Deutsche Bahn plant bundesweites Alkoholverbot an Bahnhöfen
Alkoholkonsum soll an deutschen Bahnhöfen bald der Vergangenheit angehören. Die Deutsche Bahn plant ein bundesweites Trinkverbot auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen. Hintergrund sind steigende Gewaltzahlen und positive Erfahrungen aus Städten, in denen die Regelung bereits gilt.
Die Deutsche Bahn plant ein bundesweites Alkoholverbot an ihren rund 5.400 Bahnhöfen. Künftig soll das Trinken auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen untersagt sein, um die Sicherheit für Reisende und Mitarbeitende zu erhöhen. Gastronomiebetriebe bleiben von der Regelung ausgenommen – wie die Tagesschau berichtet.
Hintergrund sind zunehmende Gewaltvorfälle an Bahnhöfen und in Zügen. Bahn-Chefin Evelyn Palla begründete den Schritt damit, dass Alkoholkonsum häufig zu Konflikten und Übergriffen beitrage. Wer künftig gegen das Verbot verstößt, muss je nach Schwere des Falls mit einem Platzverweis oder bei wiederholten Verstößen mit einem Hausverbot rechnen. Der Transport verschlossener alkoholischer Getränke bleibt weiterhin erlaubt.
Positive Auswirkungen von Alkoholverbot
Die Bahn verweist dabei auf positive Erfahrungen an Standorten, an denen ein Alkoholverbot bereits gilt. Hamburg führte die Regelung im April 2024 ein. Nach Angaben des Unternehmens gingen dort Konflikte und Auseinandersetzungen spürbar zurück, zugleich verbesserten sich das Sicherheitsgefühl der Reisenden und die Sauberkeit in den Bahnhöfen.
Die Einführung soll schrittweise erfolgen: Ab 1. September 2026 werden zunächst die Bahnhöfe Berlin Hauptbahnhof, Berlin Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig alkoholfrei. Bis Mitte Oktober 2026 soll das Verbot auf alle Bahnhöfe der Deutschen Bahn ausgeweitet werden. Dafür werden die Hausordnungen der jeweiligen Bahnhöfe in Abstimmung mit den zuständigen Kommunen und Behörden angepasst.
Politische Debatte
Die Pläne werden grundsätzlich begrüßt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete ihn als diskussionswürdig, verwies jedoch auf die Herausforderung einer konsequenten Durchsetzung. Die Gewerkschaft der Polizei hält ein Alkoholverbot für sinnvoll, sieht jedoch angesichts der Personalsituation Schwierigkeiten bei flächendeckenden Kontrollen.
Die Debatte fällt in eine Zeit steigender Gewalt im Bahnverkehr. Nach Angaben der Bundespolizei haben Straftaten an Bahnhöfen und in Zügen zuletzt zugenommen. Anfang des Jahres hatte der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter bundesweit Bestürzung ausgelöst und eine neue Diskussion über Sicherheitsmaßnahmen im Bahnverkehr angestoßen.