Wenn es was gibt, das Deutsche fast genauso lieben wie italienische Küche, dann sind es Schnitzel, Kaiserschmarrn und Co. Nur leider ist die Dichte wirklich guter Österreicher hierzulande erschreckend gering. Zumindest in Stuttgart wurde dieser weiße Fleck nun getilgt. Und das nicht irgendwie: Am besten schmeckt nachbarländische Küche nämlich, wenn sie wirklich aus der Nachbarschaft kommt. Unverklausuliert gesagt: Die Betreiberfamilie Brunner ist waschecht österreichisch – in der Stuttgarter Gastronomie aber seit Jahrzehnten fest verwurzelt. Im Fall von Werner Brunner war es die Liebe, die ihn aus Kärnten ins Ländle führte. Seine Tochter Birgit betreibt das »Paulaner« im Calwer Viertel – und nun serviert Enkelin Ayleen gemeinsam mit Partner Jakob Transier direkt gegenüber Spezialitäten aus der Alpenrepublik. Küchendirektor ist Goran Lukic, der bereits im benachbarten »Paulaner« die kulinarische Leitung innehat. Der Spagat zwischen beiden Betrieben gelingt ihm bemerkenswert gut: Als Vorspeise überzeugte der gebeizte Saibling mit feiner Textur und klarem Geschmack. Buttermilch und Granny Smith sorgten für Frische, Kren für elegante Schärfe. Beim Hauptgang ist natürlich Wiener Schnitzel Pflicht. 38,90 Euro mögen das schwäbische Gemüt fordern, doch das butterzarte Fleisch und die luftige Panade rechtfertigen den Preis. Die Kartoffeln: perfekt gegart und in Butter geschwenkt. Nur der Gurkensalat fällt etwas ab – zu grob geschnitten. Zum Dessert darf natürlich Kaiserschmarrn nicht fehlen – fluffig, mit Eischnee und beschwipsten Rosinen. Der Service agiert freundlich und professionell. Die Weinkarte umfasst gut 100 Positionen, doch gerade die österreichischen dürften noch an Tiefe gewinnen.