Gipfel und Idylle: Österreichs herbstlicher Westen
Fels trifft Flora in Farbe: Wie eine bunte Halskrause legt sich im Westen Österreichs die herbstliche Wald-und-Wiesen-Idylle an die hochalpinen Gipfel.
Der Herbst zelebriert sein Ankommen nicht laut. Kein signalhafter Fanfarenstoß wie der erste Schneefall, der den Winter einläutet. Kein strahlender Auftritt wie der Sommer, den die Sonne grell ausleuchtet. Der Herbst kommt vielmehr als ein allmählicher Übergang in den alpinen Regionen an und überzieht sie mit einem sanften Filter. Es ist die vielleicht eleganteste Zeit des Jahres – eine Saison, in der die Landschaft nicht mehr in Eile ist.
Die Almen schließen langsam. Das Vieh, das den Sommer über auf den Hochweiden verbrachte, wird zurück ins Tal begleitet, geschmückt mit Blumenkränzen und Glocken – ein jahrhundertealtes Ritual, mit dem vom Arlberg über den Wilden Kaiser bis ins Alpbachtal die sichere Heimkehr von den Bergen mit großen Festen von Einheimischen und Gästen gefeiert wird. Der Almabtrieb ist kein Abgesang auf die Saison, sondern ein sanftes Übergleiten in einen langsameren Rhythmus. Die Natur scheint tiefer zu atmen. Diese Atmosphäre strahlt aus. Der Herbst steht im Zeichen des bewussten Genusses.
Im »Erlhof« in Thumersbach am Zeller See reicht dafür ein Blick aus dem Fenster. Vor der Haustür des familiengeführten Landhotels liegt der See, ruhig und silbrig glänzend wie zähflüssiges Zinn. Wo er endet, beginnt die Schmittenhöhe Richtung Himmel zu wachsen. Ganz oben zeichnet die Morgensonne erste Schatten auf die Hänge des Hausbergs von Zell am See. Gegenüber glitzern einige der 3000er-Gipfel der Hohen Tauern. »Wenn es ein Paradies gibt, dann muss es bei uns sein«, schwärmt Josef Brüggler, Chef des »Erlhofs«, der als eine der ersten Ansiedlungen am See gilt. Bereits 1137 wurde er urkundlich erwähnt und diente Jahrhunderte später unter anderem der Familie Trapp als Sommerresidenz. Ja – der Familie Trapp, die durch den Film und das Musical »Sound of Music« weltbekannt wurde.
Entspannung À la Chanel
Heute nährt sich die Anziehungskraft der Region aus einem Mix aus auf regionale Herkunft setzender Kulinarik und einem touristischen Angebot, das die gesamte Bandbreite zwischen Bewegung und Erholung abbildet.
Eine Wanderung im Nationalpark Hohe Tauern, ein Spaziergang im Hochmoor Wasenmoos, eine Radtour entlang der Salzach, eine Golfrunde mit Blick aufs Kitzsteinhorn, eine Wellnessbehandlung im »Tauern Spa«: Die Vielfalt der Möglichkeiten lässt Raum für individuelle Entdeckungen, beispielsweise auch rund um das »Hotel Schloss Mittersill«, wo die Schösswendklamm und der Hintersee warten. Im Schloss selbst verschmilzt die mittelalterliche Geschichte des Gemäuers mit einer mondänen jüngeren Vergangenheit, in der hier unter anderem Henry Ford und Coco Chanel abstiegen, mit modernem Luxus zwischen beheiztem Außenpool, knisterndem Kaminfeuer und ausgewählten Kunstwerken.
Die von hier aus startende Fahrt über den Gerlospass ins Tiroler Zillertal gleicht einer Reise durch ein herbstlich buntes Landschaftsaquarell. Das Farbenspiel der Natur macht Wanderungen zu dieser Jahreszeit zu einem besonderen Erlebnis. Es sind zwar dieselben Berge und gemütlichen Hütten wie im Sommer davor oder im Winter danach – dennoch liefert der Herbst eine ganz eigene Stimmung.
In den vier Ferienregionen des Zillertals von Fügen-Kaltenbach über Zell-Gerlos und Mayrhofen-Hippach bis nach Tux-Finkenberg breitet sich dadurch eine ansteckende Gelassenheit aus. Die hochalpine Umgebung wirkt bei Mountainbike- oder Wandertouren auf beiden Seiten des Tals weniger als Bedrohung denn als stiller Beobachter. Und am Abend locken die Wellnessbereiche in den Hotels zwischen Uderns, Mayrhofen und Tux beziehungsweise die Erlebnistherme Zillertal in Fügen mit warmem Poolwasser und weiten Panoramaausblicken.
Der Kaiser im Herbstkleid
Apropos Ausblick: am Kitzbüheler Horn an einem sonnigen Septembernachmittag. Ein 360-Grad-Panorama, das vom Wilden Kaiser über die Loferer Steinberge, den Nationalpark Hohe Tauern bis zum Hahnenkamm gleich gegenüber reicht – mehr geht nicht.
Man kann die Gegend aber nicht nur »erblicken«, sondern auch erwandern, beispielsweise im Rahmen der »Gamsroas«. Die 17 Kilometer lange, aber kurzweilige Rundtour führt in den sanften Grasbergen der Kitzbüheler Alpen über neun Gipfel, zu einem glasklaren Bergsee, durch abwechslungsreiche Flora und Fauna und ist bis auf die Überschreitung des Tristkogels nicht allzu schwierig und herausfordernd, bietet aber jedenfalls wunderschöne Ausblicke auf das Massiv des Wilden Kaisers und die Hohen Tauern. Es ist ein Aperitif für die mehr als eintausend Kilometer markierter Wanderwege, die durch die Region rund um Kitzbühel führen und sich an Wanderer aller Ambitionsklassen richten.
Kitzbühel selbst taucht der Herbst in ein zartes Licht, das einlöst, was der Sommer versprochen hat. Die historische Innenstadt, über 750 Jahre alt, strahlt durch die warmen Töne aus Fassaden und Kopfsteinpflaster. Man spürt die Vorfreude auf den Winter, aber auch die Wertschätzung für die Momente, die einem diese Übergangszeit bietet.
Die Tage werden kürzer, doch jede Minute trägt Gewicht. Spürbar wird das unter anderem bei einem Spaziergang am Schwarzsee vor den Toren der Gamsstadt. Das Wasser spiegelt die Farbenspiele der Berge, Nebelfetzen schweben über dem Schilf und verabschieden sich. Der Tag erwacht.
Im direkt am Ufer gelegenen »Alpenhotel Kitzbühel« verbindet sich diese Idylle mit stylisher Erholungsarchitektur, die Ruhe, Genuss und Entspannung vermittelt. Im hauseigenen Bio-Hofladen ist in diesen Tagen die Auswahl erntefrischer regionaler Produkte besonders groß. Von der Terrasse sieht man das eindrucksvolle Massiv des Wilden Kaisers. Es wirkt wie eine Aufforderung, aktiv in den Herbst einzutauchen.
Die ersten Höhenmeter lassen sich dabei auch gemütlich in einer Gondel bewältigen. 14 Bergbahnen der Region Ellmau-Scheffau-Going-Söll machen keine Sommerpause und sind teilweise bis Anfang November in Betrieb. Außerdem lockt man in dieser Zeit im Rahmen von »FamilienHerbstWochen« mit kostenfreien Bergbahntickets für Kinder bis 15 Jahre. Auf den Bergen selbst ist für kulinarische Versorgung in Hütten und Gasthöfen gesorgt, für die Aussicht auf stimmungsvolle Sonnenuntergänge ebenfalls.
Wandernde Gäste und heimische Gipfelstürmer, die den Luxus nicht im schrillen Glamour suchen, sondern im stillen Rauschen des Winds und Rascheln des herabfallenden Laubs finden, verlängern auch rund um Seefeld die Saison weit in den Herbst hinein und haben das Sommer-Herbst-Duo seit einigen Jahren bei den Nächtigungszahlen stabil vor den Winter gehoben. Generell entfallen in Tirol mittlerweile rund ein Viertel aller Gästeankünfte in der Sommerstatistik auf die Monate September und Oktober.
Am Hochplateau von Seefeld treffen sie auf 1200 Meter Seehöhe eine Landschaft, der die Berge des Wetterstein- und des Karwendelgebirges rundherum viel Raum geben. Wo es enger wird, wie in der Leutascher Geisterklamm, wird man entlang des Wegs von Wasserfällen, Gumpen, dramatischen Felswandformationen und buntem Herbstwald abgelenkt. Insgesamt warten mehr als 650 Kilometer Wanderwege und fast 570 Kilometer Radwege vor den Toren des Naturparks Karwendel – Tirols ältesten Schutzgebiets.
Auch das benachbarte Mieminger Plateau nördlich von Innsbruck ist ein Hort der Weite: Obstgärten, sanfte Almen und großzügige Ausblicke prägen eine Kulisse, in der die Sonne abends wie ein letztes Versprechen über die Berge sinkt. Es erfüllt sich am nächsten Tag bei Wanderungen über weiche Wiesenteppiche. Familiengeführte Unterkünfte bieten im Anschluss Sauna, Kräuterbad oder eine Massage, während draußen die Natur in bunten Tönen atmet.
Auch Innsbruck klingt dieser Tage herbstlich. Die Stadt mit ihrem typischen Mix aus historischen Wurzeln im alpenländisch-aristokratischen und großbürgerlichen Milieu, moderner Universitätsstadt und sportlich-urbanem Chic, lockt mit regionaler Gourmetküche und Kulturangeboten. Die tief stehende Sonne lässt die Gassen warm und golden glühen und die umliegenden Gipfel lange Schatten werfen. Diese Atmosphäre lädt zu Spaziergängen auf den Bergisel oder auf den Hungerburgstufen ein, wo man den Herbstbeginn zelebrieren kann. Es ist ein stilles Ankommen.