Von Hütte bis Gourmet: Wo man in Tirol und Vorarlberg abseits der Skipiste einkehren kann
Die Berge im Westen zeigen, was sie können. Und sie können viel. Tirol und Vorarlberg locken mit Hochgebirge und Tiefschnee, garniert mit gastronomischer Extraklasse.
In den frühen Morgenstunden, wenn die Luft klar und kalt ist, die ersten Gondeln durch den zartblauen Himmel schweben und die frisch präparierten Pisten wie ein faltenfrei gespanntes Leintuch über den Hängen liegen, hat man die Berge für sich allein. Kein Anstehen, kein Trubel. Nur die ersten Sonnenstrahlen im Gesicht, ein griffiger Schneeteppich unter den Kanten und die spitzen Gipfelketten der Zillertaler Alpen vor der Nase. Momente wie diese – hart an der Kitschgrenze – lassen das zeitige Aufstehen und die noch zart in den Knochen steckende Müdigkeit schnell vergessen. Ob im Skigebiet Hochzillertal-Kaltenbach, in der Zillertal Arena rund um Gerlos, am Penken bei Mayrhofen oder oben am Hintertuxer Gletscher: Wenn die Natur ihr Prachtmenü serviert, hat jeder Vormittagsbrunch Pause.
Immerhin warten im Zillertal insgesamt 546 Kilometer Piste darauf, befahren zu werden. Ein Angebot, das erst im Vergleich greifbar wird: Würde man nämlich sämtliche Abfahrten der vier Skigebiete im Zillertal aneinanderreihen, entspräche das der Entfernung zwischen Wien und Venedig, Salzburg und Mailand oder Graz und St. Anton am Arlberg. Statt anonymer Autobahnraststationen warten im Zillertal entlang der Route aber gemütliche Hütten und ausgezeichnete Restaurants als Verpflegungsinseln, die Aktivurlauber wie Feinschmecker gleichermaßen anziehen.
Die kulinarischen Top-Adressen reihen sich dabei wie auf einer Perlenkette aneinander: Am Talanfang lohnt es sich, den Weg hinauf nach Hochfügen zu nehmen. In der »Lamark Stube« kocht seit fünf Jahren Alexander Fankhauser und verwöhnt Gäste über den Winter ohne Ruhetag mit einer Kombination aus überlieferten Rezepten und moderner Küche. Rund um das Haus kann man in verschiedene Himmelsrichtungen die Bergwelt erkunden. Im Norden das Onkeljoch, im Westen der Pfaffenbühel, im Süden Richtung Marchkopf.
Von dort lassen sich zwei Hütten erreichen, die Fixplätze im Best-of-Repertoire des Zillertals haben: Zum einen die »Wedelhütte«. Mit nur zwölf Sitzplätzen bietet die dortige Gourmetlounge abseits des normalen Hüttenbetriebs einen exklusiven Rahmen, um hausgebeizten Lachs, ein am Punkt gegrilltes Dry Aged Steak oder raffiniert interpretierte Klassiker und dazu Wein aus der reichlich und hochklassig bestückten »Schatzkammer« des höchstgelegenen Weingewölbes des Landes auf 2350 Meter Seehöhe zu genießen. Zum anderen die »Kristallhütte« – mit Loungemöbeln aus Holz, moderner Kunst und Musik, offener Feuerstelle und Panoramasauna wirkt sie eher wie ein aus einer Boomtown auf den Berg transplantiertes, lifestyliges Boutiquehotel. Zwischen diesen beiden Wehranlagen für hochwertigen Genuss gibt es aber noch zahlreiche andere lohnende Einkehrmöglichkeiten – und vor allem ein Pistenangebot, das dank optimalem Gefälle und großzügiger Breite beste Carving-Bedingungen bietet.
Harakiri auf der Piste
Im Tal sorgen indes die »Genusswerkstatt« in Uderns und weiter taleinwärts der »Zillertalerhof« in Mayrhofen für Verwöhngarantie. Letzterer wandelte sich in jüngerer Vergangenheit vom Wirtshaus über ein profundes Vier-Sterne-Domizil zu einem trendigen Designhotel. Hausherr Franz-Josef Perauer, ein kunstaffiner, detailverliebter Genussmensch mit vielseitiger hotelferner Berufserfahrung, hat sein Haus zu einer Crossover-Destination für Kunst, Kulinarik und einer größtmöglichen Breite von Nachhaltigkeit gemacht. Inklusive einiger Extravaganzen – von veganer Kosmetik und Zero-Waste-Cocktails über Zimmerrabatte für Gäste, die per Bahn anreisen bis zu einer eigenen Sardinenbar, in der die angebotenen Fische aus nachhaltiger Produktion stammen.
Nachhaltig bleibt auch das Staunen, wenn man am Penken in die nicht zufällig »Harakiri« benannte Piste einfährt. Als »schwärzeste Piste des Zillertals« war sie einem angepriesen worden, die Erwartungshaltung entsprechend groß. Auch der Anblick vom 6er-Sessellift »Knorren« direkt auf die Piste hinterließ Eindruck. Aber wie steil 78 Prozent Gefälle tatsächlich sind, sieht man erst, wenn man dort steht – am gefühlt senkrecht abfallenden Abgrund. Der Druck auf die Kanten wird unbewusst stärker, der Respekt größer, der Herzschlag schneller. Die Grundspannung im gesamten Körper von den Zehenspitzen bis zur Kinnlade nimmt zu. Ein Sturz wäre jetzt nur die zweitbeste Idee…
Auf den 142 Pistenkilometern, die im Skigroßraum zwischen Ahorn, Penken, Finkenberg, Rastkogel und Eggalm Platz finden, kann man es aber auch gemütlicher angehen, beispielsweise familientauglich und genussorientiert auf der Eggalm bei Lanersbach im Tuxertal, wo abseits des Schnees mit dem »Lanersbacherhof« der Familie Brugger ein Traditionshaus mit feiner Küche, gut sortierter Vinothek und gemütlichen Zimmern für Genussmomente sorgt. Von dort gut sichtbar sind die Gletscherfelder des Hintertuxer Gletschers auf der gegenüberliegenden Talseite. Bis auf fast 3300 Meter Seehöhe klettern hier die Lifte hinauf ins ewige Eis. Hinunter geht es auf der längsten Piste im Zillertal von der »Gefrorenen Wand« über zwölf Kilometer bis nach Hintertux. Der ultimative Konditionstest bleibt aber die Gletscherrunde, auf der über 60 Kilometer Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade und über 15.000 Höhenmeter warten. Mehr Skivergnügen an einem Tag geht nicht. Mehr Hunger nach einer entspannenden Sauna danach aber auch nicht. Im »Bergfried« in Tux findet man neben dem entsprechenden Wellnessangebot auch ein kulinarisches Gipfelerlebnis: Am Chefs-Table kann man Sebastian Stock erste Reihe fußfrei beim Zubereiten eines 9-Gänge-Tastingmenüs über die Schulter blicken. Dazu werden entsprechende Sorten und Jahrgänge aus der umfangreichen hauseigenen Weinsammlung serviert.
Sonne, See und Sacher
Auf der anderen Seite des Inntals und eine Geländestufe über Tirols Hauptfluss liefert der Achensee auf 900 Metern Seehöhe völlig andere, aber nicht minder exklusive landschaftliche Reize. Das sommerlich-karibische Türkisblau des Wassers dunkelt sich im Winter zwar etwas ein, dennoch wirkt der langgezogene und größte See Tirols zwischen den wuchtigen Kalkstöcken des Karwendel- und Rofan-Gebirges und ihren bis zu tausend Meter tiefen Abbruchkanten wie eine paradoxe Intervention eines romantisch veranlagten Landschaftsmalers. Am erweiterten Ufersaum und vor allem in den Seitentälern bietet diese Region aber beste Bedingungen fürs Langlaufen, Winter- und Schneeschuhwandern, für aussichtsreiche Skitouren und erholsame Pferdeschlittenfahrten.
Aber nicht nur rund um die bis über 3000 Meter in den Himmel ragenden Felsspitzen auf beiden Seiten des Inns spielt sich das Winterwunder Tirols ab. Am Hochplateau von Seefeld finden Langläufer in einer fast almähnlichen Umgebung ihr Paradies. Ein rund 245 Kilometer langes Loipennetz führt durch verschneite Wälder und über weitläufige Felder – inklusive eigener Strecken, auf denen Hundebegleitung oder das Mitziehen von Schlitten erlaubt und nächtliche »Ausläufe« auf flutlichtbeleuchteten Loipen rund um den landschaftsbildprägenden Zwiebelturm des »Seekirchl« möglich sind. Auch Winterwanderer finden hier, wo sich sportliche Aktivität und kontemplative Ruhe verbinden, ausreichend Platz und Wege – ein Mix, der in Kombination mit dem hoch dekorierten Fine-Dine-Angebot im Restaurant »Max« des »Alpin Resort Sacher«, den Reiz der Region ausmacht.
Im Reich des Kaisers
Eine landschaftliche Vielfalt zwischen schroffen Felswänden, lieblichen Tallandschaften und dazwischen eleganten bis steilen Skibergen zeichnet auch die Gegend rund um den Wilden Kaiser und die Kitzbüheler Alpen aus. Der Skitag beginnt auch hier oft in aller Früh. Noch liegen Nebelschwaden im Tal, doch oben auf dem Hartkaiser ist die Sicht bereits klar. Vor einem liegt die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental, eines der größten zusammenhängenden Skigebiete Österreichs, das sich mit über 270 Pistenkilometern entfaltet. Snowboarder und Freestyler kommen in drei Funparks, der Skinachwuchs auf den Übungswiesen in Westendorf oder in »Ellmis Winterwelt« bei der Bergstation in Ellmau auf seine Kosten. Eingestreut in dieses weiße Labyrinth aus Abfahrten in allen Schwierigkeitsgraden: 80 Hütten, in denen man sich dem leiblichen Wohl der Gäste annimmt. Es ist für die bevorstehenden Skitage also angerichtet.
Der erste Blick am nächsten Morgen aus dem Hotelfenster beim »Stanglwirt« in Going fällt direkt auf den Wilder Kaiser, dessen graue Felszacken wie gefrorene Wellen in den tiefblauen Himmel ragen. Eine passende Kulisse für diesen Hybrid aus Fünf-Sterne-Resort und biologischem Bauernhof, dessen Wurzeln 400 Jahre zurückreichen. Ein Silber- und Kupferrausch erfasste damals die Region und von einem Tag auf den anderen strömten plötzlich viele Abenteurer in die Gegend. Das damals noch kleine Städtchen Kitzbühel platzte bald aus allen Nähten, sodass die Obrigkeit den Bergleuten Grundstücke zuwies. Einer dieser Bergleute war Wolfgang Widmer, der später während einer Pest-Epidemie sein Haus für Gäste öffnete. Wein galt zu jener Zeit als Arznei und durch die Errichtung einer Schenke sollten die Bergknappen »immunisiert« werden. Das »Wirtshaus auf der Prama« – Vorläufer des heutigen Stanglwirts – war geboren.
Vom nahen Ellmau geht es hinauf zur Bergstation der Hartkaiserbahn und von dort über lange, sonnenverwöhnte Abfahrten weiter Richtung Brixen im Thale, wo sportliche Carver ebenso auf ihre Kosten kommen wie Familien. Die Runde führt weiter zur Hohen Salve. Ganz oben: die höchstgelegene und bereits 1589 erstmals urkundlich erwähnte Wallfahrtskirche Österreichs. Andreas Schwender, ein Bauer aus Brixen im Thale, hatte sie aufgrund seiner Genesung von einer schweren Krankheit als Dank für Gott gebaut. Weithin sichtbar war sie dank der freistehenden Lage des Berges schon damals. Bis heute hat man vom Gipfelplateau einen atemberaubenden 360 Grad-Blick auf über siebzig Dreitausender. Von der drehbaren Plattform des Gipfelrestaurants wird dieses Endlospanorama sogar »à la Carte« serviert, ohne dass man sich selbst bewegen muss.
Zurück im »Aktivmodus« lässt sich die Runde nach Ellmau auf genussreichen Talabfahrten abschließen. Abseits der Pisten bieten die Winterwanderwege und Rodelbahnen der Region ausreichend Abwechslung. Sie hören auf so vielsagende Namen wie »De Gmiatliche« auf die Brixenbachalm, »De Zahnige« am Kirchberger Gaisberg oder »De Sunnige«, die von der Talstation der Bergbahn Hopfgarten hinauf zur »Sunnseit Hütte« und von dort zurück hinunter in den Ort führt. Den Rodelspaß von der »Wohlverdienten« muss man sich – nomen est omen – erst erwandern, bis man oben auf der »Haag Alm« zur Talfahrt startet.
Am nächsten Tag das nächste skifahrerische Fine-Dining. Auf der Menükarte: Kitzbühel. Hier warten rund um den Hahnenkamm, dem Hausberg der einstigen Bergarbeiterstadt, nicht nur 233 Kilometer Pisten. Rund um die legendäre »Streif« – der halsbrecherischsten aller halsbrecherischen Weltcup-Abfahrtsstrecken – wuchern auch Mythen, Märchen und Legenden über Siegertypen, Stars und Sturzpiloten. Wer einmal oberhalb der Mausefalle mit ihren 85 Prozent Gefälle gestanden ist, auf der familienfreundlichen Umfahrung zurück auf den sehr, sehr steilen Steilhang geblickt und die »Alte Schneise« und die Seidlalm selbst befahren hat oder seine Blicke über die Geländekante des Hausbergs Richtung Tal geschickt hat, begreift die Faszination dieser ikonenhaften Piste. Die Skirennfahrer, die hier in tiefer Hocke und nicht immer im Vollbesitz der Kontrolle über Ski und Körper »Schuss« hinunterjagen, sind entweder angstimmun oder verrückt – vielleicht auch eine Mischung aus beidem.
Forelle, fangfrisch
Es geht aber schon auch gemütlicher. Nimmt man die mit den Namen der hier siegreichen Sportler verzierten Gondeln der Hahnenkammbahn und fährt vom Ortsrand hinauf ins Skigebiet, erreicht man ein weitläufiges Areal, das sich zwischen Steinbergkogel, Pengelstein und – verbunden durch die spektakuläre 3S-Kabinenbahn – Resterhöhe ausbreitet. Auf exponierten Graten oder auf idyllischen Hanglagen sorgen 60 Hütten und Bergrestaurants für die Versorgung der Skifahrer. Die hier servierten 3K-Klassiker Kaspressknödel, Kasspatzn und Kaiserschmarren lassen in Kombination mit regionalem Wild, knusprig paniertem Schnitzel und knackigen Salaten eine kulinarische Landschaft entstehen, die sich perfekt mit dem winterlichen Aktivprogramm ergänzt.
Der Einkehrschwung wird so zum Pflichtprogramm. Beispielsweise in die »Sonnbühel Hütte«: 1924 gegründet, zählt sie zu den ältesten Skihütten der Alpen. Geschmorte Kalbsbackerl, cremige Polenta mit Trüffel oder ofenwarmer Schokoladenkuchen mit Beerenkompott verzaubern hier den Gaumen. Was Kitzbühel und die Region Wilder Kaiser besonders macht, ist diese Verbindung aus Weltklasse-Skierlebnis, herzlicher Gastfreundschaft und kulinarischer Tiefe. Morgens der erste Schwung im Pulverschnee, mittags ein Hüttenessen mit Blick auf schneebedeckte Gipfel, nachmittags ein letzter Carvingturn in der Sonne – und abends ein Menü, das wahlweise regionale oder internationale Geschmacksnoten auf den Teller bringt. So zaubert Marco Gatterer im »Berggericht« eine alpine Fine-Dining-Linie, die traditionelle Tiroler Einflüsse mit weltoffener Kreativität verbindet. Im »Schwarzen Adler« kann man sich wiederum von regionalen Spezialitäten im »Restaurant Neuwirt« verwöhnen lassen, im »Weißen Rössl« erwartet einen ein asiatisches Aromenspektakel im »Zuma«. Im »Bichlhof« bietet man den lokalen Kontrapunkt: Forellen aus dem eigenen Teich hinter dem Haus. Die 8000 Positionen umfassende Weltläufigkeit schlummert im Weinkeller, während das Dessert vor der Türe wartet: der Stuckkogel und die Bichlalm – beides Skitouren-Ziele, die abseits des Trubels der Gamsstadt eine einsamere Seite des Winters zeigen.
Dass spektakuläre Alpinkulisse auch mit Ruhe harmoniert, beweisen auch die sieben Skigebiete in Osttirol. Eingebettet in eine unberührte Hochgebirgslandschaft kann man beim Skifahren, aber auch beim Langlaufen, Eisklettern und Schneeschuhwandern die hohe Schneesicherheit und raue Schönheit der Dolomiten, des Glocknermassivs und die Unberührtheit des Defereggentals erleben. Das funktioniert aber auch ohne viel sportlicher Zusatzausrüstung – beispielsweise in Kartitsch. Der Ort im Gailtal, eingerahmt von Lienzer Dolomiten, Karnischen Alpen und der Staatsgrenze zu Italien, war 2018 erstes zertifiziertes Winterwanderdorf Österreichs. Der Winter fühlt sich hier pur und unmittelbarer an als in den großen Urlaubsdestinationen. Auch Kals am Fuße des Großglockners kann mit diesem exklusiven Flair punkten. Von der »Adler Lounge« hoch oben im Skiresort Kals-Matrei kann man »hinter« der Piste mit der Nummer 13 tief eintauchen in ein Freeride-Abenteuer zum Matreier Törl; federleichter Tiefschnee nicht ausgeschlossen. Hier lassen sich Höhenmeter und Kräfte sammeln für eines der größten »Off Piste«-Reviere der Alpen: den Arlberg.
Denn neben 300 Kilometern präparierten Pisten zwischen St. Anton, Lech, Zürs, St. Christoph, Warth und Schröcken lockt vor allem das fast unbegrenzte Angebot an Geländeabfahrten und Tiefschneegebieten, das sich entlang der Grenze von Tirol und Vorarlberg in der Hochgebirgslandschaft ausbreitet. Valluga, Mehlsack, Madloch, Rendl, Stierloch, Knödelkopf oder Gamsroute: Die Namen der bekanntesten Routen klingen in den Ohren von Freeridern wie die Topplatzierungen einer Hitparade. Bei entsprechender Schneelage und in Begleitung von ortskundigen Guides wird Skifahren hier zum Vollkontakt-Naturabenteuer. Nach kilometerlangen Abfahrten voller Adrenalin schmeckt das Tiroler Gröstl in der »Ulmer Hütte« dann doppelt so gut.
Der kulinarische Teil eines Winterurlaubs am Arlberg ist aber mehr als Almhütten-Tradition. So lässt sich Dennis Ilies im »Tannenhof« beim Kreieren seiner Gerichte von den Jahreszeiten, den Bergen, der frischen Luft und den Eindrücken auf seinen Reisen inspirieren. Das sorgt für überraschende Kombinationen und bringt dennoch Harmonie auf den Teller. Auch in der »Verwallstube« in der Bergstation der Galzigbahn steht Exzellenz und die Einzigartigkeit des Augenblicks im Fokus – schon bei der Anreise mittels abendlicher Gondelfahrt hinauf auf über 2000 Meter Seehöhe. Der Blick über das von der Dunkelheit ummantelte St. Anton dient als Appetizer für das von Matthias Weinhuber gestaltete romantische Candle-Light-Dinner. Ein wilder Kontrast zur bisweilen hektischen Geschäftigkeit, die während des Tages die Skifahrer hier beim Aussteigen und Abfahren begleitet. Daran erinnert bei der nächtlichen Talfahrt noch nichts.
Rote Wand im weißen Land
Erst morgens, wenn die Seilbahn schwerelos den Hang hochzieht, sich der Himmel rosa färbt und die Schneekämme leuchten, als hätte jemand hinter den Bergen eine Lichterkette installiert, kehrt das »Wuseln« zurück auf die Pisten und die angrenzenden Freeride-Hänge. Für »First-Liner«, die sich die Premierenspur im über Nacht gefallenen Pulverschnee sichern wollen, heißt es da früh aufzustehen. Später kann man dank der Flexenbahn über den spektakulären Schindlergrat und die ewige Abfahrt hinunter nach Stuben hinüber nach Zürs pendeln.
Ein kurzer Abstecher mit der Trittkopfbahn hinauf zum namensgebenden Gipfel lohnt sich, bevor es hinunter nach Zürs und dann weiter nach Lech geht. Ein weit verzweigtes Netz an Pisten aller Schwierigkeitsstufen breitet sich hier aus – vom Kriegerhorn über das Schlegelhorn bis zum Auenfeldjet, der Lech mit dem Skigebiet Warth-Schröcken verbindet und dessen Gondel eher mobilen kleinen Aussichtsplattformen gleichen. Der Blick auf die unberührten Schneefelder unter einem und die markante Felsspitze vor einem lässt einen fast aufs Aussteigen vergessen. Wäre schade, denn der »Sonnenjet« und »Sonnencruiser« heißen nicht zufällig so: Die beiden Sessellifte erschließen breite Carving-Teppiche, die bei strahlendem Wetter mit zum Genussvollsten gehören, was das Arlberger Pistenrepertoire zu bieten hat.
Auf kulinarischer Seite sind die Superlative ähnlich fix vergeben: Die »Rote Wand« mit ihrem Chef’s-Table, der Stube und dem neuen Restaurant »Friends and Fools« in den Räumlichkeiten der einstigen legendären »Sennkesselbar« sind ebenso Garanten für höchsten Genuss wie die »Lechtaler Stube« oder die »Burg Schenke« im »Hotel Burg Oberlech« oder die nahe »Griggeler Stuba« im »Burg Vital Resort«. Als neue Zieladresse bietet sich ab diesem Winter das »Hotel Kristberg« in Lech an. Architektonisch zu übersehen ist der Neubau, der auf einem Sockel errichtet wurde, der optisch an ein Rieseniglu erinnert und der fenster- sowie holzreich gestaltet ist. In ihm vereinen sich alpine Eleganz und zeitloser Chic. Christiane und Michael Zimmermann – Neffe des einstigen Olympiasiegers Egon Zimmermann – versprechen, einen Ort zu bieten, »an dem die Zeit langsamer fließt, die Berge Geschichten erzählen und Erinnerungen entstehen«.
In und rund um Innsbruck funktioniert das schon. Am Patscherkofel, dort, wo Zimmermann senior 1964 und 1976 Franz Klammer bei den Olympischen Spielen jeweils die Goldmedaille in der Abfahrt gewannen, und am Bergisel stößt man im Schatten der modernen, nach Plänen von Stararchitektin Zaha Hadid erbauten Skisprungschanze sehr häufig auf Memorabilia. Auch die Bobbahn in Igls ist eine der damals eigens für das Großereignis entstandenen Sportstätten. Heute kann man die Bahn als normaler Gast »von der Straße« in einem, an eine ausgepolsterte Seifenkiste erinnernden Raftingschlitten hinunterrasen. Eine lustige Variante der Pulsbeschleunigung.
Ruhiger geht es in Kühtai beim Offroad-Vergnügen mit einem »Ziesel« genannten Vehikel zur Sache, das an einen fahrenden Schreibtischsessel mit Pistenraupenantrieb erinnert – ganz ruhig beim Winterwandern in Oberperfuss. Insgesamt ein Dutzend kleine Skigebiete zwischen Nordkette, Axamer Lizum und Stubaital bieten rund um die Landeshauptstadt eine Möglichkeit, dem Winter in den Tiroler Bergen nahezukommen, ohne auf urbane Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Ein eigener »Ski plus City«-Pass erklärt im Namen diese einmalige Kombination. Egal welcher Berg, es gilt auch hier: Der frühe Vogel fängt den Sonnenaufgang meist ungestört.