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Marrakesch, die facettenreiche »Rote Stadt«

Reise
City

Marrakesch entfaltet seine einzigartige Faszination. Hier verschmelzen Vergangenheit und Zukunft auf eine Weise, die weltweit ihresgleichen sucht.

Hoch über den ockerfarbenen Steinbauten der »Roten Stadt« erhebt sich majestätisch das Atlasgebirge, in den Gassen duftet es nach Orangenblüten, Gewürzen und gegerbtem Leder – Marrakesch, im Flusstal des Tensift nördlich des Hohen Atlas gelegen, offenbart bei jedem Besuch eine neue Facette.

Das Atlasgebirge als Kulisse

Erste bäuerliche Siedlungen von Vorfahren der Berber gab es hier schon in der Jungsteinzeit; offiziell gegründet wurde Marrakesch aber 1070 als Hauptstadt der Almoraviden-Dynastie. Bald wuchs es zum Knotenpunkt zwischen Maghreb und Subsahara. Im 20. Jahrhundert war Marokko französisches Protektorat, man spricht hier bis heute neben Arabisch und Tamazight auch Französisch. Seit 1956 ist Marokko wieder Königreich – und Marrakesch avancierte zum Sehnsuchtsort, nicht zuletzt für die Hippies der 60er- und 70er-Jahre. Trancehafte Gnawa-Klänge, Sufi-Rituale und das Gefühl eines einfachen, gemeinschaftlichen Lebens verdichten sich hier zur esoterischen Gegenwelt.

Jardin Majorelle: Der 1924 erbaute Garten wurde 1980 von Yves Saint Laurent restauriert

Das Herz der Stadt schlägt in der Medina, dem historischen Kern der Königsstadt. Auf dem Djemaa el Fna – einem der berühmtesten Plätze der Welt – bewegen sich Schlangenbeschwörer zu Pungi-Klängen, während sich in den engen Souks Teppiche, Töpferwaren, Gewürze, Fleisch, Leder, Stoffe und Kunsthandwerk stapeln. Wer will, lässt sich ein Stück entlang der 19 Kilometer langen Stadtmauer aus dem zwölften Jahrhundert in der Kalesche fahren und hält am reich verzierten Bab Agnaou. Architektonische Glanzpunkte sind der Bahia-Palast, die Medersa Ben Youssef, dazu die historischen Fondouks – einst Herbergen für die Karawanen, heute Galerien, Gästehäuser oder Restaurants. In Marrakesch atmet man in Grünräumen auf: in den Agdal-Gärten nahe der Kasbah mit den Saadier-Gräbern oder im Jardin Majorelle, dessen magisches Blau Besucher aus aller Welt anzieht.

Kulinarisch punkten einfache Speisen: gefüllte Pfannkuchen, die Linsensuppe Harira, honigsüßes Gebäck. In unzähligen Garküchen wird gebrutzelt und gebacken, oft erstaunlich gut. Im Dar Chérifa, dem stadtbekannten Künstler- und Literaturhaus, öffnet sich nach einem schattigen Gang ein Säulenhof; in der Mitte ein Marmorspiegel, auf dem Wasser und Rosenblätter ruhen. Draußen 40 Grad, hier drinnen Stille und Kühle.

Die Ruinen des Palastes El Badi

Beim schweren Erdbeben im September 2023 trug auch Marrakesch Wunden davon: beschädigte Mauern, Minarette, traditionelle Häuser; selbst die Koutoubia-Moschee bekam Risse. Rund um den Djemaa el Fna blieben Gassen vorübergehend gesperrt. Doch schon wenige Wochen später kehrte der Alltag zurück: Die Stadt kommunizierte, dass sie weitgehend sicher und funktionsfähig sei, und viele Reisende kamen bewusst, um die Menschen vor Ort zu unterstützen – eine Form von Solidaritätstourismus, die zeigt, wie sehr diese Stadt lebt: aus ihrer Geschichte, ihrer Gegenwart; und aus der Zuversicht, die in ihr liegt.

Hotel-Tipps

1
La Mamounia
Avenue Bab Jdid, Marokko
98
Im legendärsten Hotel der Stadt trifft eleganter Art-déco-Flair auf prachtvolle Gärten. mamounia.com
2
La Grande Table Marocaine im Hotel Royal Mansour Marrakech
Rue Abou Abbas El Sebti, Marokko
Marokkanische Haute Cuisine; eine Reise durch die Aromen des Landes.
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