer aus den Boxen am Pistenrand und geben den Takt der Schwünge vor. Im Ohr das Lieblingslied, in der Nase kristallklare Luft, vor den Augen die Dachsteinsüdwand: Der Tag beginnt wie ein Wunschkonzert für alle Sinne.
Dieses Genusspaket hat die Planai aber nicht für sich allein gepachtet. Auch auf der benachbarten Reiteralm, der Hochwurzen und dem Hauser Kaibling taucht die frühe Sonne die Pisten in ein goldenes Licht, bildet die markante Gebirgskulisse des Dachsteins einen ständigen Begleiter am Horizont und knirscht der frische Schnee unter den Skiern. Insgesamt 123 Pistenkilometer Abfahrt in allen Schwierigkeitsgraden sind entlang der »Vier-Berge-Skischaukel« erschlossen – ausreichend Terrain, um an einem Tag keine Piste zwei Mal fahren zu müssen. Wer clever ist, teilt sich dabei nicht nur seine Kräfte ein, sondern plant auch ausreichend Stopps bei einigen der insgesamt 90 Hütten und Bergrestaurants mit ein.
Rauchs Hüttenkulinarik
Nur wenige Meter unter der Bergstation der Planai-Gondelbahn lockt etwa die »Schafalm« mit ihrer sonnigen Panoramaterrasse: Bei frischer Forelle aus dem Ennstal oder einem fluffigen Kaiserschmarrn genießt man hier den freien Blick auf den Dachstein. Eine Etage tiefer, bei der Mittelstation, geizt auch die »Kessler Alm« nicht mit feinen Aussichten – zum einen auf die Bergkulisse gegenüber, zum anderen auf saftigen Schweinsbraten oder frischen Spinat-Schafkäse-Strudel. Egal wo, ein Muss: der Ennstaler Steirerkas, ein würziger, magerer Sauermilchkäse, der traditionell als Kasnocken in einer gusseisernen Pfanne oder am Teller serviert wird. Die Auswahl an Alternativen bleibt jedenfalls groß.
Steht man beispielsweise nach einer Fahrt mit dem Gipfellift am höchsten Punkt des Hauser Kaiblings, kann man von hier aus entweder die »Krummholzhütte« ansteuern, die mit regionalen Spezialitäten und einer gut sortierten Weinauswahl überzeugt, oder das »Bergschlössl« mit seinem Sonnendeck am Dach als Rastplatz wählen, oder weiter zur »Knapplhütte« fahren, wo ein von Spitzenkoch Richard Rauch im Zuge der »Almkulinarik«-Initiative komponierter Leckerbissen wartet. Rauch hat in 16 Hütten in der gesamten Region seine kulinarischen Spuren in Form eines an die Stammküche des jeweiligen Hauses angepassten Spezialgerichts hinterlassen, das den ganzen Winter über angeboten wird. Es ist die alpine Ergänzung zu den gastronomischen Angeboten im Tal. Oder dazwischen.
So liegt das »Wellnesshotel Höflehner« auf knapp über tausend Meter Seehöhe genau zwischen Kaibling-Gipfel und Ennstal mit bester Aussicht auf beide Extreme. In der Küche folgt Christian Spreitz der hauseigenen »GKH-Philosophie«. Die Buchstaben stehen zum einen für die Initialen des Eigentümer-Ehepaars: Gerhards und Katrin Höflehner. Zum anderen für »gesund, kreativ, heimisch«: »Es ist die perfekte Kombination aus Regionalität, Saisonalität, Tradition und Kreativität«, beschreibt Küchenchef Christian Spreitz das ganzheitliche Konzept: »Von der sorgfältigen Auswahl der Zutaten bis zur Präsentation der Speisen am Teller, geht es darum, den hohen Ansprüchen der Gäste zu entsprechen, sie zu überraschen und zu begeistern.«
Dieser Philosophie folgt man nicht nur im Fine-Dine-Restaurant »H1117« – der Name spielt auf die Seehöhe an –, sondern im Gesamtportfolio des Hauses, das aktuell sein 15-Jahr-Jubiläum als Premiumdestination feiert. Damals wurde ein umfassender Ausbau des seit 1810 im Besitz der Familie stehenden Betriebs abgeschlossen. Heute bietet man unter anderem ein 5000 Quadratmeter großes Premium-Spa, ein Almsaunadorf und ein eigenes, 300 Quadratmeter großes Yogahaus als Herz eines ganzheitlichen Gesundheitsprogramms, Natursuiten und Sky-Chalets auf Vier-Sterne-Superior-Niveau sowie ein Rotwildgehege und Ställe für die eigenen Lamas und Alpakas am Areal rund um das Stammhaus, den »Knapplhof«. »Stillstand ist keine Option«, beschreibt Gerhard Höflehner diesen rastlosen Wachstums- und Wandelantrieb des Hauses. Großes Asset im Winter: Der Sessellift startet direkt neben dem Haus und führt hinauf auf den Kaibling.
Neue Liftanlagen
Von dort kann man entweder die neue »Kaiblinggrat«-Sesselbahn testen oder unter der ebenfalls neuen, zur 10er-Gondel hochgerüsteten »Senderbahn« Richtung Planai abfahren. In der Talsenke zwischen den beiden Skibergen wartet mit der neuen »Mitterhausalm-Bahn« – sie ersetzt die alte »Sonneckbahn« – die parallel ausgebaute Verbindung auf die Planai. Damit können bis zu 2800 Personen pro Stunde zwischen den beiden Skibergen hin- und hertransportiert werden. Auf ähnlichem Kapazitätsniveau bewegt man sich zwischen Planai und Hochwurzen, die von dieser Seite seit vergangenem Jahr von einer 10er-Gondel statt des alten Doppelsessellifts erschlossen wird. Diese aufgepimpte Liftinfrastruktur hilft, das gebotene Pistenangebot möglichst umfassend genießen zu können.
Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel und beleuchtet die Planai von oben bis unten. Zeit für den legendären Zielhang. Von der Bergstation auf gut 1900 Metern führt die Abfahrt fast 1100 Höhenmeter hinunter bis zum weltcup-erprobten, alljährlich beim legendären Nachtslalom befahrenen Steilhang direkt vor den Toren der Stadt. Wer dann noch Energie im Tank hat, kann ans westlichste Ende des Skischaukel-Karussells gondeln. Dort wartet auf der Reiteralm zum krönenden Abschluss eines Skitags die Abfahrt »Finale Grande«. Wenn dann die Abendsonne hinter den Bergen versinkt, ist der Wintertag aber noch lange nicht vorbei. Auf der Hochwurzen schlängelt sich eine sieben Kilometer lange, nachts beleuchtete Rodelbahn rasant ins Tal. Auf Kufen durch die klare Winternacht zu sausen, während der Schnee neben der Strecke glitzert, kitzelt die Nerven und beschert unvergessliche Glücksmomente. Und wer danach noch Energie hat, stürzt sich ins berühmte Schladminger Après-Ski: Gleich an der Planai-Talstation gilt die legendäre »Hohenhaus Tenne« – Europas größte Après-Ski-Hütte – als entsprechende Zieladresse. Die Nachtruhe verschiebt sich damit etwas nach hinten, kein Schaden, dass die obersteirische Dependance der Falkensteiner-Hotels nur wenige Gehminuten entfernt ist.
Nach einem entspannten und ausgiebigen Frühstück geht es von dort noch einmal richtig hoch hinaus. Ziel: das neue »Dachstein Gletscherrestaurant«. Es empfängt nach einer spektakulären Seilbahnfahrt mit gemütlichem Alpin-Ambiente aus Holz, Stein und Loden und eröffnet durch riesige Fensterfronten einen atemberaubenden 280-Grad-Panoramablick. Die Sicht reicht über das ganze Ennstal bis weit ins Salzkammergut hinein. Dort geht der Winterspaß nahtlos weiter.
Das »Aldiana-Resort« bei Bad Mitterndorf bietet sich dabei als »Basislager« für Bewegungs- und Erkundungstouren in der nahen Umgebung an. Hier lässt sich dem Winter mehr abgewinnen als Pistenkilometer. Das Potpourri an Möglichkeiten erstreckt sich vom Winterwandern gleich vor der Haustüre über Skisport in sämtlichen Varianten auf der Hochebene der auf 1600 Meter Seehöhe gelegenen Tauplitzalm. Wer hier Ski fährt, sucht nicht das Spektakel, sondern die Ruhe. An Tagen mit frischem Pulver lockt zudem das Gelände neben der Piste: Mit Vorsicht, Gespür und Blick auf die Verhältnisse, wird aus den Hängen zwischen Lawinenstein und Schneiderkogel so ein kleines Freeride-Paradies. Jenseits der Abfahrten zeichnen die Langlaufloipen ein filigranes Netz aus Spurrillen und Skatingbahnen über das Hochplateau, das Teil des insgesamt über 200 Kilometer umfassenden Salzkammergut-Loipenangebots ist. Auch da ist es die kontemplative Ruhe, der gleichmäßige Zug von Atem und Stockeinsatz, der einen durch die weiße Wüste gleiten lässt.
Das Loipenangebot im Ausseerland beschränkt sich indes auf zwei überschaubare, idyllische Runden zwischen Grund- und Toplitzsee beziehungsweise am Sonnenplateau bei Bad Aussee. Prominenter ist das Pistenangebot. Zum markanten Felsmassiv am Gipfel führt dort seit zwei Saisonen eine moderne 10er-Kabinenbahn. Die Bergfahrt endet nach dreieinhalb Kilometern, wo die über sieben Kilometer lange blaue Familienabfahrt beginnt. Unten, in unmittelbarer Nähe zur Talstation, wartet mit der »Geiger Alm« eine der besten Gourmetadressen des Landes. Im urigen, holzdominierten Ambiente kreiert Hausherr Dominik Utassy Gerichte mit internationalem Touch, dazu serviert Gattin Eva ausgesuchte Weine – längst kein Geheimtipp mehr, aber immer noch etwas abseits der touristischen Haupttrampelpfade des Salzkammerguts gelegen. Wobei im Winter auch um die Seen eine entspannte Ruhe dominiert.
Festival der Köchinnen
Auch in Kärnten verlagert sich das sportliche Geschehen im Winter naturgemäß von den Seen auf die Berge, weg von den Strandbädern, hin zu den Skiliften. Die Kanzelbahn dient dabei als adäquate Transporteinrichtung. Sie führt von Annenheim am Ossiacher See direkt hinauf auf die Gerlitzen, wo rund 50 Kilometer Pisten mit einem unverstellten Blick über Drau, Nockberge und Karawanken ein Genussversprechen einlösen. Die Terrassen des »Feuerberg Mountain Resort« auf knapp 1800 Meter Seehöhe verfügen über dieselben Qualitäten in Sachen Aussicht, ergänzt durch die Annehmlichkeiten von elf Saunen und Pools und die, einer konsequent regionalen Linie folgende Küche von Kevin Granegger. »Mehr als Dreiviertel der verarbeiteten Produkte stammen von Genusspartnern aus der Umgebung, einiges auch aus dem eigenen Kräutergarten«, wirbt er.
Zwischen 9. und 23. November bekommt Granegger beim diesjährigen »Festival der Köche« prominente Unterstützung aus Brasilien und Österreich. In der ersten Woche ist Elisa Fernandes zu Gast, vielfach ausgezeichnete Köchin aus Brasilien. In der zweiten Woche kommt mit Sandra Scheidl eine auf ortsflexibles Fine-Dining spezialisierte Spitzenköchin aus Österreich. Jede der beiden kreiert – gemeinsam mit dem Küchenteam des Hauses – täglich drei bis fünf exquisite Gerichte aus regionalen Produkten.
Der lokale Ursprung steht – neben dem bewussten Genuss – auch etwas weiter im Süden im Fokus. Am Nassfeld nützt man diesbezüglich die unmittelbare Grenzlage und versteht sich als kulinarisches »Scharnier« zum italienischen Raum. Entsprechend bunt und bilateral ist die Alpe-Adria-Küche, die hier auf den Teller kommt. Gailtaler Speck und Almkäse, Sauerteigbrot und Kärntner Nudeln mischen sich in den 24 Skihütten und Pistenrestaurants mit »Direktimporten« von jenseits der Grenze, die hier nicht mehr als eine Liftfahrt oder zwei Carving-Schwünge entfernt liegt. Das Schneeparadies entwickelt damit eine vielschichtige Anziehungskraft. Neben der Kulinarik sind es vor allem 110 Kilometer Piste, die noch dazu im Laufe des Winters von durchschnittlich 850 Sonnenstunden ins rechte Licht gerückt werden. Nachkontrollieren lässt sich das auf riesigen Sonnenuhren bei den Bergstationen von Gartnerkofel und Madritsche, spüren auf jeder Sesselliftfahrt durch das weitläufige und dank niederschlagsreicher Südstaulagen als schneesicher geltende Skigebiet. Dessen Superlativ: die 7,6 Kilometer lange Carnia-Piste mit einem Höhenunterschied von 1212 Metern bis hinunter zur Talstation des Millennium-Express in Tröpolach. Sonne hin oder her: Da gehen in den Oberschenkeln dann die Lichter aus.