US-Pass fällt auf historischen Tiefstand – Singapur an der Spitze
Erstmals seit 20 Jahren gehört der US-Pass nicht mehr zu den zehn mächtigsten Reisedokumenten der Welt. Im aktuellen »Henley Passport Index« rutscht er auf Platz 12 ab. An der Spitze des Rankings steht erneut Singapur.
»Passport, please!« Welchen Reisepass man besitzt, gibt Auskunft darüber, in wie viele Länder man ohne Visum reisen darf. Der »Henley Passport Index«, herausgegeben von der US-amerikanischen Beratungsfirma »Henley&Partners«, basiert auf Datensätzen der »International Air Transport Association« (IATA). Bewertet wird, wie viele Länder Inhaber:innen eines bestimmten Passes ohne Visum besuchen dürfen. Ein Indiz für internationale Mobilität und zugleich ein Spiegel geopolitischer und wirtschaftlicher Beziehungen. Die aktuelle Ausgabe zeigt: Der US-Pass verliert an Einfluss, während Singapur erneut die Spitzenposition einnimmt.
Asien führt, Europa folgt, USA rutscht ab
Die Spitze des globalen Rankings besetzen Singapur, Südkorea und Japan. Ihre Bürger dürfen zwischen 189 und 193 Länder ohne Visum bereisen. Deutschland, Italien, Luxemburg, Spanien und die Schweiz teilen sich den vierten Rang.
In diesem Jahr hat der US-Pass erstmals seit zwei Jahrzehnten die Top 10 der weltweit stärksten Reisepässe verlassen. Nach Platz 7 im Jahr 2024 rutscht er nun auf Rang 12, gleichauf mit Malaysia und Liechtenstein. Mit US-Pass können nur noch 180 visumfreie Destinationen bereist werden.
Gründe für den Stärkeverlust des US-Passes
Mehrere Länder haben ihre Einreiseregeln gegenüber den USA verschärft. Brasilien hob im Frühjahr die visumfreie Einreise auf, auch China, Vietnam und Papua-Neuguinea schlossen sich an. Der Verlust solcher Abkommen hat den Abstieg des US-Passes beschleunigt. Während US-Bürger in 180 Länder ohne Visum reisen dürfen, gewähren die Vereinigten Staaten nur 46 Nationen dieselbe Freiheit. Experten sehen darin ein Symptom politischer Selbstbezogenheit: »Amerikas Rückzug auf sich selbst spiegelt sich nun in der globalen Mobilität wider«, sagt Annie Pforzheimer vom »Center for Strategic and International Studies in Washington« in einem Statement.
Flucht in den Zweitpass
Der Bedeutungsverlust des US-Passes hat eine neue Entwicklung ausgelöst: Immer mehr wohlhabende Amerikaner sichern sich durch Investitionsprogramme Aufenthaltsrechte oder Zweitstaatsbürgerschaften in anderen Ländern. Laut »Henley & Partners« stieg die Zahl der Anträge 2025 um 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der amerikanische Pass bleibe damit wertvoll, jedoch nicht mehr ausreichend.
China auf dem Vormarsch
Gleichzeitig steigt China auf: Der chinesische Pass kletterte in zehn Jahren von Rang 94 auf 64. Peking hat seine Visumspolitik deutlich geöffnet und allein 2025 mehr als 30 weiteren Ländern visumfreien Zugang gewährt. Damit liegt China in puncto Offenheit nun vor den USA.