Hanna Åkerström: «Gute Textilien machen aus einem Aufenthalt eine Erinnerung»
Hanna Åkerström hat die Schweizer Naturkosmetikmarke Soeder über Jahre mitgeprägt. Nun übernimmt sie beim Zürcher Textillabel «Skin Euphoria» die neu geschaffene Rolle als Director of Brand and Partnerships. Im Interview spricht sie über sinnlichen Komfort, nachhaltige Wertschöpfung und die Frage, warum Bettwäsche und Frottierwaren in der Hotellerie strategischer gedacht werden sollten.
Das Zürcher Label «Skin Euphoria» baut seine Markenführung aus: Hanna Åkerström, Mitgründerin der Schweizer Naturkosmetikmarke Soeder, hat die neu geschaffene Rolle als Director of Brand and Partnerships übernommen. Mit ihrem Wechsel bringt sie Erfahrung im Aufbau einer konsequent nachhaltig gedachten Marke in ein Feld ein, das in der Hotellerie zwar täglich berührt, aber oft unterschätzt wird: Textilien.
Falstaff: Sie haben über viele Jahre eine sichtbare Schweizer Marke mitgeprägt. Was hat Sie an «Skin Euphoria» und an der Welt der Hoteltextilien gereizt?
Hanna Åkerström: Meine Zeit bei Soeder hat stark geprägt, wie ich über Produkte denke. Es ging nie nur darum, was man verkauft, sondern darum, eine bewusste Entscheidung zu treffen: für bessere Qualität, bessere Inhaltsstoffe und letztlich für etwas, hinter dem man wirklich stehen kann. Diese Haltung begleitet mich bis heute.
Gleichzeitig ist mir über die Jahre immer wichtiger geworden, mit Menschen zu arbeiten, zu denen ich eine echte Verbindung habe und die mich inspirieren. Mit Bert Goren, dem Gründer von «Skin Euphoria», verbindet mich eine lange Freundschaft, Vertrauen und ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Produkte entstehen sollten. Deshalb fühlt sich der Schritt sehr natürlich an.
Textilien waren für mich zudem eine naheliegende Weiterentwicklung. Es ist eine Branche, deren problematische Seiten mir schon länger bewusst sind. Ich möchte aber nicht nur aus der Distanz kritisieren, sondern näher herangehen, besser verstehen und Teil einer verantwortungsvolleren Entwicklung werden.
Was mich antreibt, ist die Idee von täglichem Luxus mit gutem Gewissen.
– Hanna Åkerström
Was reizt Sie daran, eine B2B-Marke in einem Bereich aufzubauen, den Hotelgäste täglich erleben, aber selten bewusst wahrnehmen?
Ich glaube, dass viele Gäste Bettwäsche und Handtücher durchaus wahrnehmen. Gerade wenn sie aussergewöhnlich gut sind, spürt man das sofort. Ich kenne selbst den Impuls, dieses Gefühl mit nach Hause nehmen zu wollen. Deshalb fokussiert «Skin Euphoria» nicht nur auf die Hotellerie, sondern bietet ausgewählte Produkte auch direkt für zuhause an.
Mich interessiert dabei nicht Mode im klassischen Sinn. Natürlich schätze ich Ästhetik, Kunst und Design, aber ich möchte keine Produkte schaffen, die stark von Trends oder kurzen Saisons abhängen. Genau deshalb finde ich Kategorien wie Bettwäsche und Handtücher so spannend. Sie stehen nicht für Schnelllebigkeit, sondern für Substanz.
Welche Rolle spielen Textilien aus Ihrer Sicht für das Gästeerlebnis, vom ersten Eindruck im Zimmer bis zum Schlafkomfort?
Textilien sind ein sehr wichtiger Berührungspunkt im Raum: Teppiche, Vorhänge, Kissen, Bettwäsche, Handtücher. Über sie nehmen Gäste Sauberkeit, Qualität und Komfort wahr. Beim Schlaf wird es dann besonders entscheidend. Dann geht es nicht mehr nur um Ästhetik, sondern um körperliches Wohlbefinden. Schlechte Textilien bleiben in Erinnerung. Gute fallen vielleicht nicht immer bewusst auf. Aber ausgezeichnete Textilien können ein Erlebnis so prägen, dass daraus eine Erinnerung wird.
Hoteltextilien werden im Betrieb oft als reine Gebrauchsware behandelt. Warum lohnt es sich für Hotels, hier strategischer hinzuschauen?
Weil Textilien direkten Einfluss auf die Gästezufriedenheit haben. Ich merke es an mir selbst: Wenn ich ein Hotelzimmer betrete, berühre ich oft instinktiv das Bett. Wenn sich das Material gut anfühlt, fällt es viel leichter, in diesem temporären Zuhause anzukommen. Wenn man sie nur als Kostenfaktor betrachtet, verpasst man eine echte Möglichkeit zur Differenzierung. Strategisch gedacht können Textilien Markenwerte transportieren, den Aufenthalt aufwerten und langfristig auch wirtschaftlich sinnvoll sein, etwa durch bessere Haltbarkeit und weniger Reklamationen.
Die Haptik von Bettwäsche oder Handtüchern kann komplett verändern, wie wohl und angekommen man sich in einem Raum fühlt. Viele Gäste formulieren das vielleicht nicht bewusst, aber sie spüren es sofort.
– Hanna Åkerström
Viele Betriebe stehen unter Kostendruck. Wie argumentieren Sie gegenüber Hotels, die bei Textilien zuerst auf den Einkaufspreis achten?
Man muss den Blick vom reinen Anschaffungspreis auf den Gesamtwert verschieben. Wenn ein Produkt länger hält, besser funktioniert und die Gästezufriedenheit verbessert, relativiert sich der höhere Einstiegspreis sehr schnell. Kurz gesagt: Billig ist oft nur auf den ersten Blick billig.
Und nachhaltig bedeutet nicht automatisch teuer. Ich bin überzeugt: Wenn ökologisch und sozial verantwortungsvolle Produktion zur Norm wird, werden hochwertige und gesunde Produkte für viel mehr Menschen zugänglich.
Was unterscheidet nachhaltige Premium-Hoteltextilien wie jene von «Skin Euphoria» von konventionellen Produkten?
Ich würde nicht behaupten, schon die ultimative Expertin für den gesamten Textilmarkt zu sein. Aber bei «Skin Euphoria» verfolgen wir einen sehr ganzheitlichen Ansatz. Wir schauen uns die gesamte Produktionskette genau an. Es geht darum, hochwertige und nachhaltig bezogene Materialien einzusetzen und sicherzustellen, dass die Produktion sowohl für Menschen als auch für die Umwelt verantwortungsvoll ist. Wir denken das Produkt von der Faser bis zur Veredelung und testen es mit Blick auf Langlebigkeit. Am Ende muss der gesamte Lebenszyklus Sinn ergeben, nicht nur ein einzelner Teil davon.
Nachhaltigkeit ist im Textilbereich ein grosses Wort. Wie verhindern Sie, dass daraus eine reine Marketingbehauptung wird?
Indem wir spezifisch sind. Transparenz ist entscheidend: Woher kommen die Materialien? Wie und wo wird produziert? Welche Standards werden eingehalten? Wenn man diese Fragen ehrlich beantwortet und auch Grenzen benennt, wird Nachhaltigkeit glaubwürdig.
Es geht nicht darum, vom ersten Tag an perfekt zu sein. Es geht darum, genau zu wissen, wo man steht, und klar zu benennen, was verbessert werden kann. Alles andere läuft Gefahr, austauschbares Marketing zu werden.