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Cortina d’Ampezzo liegt zwischen prachtvoll schroffen Felswänden im Valle de Boite, Provinz Belluno, Region Venetien.

Cortina d’Ampezzo liegt zwischen prachtvoll schroffen Felswänden im Valle de Boite, Provinz Belluno, Region Venetien.
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Cortina d'Ampezzo: Einer der exklusivsten Skiorte Italiens

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Nach 1956 ist Cortina d’Ampezzo im Februar 2026 zum zweiten Mal Austragungsort der Olympischen Spiele. In Italiens exklusivstem Skiresort laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Es ist Anfang Oktober, und die »Perle der Dolomiten« wirkt noch wie die Hauptstadt der Baukräne. Überall in Cortina d’Ampezzo wird gehämmert, gebohrt, gebaut. Sogar die alte Sprungschanze aus den 1950er-Jahren ist eingerüstet. Und das, obwohl die Skisprungbewerbe bei den Olympischen Spielen gar nicht hier, sondern in Predazzo im Val di Fiemma ausgetragen werden. »Allerdings hat die Schanze einen symbolischen Wert und soll gedanklich eine Brücke schaffen zwischen den letzten Olympischen Spielen, die 1956 hier stattfanden, und jenen, die uns im Jahr 2026 erwarten«, sagt Mia Agostini vom lokalen Tourismusbüro.

Was indessen in Cortina selbst ausgetragen wird, sind die alpinen Damenbewerbe auf den Pisten des eindrucksvollen Tofane-­Massivs, das mit seinen drei Gipfeln den Ort und das gesamte Ampezzo-Tal überragt, und außerdem die Rodel- und Bob-Bewerbe, für die eine neue Bahn ­gebaut werden musste. Ein Bauprojekt, das wie bei allen Winterspielen aus ökologischen Gründen heftig umstritten ist.

Deutlich weniger umstritten sind gleich mehrere Hotels, an denen noch gebaut wird und die bis Februar fertiggestellt werden sollen. Andere wiederum haben bereits geöffnet, einige erst seit Kurzem. Darunter das prachtvolle »Ancora« aus den 1820er-Jahren, das Renzo Rosso, umtriebiger Chef von bekannten Marken wie Diesel, Jil Sander und Victor & Rolf, übernommen hat.

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Neuer Glanz

Nach drei Jahren der Renovierung eröffnete das aus 1823 stammende Haus im vergangenen Juni. Die historische Fassade wurde belassen, das Innere gänzlich neu gestaltet. Von den Balkonen der Zimmer und der Terrasse des Restaurants aus hat man einen idealen Blick auf den Corso Italia, die Haupt- und Einkaufsstraße Cortinas. Auch hier wird noch gearbeitet, zum Teil hinter Sichtschutzwänden mit glamourösen Namen darauf wie Prada, Louis Vuitton oder Dior. Andere haben längst geöffnet und locken bereits jetzt das großteils kaufkräftige Publikum auf der Flaniermeile mit glitzernden Schaufenstern, darunter Moncler, Falconeri oder Golden Goose.

Am Ende der Fußgängerzone liegt die alteingesessene »Pasticceria d’Alverà«, die sich mit ihrer Vitrine voll bunter, feinziselierter und juweliermäßig präsentierter Mignon-Patisserien perfekt einfügt in den eleganten Rahmen des Corso und genauso gut nach Paris oder Mailand passen würde. Mitteleuropäisches wie Strudel, Sacher- und Linzer Torte erinnern daran, dass Cortina mit seinem ursprünglich ladinischsprachigen Umland bis Ende des Ersten Weltkriegs Teil des Habsburgerreichs war. Zudem gibt es unter anderem die besten Croissants diesseits des Mont Blanc und einen sagenhaft flaumigen Panettone, die wiederum für die fruchtbaren Aufenthalte Massimo ­Alveràs, des Betreibers in vierter Generation, in Konditoreien in Italien und Frankreich steht.

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Zwischen Alpen und Adria

Nur wenige Autominuten abseits des Zentrums in Richtung Westen und am Fuße des Tofana-Dreigestirns liegt das Restaurant »Alajmo Cortina«, das die beiden namensgebenden Brüder hier vor zwei Jahren eröffneten. Massimo und Raffaele Alajmo stammen aus Padua, das genau wie Cortina in der Region Venetien liegt. Dort, in einem eher schmucklosen Vorort, verwandelten sie das Familiengasthaus »Le ­Calandre« in eines der besten Restaurants des Landes, vom Guide Michelin ausgezeichnet mit der Höchstnote von drei Sternen. Es folgten weitere Lokale und Restaurants, darunter in Paris und in Marrakesch sowie das historische »Caffè Quadri« am Markusplatz in Venedig. Und seit zwei Jahren also auch in Cortina.

»Seit wir Kinder sind, kommen wir hierher«, sagt Raffaele, der sich im Betrieb um die wirtschaftlichen Angelegenheiten kümmert, »als dann das alteingesessene und legendäre El Toulà zum Verkauf stand, schlugen wir zu.« Das Lokal präsentiert sich im Chalet-Stil mit viel Holz, Lammfellen und Terrasse mit spektakulärem Ausblick auf Stadt, Tal und Bergwelt. Für passendes Cortina-Flair sorgen Modelle und Bilder von schnellen Autos und schicken Yachten sowie ein Kühlschrank für die Kaviar-Dosen.

»Es hat mich stark gereizt, eine Verbindung von der Adria zu den Dolomiten herzustellen «, sagt Massimiliano, der kochende der beiden Alajmo Brüder, »in den Bergen gibt es eine Fülle an Zutaten und Aromen zu entdecken und zu erforschen, ohne unsere Region Venetien zu verlassen, die ja auch stark vom Meer und von der Lagune geprägt ist.« Und so ist die Küche im »Alajmo Cortina« gewissermaßen eine durch und durch venetische, geprägt von der Lage und ihrer natürlichen Vielfalt der Region zwischen Alpen und Adria und mit passendem »Cortina-Touch«. Wie etwa im Fall von Knochenmark mit Kaviar und Champagner-Risotto oder den frittierten Scampi mit Thymian-Pulver, Selleriesaft, wildem Fenchel und Fichtentrieben.

Weitaus bodenständiger, zumindest auf den ersten Blick, geht es im »SanBrite« zu. Das Lokal liegt ebenfalls etwas außerhalb vom Zentrum, diesmal in Richtung des im Osten gelegenen 3.200 Meter hohen Monte Cristallo. Untergebracht ist es in einem Bauernhof im traditionellen Dolomiten-Stil mit einem Fundament aus Stein und hervorstehendem Obergeschoß aus Holz. Im Inneren dominieren minimalistische Holzmöbel von lokalen Handwerkern. Im Gegensatz zum rustikalen Rahmen stehen die kompetente Beratung des Sommeliers Vincenzo Saladino und Riccardo Gasparis gehobene und elegant-kreative Küche. Der Koch und Wirt betreibt zudem eine Landwirtschaft, verarbeitet Milch und Milchprodukte und Fleisch der eigenen Kühe und Schweine, dazu frisches und eingelegtes Gemüse aus dem Hausgarten sowie ­gesammelte Kräuter und Pilze aus den ­umliegenden Wäldern.

Daraus entstehen Spezialitäten des Hauses wie etwa als Primo die eindrucksvollen Spaghetti eines lokalen Pastificios, die der Küchenchef in Hühnerbrühe kocht, mit Zirbenkieferöl und Wacholder vermengt und mit Bröseln von Puccia, der lokalen Version des Südtiroler Schüttelbrots, garniert. Oder zum Hauptgang ein Stück Fleisch, dessen Auswahl sich nach der Schlachtung richtet und im konkreten Fall aus einem zarten Stück Rindszunge bestand, das mit Selleriefond und einer Sauce aus Bergkräutern daherkam. In der Tat bietet das »SanBrite« ein ziemlich einzigartiges Erlebnis, das man auch als »Agriturismo goes fine fining« bezeichnen könnte. Das trifft umso mehr zu, als Gaspari, bevor er das Lokal gemeinsam mit seiner Frau im Jahr 2017 eröffnete, seinem Vater im elterlichen Almhütte-­Agriturismo zur Hand ging.

Dieser besteht übrigens nach wie vor. Er nennt sich »El ­Brite die Loredo«, liegt nur wenige Kilometer weiter vom »SanBrite« die Straße hinauf und arbeitet weitestgehend mit denselben hofeigenen Zutaten wie das Restaurant. Im Unterschied zu diesem ist die Küchenlinie allerdings eine herzhafte, regionale und traditionelle. Darunter Käse und diverse Specksorten, aber auch Canederli (Knödel) mit Speck oder Kräutern oder Casunzei, die lokale Version der Ravioli. Alles in allem ein Ort, an dem man sich recht weit weg wähnt vom Glamour Cortinas, dafür aber umso näher am kulinarischen und ländlichen Erbe dieser faszinierenden Stadt im Herzen der Dolomiten.


Georges Desrues
Autor
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