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Ruf der Wildnis: Auf Luxus-Safari in Südafrika

Südafrika

Eine Safari in einem der privaten Naturschutzreservate gehört zum Pflichtprogramm für Südafrika-Touristen. Der Luxus muss dabei keineswegs auf der Strecke bleiben. Einige Anbieter kombinieren hautnahe Begegnungen mit wilden Tieren mit erstklassigem Komfort.

Wenn der Busch die Nacht abschüttelt, entfaltet sich ein geheimnisvolles Konzert von Tierstimmen aus allen Himmelsrichtungen. Einen Moment innehalten, die Augen schließen und lauschen. Ist das der Ruf des Horn­vogels oder das aufgeschreckte Gackern eines Perlhuhns?

Elliotta Kagiso lenkt seinen Geländewagen der aufgehenden Sonne entgegen. Es ist jetzt kurz nach sechs Uhr. Vor gut einer halben Stunde ertönte der Weckruf in den Lodges. Ein schneller Kaffee, dann Abfahrt.

Plötzlich reißt Kagiso das Lenkrad nach rechts und steuert direkt in die Büsche. Es geht offroad. Das Fahrzeug pflügt sich ­seinen Weg durch dichtes Gestrüpp, walzt Hecken und sogar Bäume nieder. Dann kommt der Wagen abrupt zum Stehen.

Atemberaubend

Gerade einmal einen Antilopensprung entfernt vor dem offenen Safariwagen steht ein mächtiger Löwe über ein Zebra gebeugt. Er hat es anscheinend in der Nacht erbeutet. Laut schmatzend macht sich das Raubtier über die Rippen her. Das Knacken der Knochen fährt einem durch Mark und Bein.

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Man könnte stundenlang zusehen, wie die Natur ihr beeindruckendes Schauspiel vollzieht. Doch auf einmal hat es der Safari-Guide eilig. »Mal sehen, wer heute noch so im Busch unterwegs ist!« Kagiso hofft, ganz in der Nähe zwei Geparden aufzuspüren. »Kein Nationalpark ist wie Madikwe«, sagt er. »Hier haben wir nicht nur die Big Five, sondern die Magnificent Seven – die Glorreichen Sieben.«

Neben Elefanten, Nashörnern, Büffeln, Löwen und Leoparden lassen sich in diesem Wildreservat auch Giraffen und Geparden beobachten. Nur an wenigen Orten stehen die Chancen so gut, sie alle innerhalb weniger Tage oder mit etwas Glück sogar in wenigen Stunden zu sehen.

Privater Naturschutz

Viele Südafrika-Touristen haben bei einer Safari meist nur den berühmten Kruger-­Nationalpark im Blick. Doch es gibt spannende Alternativen abseits des Massentourismus. Bei der »Operation Phoenix« etwa wurden in den 1990ern mehr als 8000 Wildtiere auf ehemaligem Farmland angesiedelt – der bis dahin größte Tiertransfer der Welt. Für den Betrieb des Wildreservats haben sich staatliche Behörden, umliegende Dorfgemeinschaften und private Investoren zusammengetan.

»Ich erinnere mich, als wir als Kinder über das Farmland gefahren sind«, sagt Moremi Keabetswe, »es gab hier eine Krankenstation. Unser Dorf gehörte zu dem ehemaligen Homeland Bophuthatswana.« Der Manager der Buffalo Ridge Lodge kommt wie Kagiso aus der nahen Ortschaft Lekgophung und hatte sich vom Küchengehilfen und Rezeptionist zunächst zum Safari-Guide hochgearbeitet. Er ist stolz darauf, was seine Tswana-Dorfgemeinschaft in den letzten Jahrzehnten erreicht hat. Mehr als 12.000 Großtiere leben inzwischen in Madikwe. Die meisten Arten haben sich seit ihrer Wiederansiedlung vor rund 35 Jahren vermehrt. Das Reservat hat eine erfolgreiche, Tag und Nacht patrouil­lierende Antiwilderer-Einheit.

Auch im Phinda-Wildschutzgebiet in KwaZulu-Natal, ca. 320 Kilometer nördlich von Durban, engagiert man sich seit Langem für den Schutz bedrohter Tierarten. Das private Reservat gehört zu dem Luxusanbieter andBeyond und ist für Safaris weit weniger bekannt als der Kruger-Nationalpark. 

In höchster Alarmbereitschaft

Hier lassen sich ebenso viele Tierarten beobachten, manche sogar leichter als im unermesslich weiten Kruger. Und während in anderen Gebieten bei außergewöhnlichen Sichtungen die Jeeps aneinanderdrängen, herrscht in Phinda stille, unaufgeregte Exklusivität. Ein weiterer Grund, warum viele Reisende Phinda wählen, ist das verschwindend geringe Malaria-Risiko, das während der Trockenzeit sogar vollständig entfällt.

 

Eine Safari ist eine einmalige und unvergessliche Lebenserfahrung.

 

Der Fahrtwind peitscht den Gästen ins Gesicht, während Ranger Aynada an diesem Sonntagnachmittag den offenen Toyota Landcruiser über die unbefes­tigten Pisten lenkt. »Heute bläst es heftiger als sonst. Das kann die Tierbeobachtung erschweren«, erklärt Aynada. »Die Luftbewegung macht potenzielle Beutetiere wie Antilopen nervös und versetzt sie in höchste Alarmbereitschaft. Denn mit dem ständigen Rascheln und Rauschen ist es für sie schwieriger, Raubtiere zu wittern.«

Rasante Spurensuche

Vorne links auf der Motorhaube sitzt ­Somosa, der Tracker. Stoisch späht er in das dichte Buschwerk. Sein Blick erfasst jede Bewegung im Unterholz. »There!«, ruft er plötzlich und hebt die Hand. Aynada bringt den Geländewagen zum Stehen. Keine zwanzig Meter entfernt steht eine weidende Breitmaulnashornkuh mit ihrem Jungen. Das Kalb hebt den Kopf, irritiert vom Anblick des Fahrzeugs. Die Ohren drehen sich aufmerksam in Richtung des Safariwagens, während die Mutter unbeeindruckt weitergrast. Für sie ist der Anblick eines Landcruisers längst nichts Unbekanntes mehr.

Auf Safari begegnen einem majestätische Geparde, die lautlos durch das hohe Gras schleichen. Ihr durchdringender Blick lässt die Luft vor Spannung vibrieren.
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Auf Safari begegnen einem majestätische Geparde, die lautlos durch das hohe Gras schleichen. Ihr durchdringender Blick lässt die Luft vor Spannung vibrieren.

So respekteinflößend die Tiere aus der Nähe wirken – sie sind keineswegs unverwundbar: Nashörner sind in ganz Afrika stark gefährdet. Selbst in Nationalparks ist es eine Herausforderung, sie zu schützen. Wilderer schaffen es immer wieder, sie zu töten und ihre Hörner für enorme Summen auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Um die Tiere im Reservat zu schützen, entfernen die Ranger in Phinda regelmäßig ihre Hörner. »Wir haben ein ganzes Lager«, erzählt Aynada. »Was wir damit machen? Wie andere Reservate auch warten wir auf eine staatliche Genehmigung, die Hörner verkaufen zu dürfen. Wenn das gelingt, könnten wir den Markt überschwemmen und einen Preisverfall auslösen«, sagt Aynada.

Seine Karriere ist für einen Südafrikaner außergewöhnlich. Der junge Mann, der aus einem Dorf in der Nähe stammt, hat es bis zum Manager der exklusiven Rock Lodge geschafft, einer der sechs luxuriösen Anlagen in Phinda, die mit Restaurants, Bars, Aussichtsterrassen, Swimmingpools und privaten Pools ausgestattet sind. Dort war er für das Wohl mehrerer Hundert Gäste pro Monat verantwortlich. Eine klassische Aufsteigergeschichte? Nicht ganz.

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»Der Job hat mich irgendwann unglücklich gemacht – zu viel Zeit am Schreibtisch, zu wenig draußen«, erklärt Ayanda. Also tauschte er seinen angesehenen Posten gegen das Abenteuer unter freiem Himmel. Was für viele wie ein beruflicher Rückschritt erscheinen mag, war für ihn eine bewusste Entscheidung für mehr Lebensqualität. Im modernen Managersprech würde man es wohl »Downshifting« nennen.

Ein harter Weg

So leicht ihm die Entscheidung gefallen sein mag, sein Wunsch nach Veränderung war alles andere als leicht umzusetzen: Die Eignungsprüfung für die Rangerausbildung beim Luxusanbieter andBeyond sei knochenhart und habe ihm alles abverlangt. Es beginnt mit einem Assessment-Center, bei dem die körperliche Belastbarkeit und die psychologische Eignung getestet werden. Danach folgt eine Grundausbildung, in der alles von Vogelkunde bis hin zum sicheren Umgang mit dem Gewehr auf dem Lehrplan steht. Der härteste Test wartet am Ende: »The Great One Walking«. In dieser Prüfung müssen die Anwärter einen sechstägigen Solotrip zu Fuß durch das Reservat meistern – ohne Hilfe, auf sich allein gestellt.

Als Guide muss Ayanda seinen Gästen nicht nur die Flora und Fauna erklären, er versteht es auch, sie mit Aufmerksamkeiten zu überraschen. Zum Frühstück, für das er ein Klapptischchen inmitten der Wildnis aufbaut, gibt es nicht nur frisch gebrühten Kaffee – auf Wunsch sogar mit einem Schuss Amurala-Likör. Für die Kinder hat er Kakao mit Milchschaum und frischgebackenen Cookies.

Ein Frühstück im Freien, umgeben von der atemberaubenden Natur und den Geräuschen der Wildnis, ist das Highlight einer Safari.
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Ein Frühstück im Freien, umgeben von der atemberaubenden Natur und den Geräuschen der Wildnis, ist das Highlight einer Safari.

Zum Sundowner, wenn die Sonne hinter den Hügeln versinkt und das Grasland der Savanne in ein weiches Licht taucht, serviert er dann eisgekühlten Chardonnay und landestypisches Wild-Biltong. Nach der Rückkehr in die Mountain Lodge sind im Freien lange Tische aufgebaut und von Kerzen erhellt. Über sie breitet sich der atemraubende Sternenhimmel KwaZulu-Natals. Bei dem Naturschauspiel wird das Dinner beinahe zur Nebensache.

Afrika hat einen der klarsten Himmel der Welt, was den Kontinent zum Paradies für Sterngucker macht. Die nächste Großstadt, so scheint es im nächtlichen Phinda, liegt Lichtjahre entfernt.


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Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 8/2024

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Sebastian Späth
Sebastian Späth
Chefredakteur
Win Schumacher
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