Aus Pilzmycel und anderem Zeugs zusammengekleisterter Pseudo-Oktopus, Sojaprodukte mit halblustigen Wortbastelnamen wie »Visch« oder »Beflügel« – all das mag seine Käufer finden. Der vegetarische Sternekoch Paul Ivic vom »Tian« nennt solcherlei »Fake-Plunder«. Auch, weil viele genau so etwas mit »vegetarisch« oder »vegan« assoziieren. Daher sucht man solche Begriffe auf den Homepages der zwei veganen Restaurants von Larissa Andres und Jonathan Wittenbrink vergeblich. Das 2022 eröffnete kleine Menürestaurant »Jola« am Salzgries hat sich bestens etabliert. Und nun folgte mit dem »Lara« ein legeres, rein pflanzliches Bistro am Passauer Platz. Den Straßenzug mit Altwiener Flair kennen manche von den Vorgängerlokalen »Echo«, »City Thai« und »Delirium Café«. Dank eines Investors wurde nun daraus ein Ort mit Wow-Effekt – rote Glastische, Bar aus Glasziegeln als Chef’s-Table-Counter, exzellent kuratierte Wein- und Getränkeauswahl. Toller Sound aus B&O-Boxen. Beim Essen lautet die Eigendefinition »mit Fokus auf Gemüse, aber ohne Kompromiss beim Genuss«. Und dem kann man rückhaltlos zustimmen. Baby-Brokkoli mit BBQ-Glasur und Shiso-Mayo oder Räucherkroketten mit der Würzpaste Yuzukoshō gibt’s als köstliche Happen. Auch noch optisch eine Freude – die auf parallele Linie gebrachten Fisolen mit Steinpilzen und Bohnenkraut. Und bei »agnolotti. eierschwammerl. salbei« fällt erst im Nachhinein auf, dass die Küche bei der feinen
sauerrahmartigen Lauchfüllung offenbar ohne Milchprodukt auskam. Ebenso exzellent: Maistacos mit Steinpilzmole und Coleslaw. Kann also durchaus sein, dass man hier erst zufällig bemerkt, tolles Essen ohne Fisch und Fleisch bestellt zu haben.