Kempinski-CEO Barbara Muckermann: »Erfolg hängt maßgeblich von den richtigen Menschen ab«
Barbara Muckermann ist die erste Frau an der Spitze von Kempinski, Europas ältester Luxushotelgruppe. Zuvor leitete sie die Luxusreederei Silversea Cruises. Die gebürtige Deutsche spricht fünf Sprachen fließend und promovierte in Politik- und Wirtschaftswissenschaften.
Als Chief Executive Officer der Kempinski Group leitet Barbara Muckermann die ikonische Marke mit über 78 Hotels in 32 Ländern weltweit. Sie ist die erste Frau an der Spitze der Luxushotelgruppe in deren 128-jähriger Firmengeschichte. Darüber hinaus ist sie ein Wildnis-Fan durch und durch. Am liebsten reist sie dorthin, wo die Natur noch ungebändigt ist, etwa nach Alaska. Zur Erholung macht sie lange Spaziergänge oder entspannt sich an Deck ihres Boots. Falstaff TRAVEL hat sie zum Interview getroffen.
Falstaff TRAVEL: Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Barbara Muckermann: Ich liebe die Natur – besonders, wenn sie unberührt ist, wir Menschen ihr noch keine Fesseln angelegt haben. Die Antarktis zum Beispiel, dort war ich dreimal. Oder die Galapagosinseln.
Suchen Sie diese Naturnähe auch im Alltag?
So oft wie möglich. Ich lebe in einem Haus am Fuße der Alpen, unmittelbar am Waldrand. Ich liebe lange Spaziergänge – die Natur zu inhalieren, ihre Farben, Klänge, Düfte. Leider verbringe ich berufsbedingt viel zu viel Zeit auf Flughäfen.
Ihr unvergesslichster Reisemoment?
Mein erstes Mal in der Antarktis. Ich war Kajak fahren, als plötzlich ein gigantischer Wal neben mir im Wasser auftauchte. Es war ein Schreckmoment, aber gleichzeitig wunderschön.
Was macht einen Urlaub zum Erlebnis?
Die Mitreisenden – ich bin keine Einzelgängerin. Und das Essen: Versteht man die Küche eines Landes, erfährt man viel über seine Geschichte, Traditionen und Werte.
Hatten Sie schon einmal einen richtigen Kulturclash?
Bisher nicht, weil ich immer versuche, neugierig und offen zu sein – das ist doch das, worum es beim Reisen geht. Am fremdesten habe ich mich bisher jedoch in Südkorea gefühlt. Alles war so komplett anders, angefangen beim Alphabet.
Zum Portfolio von Kempinski gehören 80 Hotels in 34 Ländern. Haben Sie jedes dieser Häuser schon bereist?
Noch nicht, aber es gibt einige, die ich schon immer erleben wollte; bereits bevor ich CEO von Kempinski wurde. Das »Ciragan Palace« in Istanbul zum Beispiel, ein ehemaliger Sultanspalast am Bosporus mit eigenem Hamam – der einzige ottomanische Palast weltweit, der in ein Hotel umgewandelt wurde.
Haben Sie ein Lieblingshotel, das nicht zu Kempinski gehört?
Ganz eindeutig das »Plaza Athénée« in Paris – eines der elegantesten und zeitlos schönsten Hotels der Welt. Von der Gastfreundschaft dort kann man sich wirklich etwas abschauen.
Kempinski ist eine Benchmark in der Hotelindustrie. Was hebt ein Hotel vom Durchschnitt ab?
Die Hotellerie ist ein People Business – Erfolg hängt maßgeblich von den richtigen Menschen ab. Ein Hotel kann noch so luxuriös, stilvoll und komfortabel sein, doch erst engagierte Persönlichkeiten verleihen ihm durch Leidenschaft und Gastfreundschaft eine Seele.
Kempinski plant in den nächsten Jahren 41 neue Hotels weltweit – große Pläne. Gibt es eine Eröffnung, der Sie besonders entgegenfiebern?
Die »Royal Residence« am Schloss Nymphenburg, das exklusivste Domizil in München. Unser Ziel ist es, das Erbe zu bewahren und gleichzeitig neue Maßstäbe im Luxusbereich zu setzen.
Wenn Sie selbst Urlaub machen: Boutiquehotel oder Bauernhof?
Boot! Im Mittelmeer oder in der Karibik. Mein Mann und ich haben eine kleine Motoryacht. Oft verbringen wir den ganzen Tag auf dem Deck, fangen unseren eigenen Fisch und bereiten ihn selbst zu. Einen Bootsführerschein habe ich aber nicht.
Was ist Ihr Lieblingsgericht und in welchem Restaurant?
Frittierte Zucchiniblüten. In Rom sind sie überall fantastisch, egal wo.