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Die Bergkulisse rund um Kitzbühel macht die Region auch abseits von Skipisten und Winterzauber zu einem Paradies für genussvolle Bewegung.

Die Bergkulisse rund um Kitzbühel macht die Region auch abseits von Skipisten und Winterzauber zu einem Paradies für genussvolle Bewegung.
© Erwin Haiden

Fest im Sattel: Tiroler Genussradeln

Genussradfahren
Natur
Tirol

Pedale statt Piste: Wenn es wärmer wird, und die Berge Tirols ihre Wintermode gegen Sommerkleidung tauschen, verwandeln sich Skiparadiese zu Radfahr-Eldorados.

So ganz überzeugt war Adam Opel von Autos nie. »Aus diesem Stinkkasten wird nie mehr werden als ein Spielzeug für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen!«, hat der Gründer des Familienunternehmens noch kurz vor seinem Tod 1895 gesagt. Vier Jahre später begannen seine Nachkommen mit der Automobilproduktion. Er selbst hatte davor seine Nähmaschinenmanufaktur in eine Fahrradfabrik umgebaut, die schnell zum größten Hersteller Deutschlands wurde. Das Zweirad war eher seine Welt: »Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.« Davon kann man sich auch in und rund um Kitzbühel überzeugen.

Mit 1200 Kilometern Rad- und Mountainbikestrecken ist die Bergwelt rund um Österreichs Skimetropole im Sommer ein Paradies für alle Radler. 80 ausgeschilderte Touren für Rennrad, Mountain-, Gravel- und E-Bike warten. Weit muss man sich dabei gar nicht von Mausefalle und Hausbergkante auf der legendären »Streif« entfernen. Zum Aufwärmen kann man am Schwarzsee vor den Toren Kitzbühels mit einer rund 15 Kilometer langen Runde ums Bichlach-Gebiet starten. Vom Bahnhof Schwarzsee geht es dafür zunächst Richtung Steuerberg und Oberdorf. Je nach Blickrichtung hat man freie Sicht auf das imposante Massiv des Wilden Kaiser, den Hahnenkamm oder das Kitzbüheler Horn. Auch die in Kirchberg startende Route auf die Fleckalm bietet serpentinenreiche Forstwege entlang durch Waldpassagen und über die Weiden auf der Ehrenbacherhöhe ein unmittelbares Naturerlebnis unweit der Gamsstadt.

Naturidyll vor den Toren Kitzbühels: Der Schwarzsee taugt für genussvolle Umrundungen am Rad und abkühlenden Schwimmspaß danach.
© Michael Werlberger
Naturidyll vor den Toren Kitzbühels: Der Schwarzsee taugt für genussvolle Umrundungen am Rad und abkühlenden Schwimmspaß danach.

250 Jahre ohne Ruhetag

Etwas weitere Kreise zieht die Kitzbüheler »Hausrunde«. Gestartet wird im Stadtzentrum wiederum Richtung Schwarzsee, von wo es über Reith weiter zum legendären »Stanglwirt« in Going geht. 400 Jahre alt sind die Wurzeln des Gasthauses am Fuße des Wilden Kaisers, seit 250 Jahren werden hier ohne Ruhetag Gäste verwöhnt. Im umfassend ausgebauten Hotel-Restaurant-Betrieb wird dabei unter anderem auf Produkte aus der eigenen Landwirtschaft und auf Wasser aus der hauseigenen »Kaiserquelle« zurückgegriffen. Erlaubtes Doping für die Radrunde, die über St. Johann zurück nach Kitzbühel führt. Konditionsstarke »Rennradler« können über Hochfilzen und Fieberbrunn bis in den Pinzgau nach Saalfelden, Zell am See und Mittersill weiterfahren und am Pass Thurn ihre Bergfahrqualitäten testen, bevor als Belohnung eine rasante Abfahrt nach Jochberg und Kitzbühel wartet.

Mit bis zu 163 Kilometern noch länger, aber dennoch genussorientierter, ist der »KAT Bike«. Auf dieser Mountainbike-Tour durch die Kitzbüheler Alpen warten zwar über 4800 Höhenmeter, sie verteilen sich allerdings auf mehrere Tage, zudem gibt es eine E-MTB-Option, und auch sonst steht hier das Erlebnis im Vordergrund. Ihm kann man sich exklusiv widmen, da bei der Tour Übernachtungen samt Halbpension, Gepäcktransport und Rückreise zum Startpunkt bereits vorab organisiert sind. So bleibt der Kopf frei.

Das ist ein Modell, dem sich auch das Team von »Bike Tirol« verschrieben hat. Als Spezialist für geführte Radtouren im Großraum Innsbruck, Stubaital, Wipptal und im Karwendel bietet man durchorchestrierte Mehrtagestouren, bei denen allerdings kein Unterkunftswechsel erforderlich ist. Die Gäste werden jeden Tag bei ihrem Quartier abgeholt, zum jeweiligen Start der Etappe gebracht, am Ende der Tour wieder abgeholt und zurück in die Unterkunft chauffiert. So lässt sich beispielsweise die Umgebung von Lans bei Innsbruck im Sattel und auf 115 Kilometer Radwegen erkunden. Ob bei einer Dörferrunde am Sonnenplateau, einer Almentour oder am Radweg im Inntal: für Vielfalt ist gesorgt. Das gilt auch für das Stubaital, wo neben asphaltierten Straßen für Rennräder auch Mountainbike-Trails für Offroad-Abenteuer und familienfreundliche Radwege entlang der Flüsse warten. Das vergleichsweise langsame Tempo, mit dem man dabei auf den Schotter-, Forst- und Höhenwegen zu den aussichtsreichen Logenplätzen der alpinen Bühne unterwegs ist, ermöglicht es, die Natur und all ihre Facetten zu genießen – den Duft von frischem Gras, das Rauschen des Windes in den Bäumen, das Dahinsprudeln von Bächen und das zarte Singen der Vögel.

Bike-Genuss auf Topniveau

Weiter im Westen wartet Ähnliches, nur näher dem Himmel. So liegt Ischgl auf knapp 1400 Metern (und damit fast doppelt so hoch wie Kitzbühel), die Idalp als »Hausberg« des bekannten Wintersportorts im Tiroler Paznauntal noch einmal fast tausend Meter höher, und in der Umgebung sind 74 Gipfel der Silvrettagruppe gar über dreitausend Meter hoch. Aber auch in dieser spektakulären Hochgebirgslandschaft ist nicht nur entlang des Bachs am flachen Talboden zwischen Ischgl, Mathon und Galtür genussvolles Radfahren möglich – wobei es sich freilich weniger um ein klassisches Rennradrevier handelt, sondern um das natürliche Habitat von Mountainbikes und ihren elektrisch betriebenen Verwandten. So gilt Ischgl als höchstgelegene E-Bike-Destination Europas.

Mit den »Stromern« lassen sich Forstwege, Schotterstraßen, Alm-Trails und Wald- und Wurzelpassagen anstrengungslos befahren. Die Gegend liefert nicht nur atemberaubende Ausblicke, sondern erzählt auch spannende Geschichten einer jahrhundertealten Schmugglertradition hoch oben in den Bergen. Der inoffizielle »Startschuss« dafür fiel bereits 1768, als das Ende der Zollfreiheit besiegelt wurde. Damals wurden Waren wie Butter und Felle heimlich nach Samnaun (Schweiz) gebracht und im Gegenzug Güter wie Kaffee oder Mehl ins Paznaun geschmuggelt.

Die Schmuggler mussten dabei stets auf der Hut vor den Zöllnern sein, die entlang der Grenze patrouillierten, häufig aber aus anderen Regionen stammten und daher weniger ortskundig waren. »Grasrutscher« nannten die Einheimischen die Zöllner abfällig, da diese auf den unwegsamen Pfaden unsicher unterwegs waren und nicht einmal skifahren konnten.

Die Schmuggler hingegen waren in ihrem Element: Sie trugen Rucksäcke mit 40 bis 50 Kilogramm Waren über die Berge und nutzten schlechtes Wetter, um unentdeckt zu bleiben. Eine Hochblüte erlebte dieser illegale Grenzverkehr im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Schmuggel wurde dabei nicht nur ein Mittel zum Überleben, sondern auch eine lukrative Einnahmequelle.

Die Gewinne aus dem Import-Export-Geschäft – neben Kaffee, Reis, Tabak, Mehl und Saccharin als Alternative zu Zucker wurde auch mit amerikanischen Nylonstrümpfen, die es in Ischgl nicht zu kaufen gab, gehandelt – trugen unter anderem dazu bei, den Tourismus in der Region zu finanzieren. So ist der erste Skilift in Ischgl, der 1952 im Ortsteil Brand errichtet wurde, ein Zeugnis des Schmugglergeschäfts. Mit dem Aufschwung des Fremdenverkehrs in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren fanden die Paznauner allerdings zunehmend legale Arbeitsplätze, und das Schmuggeln verlor allmählich an Bedeutung.

Spuren der Erinnerung sind geblieben: Hoch oben, auf über 2700 Metern Seehöhe verläuft entlang des Grats eine technisch und konditionell anspruchsvolle Mountainbikeroute, die sich »Schmugglertrail« nennt und über den alten Schmugglerpfad und eine Forststraße zur Alp Trida führt. Von dort geht es – fahrtechnisch ebenfalls fordernd und im Namen mit der Historie spielend – am »Duty Free Ride« weiter Richtung Tal. Gleich zu Beginn lohnt es sich beim angrenzenden kleinen See eine Pause einzulegen und die Natur zu genießen.

Selbiges empfiehlt sich im »Silvapark Galtür«, in dem das Mountainbike-Angebot für die bevorstehende Saison ausgebaut wurde: Der Faulbrunn Trail, eine blaue Einsteigerstrecke, führt einen Kilometer rund um den Alpkogel und die Faulbrunn Alm. Drei anspruchsvollere Teilabschnitte – Schrofa, Tuala und Gonda Trail – bieten mit roten und schwarzen Passagen technisches Fahrvergnügen für Fortgeschrittene. Ergänzt wird das Angebot durch den Kli Zeinis Trail, eine weitere blaue Strecke. Für ambitionierte Absolventen dieser Abfahrten wartet Anfang September ein besonderes Genussversprechen: Zwischen 4. und 6. September finden in Ischgl und Galtür bereits zum fünften Mal die E-Bike-Weltmeisterschaften für jedermann statt.

© TVB Paznaun / Ischgl

Adressen

Berggericht

Inspiration für sein »Alpine Fine Dining« findet Marco Gatterer in heimischer und französischer Küche, serviert wird im ehemaligen Finanzamt der Stadt.
Hinterstadt 15, 6370 Kitzbühel, T: +43 670 6045450
berggericht.at

Hubertusstube

Unter dem Titel »Alpengourmet« schafft Küchenchef Christian Jeske raffinierte Kombinationen aus kulinarischem Einfluss von anderen Kontinenten und heimischen Produkten.
Scheibe 44, 6167 Neustift im Stubaital, T: +43 5226 26660
hotel-jagdhof.at

Paznaunerstube

Martin Sieberer und sein Team bringen seit Jahren internationale Küche auf höchstem Fine-Dining-Niveau ins Trofana Royal. Im Weinkeller liegt eine Sammlung aus 25.000 Flaschen.
Dorfstraße 95, 6561 Ischgl, T: +43 5444 600
trofana-royal.at

Schlossherrnstube im Schlosshotel

Tradition und Gemütlichkeit spielen in der Stube eine ebenso wichtige Rolle wie die erstklassige Gourmetreise von Chef Patrick Raaß mit souffliertem Ei, Steinbutt, Kaviar, Rehrücken und Topfensoufflé.
Dorfstraße 85, 6561 Ischgl, T: +43 5444 5633
schlosshotel-ischgl.com

Stüva

Küchenchef Benjamin Parth begeistert mit preisgekrönten Kreationen französischer Klassiker. Im Weinkeller lagern rund 10.000 Flaschen mit Österreich-Schwerpunkt sowie Raritäten und Newcomer aus der ganzen Welt.
Dorfstraße 73, 6561 Ischgl, T: +43 5444 5275
yscla.at

Bichlhof

Gemüse aus eigenem Garten, Fisch aus dem Teich direkt neben dem Haus, Fleisch von umliegenden Produzenten: Die Philosophie des »Bichlhofs« schmeckt nach Tirol. Große Weinauswahl.
Bichlnweg 153, 6370 Kitzbühel, T: +43 5356 64022
bichlhof.at

Les Deux

Fabrice und Katrin Kieffer betreiben in München das »Les Deux« mit Sternelokal und Brasserie. Letztere gibt es nun auch in Kitzbühel samt Pâté en croûte, Krabbencocktail, Steak au poivre.
Franz-Resch-Straße 7, 6370 Kitzbühel, T: +43 5356 72887
lesdeux-kitzbuehel.at

Tennerhof

Am Fuße des Kitzbüheler Horns wird seit jeher fein gespeist. Regionale Topprodukte wie Kössener Forelle veredelt Johannes Denk zu weltläufigen Gerichten. Im Sommer: Genuss »al fresco« auf der Terrasse.
Griesenauweg 26, 6370 Kitzbühel, T: +43 5356 63181
tennerhof.com

Zum Rössle

Im heimeligen Ambiente des Hotelrestaurants werden Tiroler Schmankerln und geschmackvolle internationale Highlights auf Basis saisonaler Produkte serviert.
Galtür 47, 6563 Galtür, T: +43 5443 8232
roessle-galtuer.at

Zum Tischerlwirt

Tiroler Flair umrahmt die Gerichte voll Feinsinn und Raffinesse. Die Gastgeber haben mit Herz und Detailverliebtheit ihre Vorstellung vom perfekten Wirtshaus umgesetzt.
Kitzbüheler Straße 46, 6370 Reith bei Kitzbühel, T: +43 664 4185918

Das Steghaus

Direkt am Schwarzsee gelegen, erwartet einen Kreativ-Köstliches mit regionalen Zutaten und asiatischem Einschlag wie Pulled-Beef-Wan-Tan mit Trüffel-Nuss-Butter und Teriyaki.
Seebichlweg 37a, 6370 Kitzbühel, T: +43 5356 64254750
steghaus.at

Der Walzl

In den modernen Stuben des Familienbetriebs schmecken etwa Wildburger, Hirsch aus eigener Jagd oder geräucherte Chili-Ananas.
Dorfstraße 56, 6072 Lans, T: +43 5123 70380
gasthof-walzl.at

Seebichl

Hier liegt der Fokus auf ehrlich-schnörkelloser Küche und streng regional hergestellten Grundprodukten. Ossobuco vom Milchkalb oder Kürbis-Erdäpfel-Gulasch werden in einem progressiven Lifestyle-Ambiente serviert.
Seebichlweg 37, 6370 Kitzbühel, T: +43 5326 62525
restaurant-seebichl.at

Bärenwirth

Ein ausgewiesenes Radfahrer-Hotel in idyllischer Lage und mit feiner Gasthausküche und majestätischem Blick über das Inntal.
Römerstraße 14, 6082 Patsch, T: +43 5123 8611
baerhotel.at


 

Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 3/2025

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Klaus Höfler
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