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Illustration: Monique Dressel | AI generated with Midjourney

Wein-Investment: Ist jetzt der richtige Moment für den Einstieg?

INVESTMENT
Finanzen
Weinauktion

In Wein investieren – für Weinliebhaber:innen ist das ein verlockender Gedanke. Ist jetzt der passende Moment für einen Einstieg? Falstaff hat erfahrene Akteur:innen um ihre Meinung gebeten.

Es war ein so einfaches und lange Zeit extrem verläßliches Erfolgsrezept: jedes Jahr en Primeur zwei Kisten Bordeaux von seinem Lieblingswein kaufen, nach ein paar Jahren eine Kiste verkaufen und mit dem erzielten Gewinn die andere nachträglich mitfinanzieren. Das funktionierte lange Zeit aus zwei Gründen gut: zum einen, weil die Subskriptionspreise früher einmal wirklich günstig waren – und deutlich unter den Preisen lagen, die man für reifere Jahrgänge bezahlen musste. Zum zweiten, da sich nach der physischen Auslieferung eines Jahrgangs die Zahl der verfügbaren Flaschen von selbst verringerte: dadurch, dass sie getrunken werden.

Im letzten Jahrzehnt jedoch wendete sich das Blatt – inzwischen sind markante Preissteigerungen in den Jahren nach der Auslieferung der Weine die seltene Ausnahme. Die Bordeaux aus dem ausgezeichneten Jahrgang 2016 kann man heute fast alle noch zu denselben Preisen kaufen, die man auch vor neun Jahren bei der Subskription ausgeben musste. Viele Weine der Jahrgänge 2017, 2018, 2020 und 2021 sind sogar im Preis gefallen – wer früh gekauft hat, hat also Geld verloren.

Wein-Investments sind gut für die Risikostreuung: Der Fine-Wine-Markt läuft nicht immer parallel zum Aktienmarkt.

Diese für Investor:innen unerfreuliche Entwicklung hat viele Ursachen. Eine der wesentlichen ist das Bestreben der Châteaux, einen immer größeren Teil der Wertschöpfung selbst zu behalten. Dadurch haben die Produzent:innen die Subskriptionspreise im Lauf der letzten 20 Jahre immer wieder sprunghaft erhöht, was bei Sammler:innen und privaten Weinfreund:innen für Murren und im Weinhandel für sinkende Margen gesorgt hat. Beides hat zur Folge, dass die Weine weniger häufig getrunken werden und dass die Verknappung des Angebots, die früher durch die Trinkfreude der Kunden von selbst eintrat, heutzutage auf sich warten lässt.

Denn Private kaufen inzwischen zurückhaltender ein und horten anschließend ihre wertvollen Schätze, ohne allzu oft eine Flasche zu öffnen. Der Handel wiederum erlebt eine Klemme ganz eigener Art: Einerseits spekuliert er darauf, dass sich die Margen bereits lagernder Weine durch Preissteigerungen verbessern. Andererseits hat gerade der Bordelaiser Négoce in der Niedrigzinsphase des vergangenen Jahrzehnts große Bestände auf Kredit gekauft – und ist nun bei steigenden Zinsen gezwungen, Lagermengen abzubauen.

Resilienz und Risikostreuung

Trotz der Delle des letzten Jahrzehnts bleiben langfristige Wein-Investments aber immer noch lukrativ. Der von der Londoner Weinbörse Liv-Ex berechnete marktbreite Liv-Ex Fine Wine 1000 Index beispielsweise weist für den Zeitraum zwischen 2005 und 2025 einen Zugewinn von etwa 200 Prozent auf, während der englische Aktienindex FTSE 100 im selben Zeitraum – betrachtet man die reinen Kurse und nicht die Performance – nur um etwas mehr als 80 Prozent stieg. Hochwertige Weine zu kaufen und sie langfristig zu lagern, ist also grundsätzlich eine gute Idee. Allerdings schmälern Kosten für Lager, Versicherung und Kapitalbindung die erzielbare Rendite erheblich, wenn man das Investment streng durchkalkuliert. Wer diese Nebenkosten auf das Konto »Genussfreude« bucht, wird selbstredend dennoch zu einer vorteilhaften Einschätzung seines Investments kommen.

In den Wein-Auktionen von Falstaff und Dorotheum zeigt die Höhe der Gebote in den letzten zwei Jahren eine klare Richtung: Nach oben.

Unter dem Blickwinkel der Risikostreuung spricht zudem für ein Wein-Investment, dass die Preisentwicklung des Fine Wine Markts nicht immer parallel zum Aktienmarkt verläuft. In der Finanzkrise 2008/2009 etwa erlebte der Fine Wine-Markt nur einen milden Rückgang, und die Verwerfungen des Jahresanfangs 2020 durch den Beginn der Covid-Pandemie sind an den Wein-Indizes nahezu spurlos vorübergegangen. Dafür verlor der Liv-Ex Fine Wine 50 zwischen 2011 und 2013, als die chinesische Nachfrage nach Bordeaux einbrach, rund 40 Prozent. Die Aktienindizes der meisten westlichen Länder entwickelten sich im gleichen Zeitraum positiv.

Die aktuelle Lage

Im Sommer 2023 gingen die Fine Wine Preise in einen Abwärtstrend über, der zwei Jahre andauerte und im Sommer 2025 zunächst zum Stillstand kam. In der zweiten Jahreshälfte 2025 bewegen sich die Preise überwiegend seitwärts, zu Jahresbeginn 2026 gab es erste Anzeichen einer Aufwärtstendenz. Ohne den Konflikt im Nahen Osten, darin stimmen die von Falstaff befragten Expert:innen überein, stünden die Chancen auf wieder steigende Preise nicht schlecht. So aber verbleibt der Markt in einem abwartenden Modus. Die Gefahr eines Durchschlagens des Konflikts im Nahen Osten auf die Weltwirtschaft lässt vor allem den Handel vorsichtig bleiben. Auch die Primeurkampagne des sehr guten Bordeaux-Jahrgangs 2025 hängt daher etwas »zwischen Baum und Borke«, wie zu hören ist.

Wenn die geopolitischen Belastungen entfallen oder sich substanziell verringern, könnte das der Markterholung auf jeden Fall gut tun. Eine Übersicht über einige spannende Details des derzeitigen Marktumfeldes geben die Statements wichtiger Marktakteure:

Fine Wine: Wie geht es weiter?

 

Short Facts


»Fine Wine« und die Welt der Wein-Investments
Das englische Wort »Fine Wine« (oder auch »Fine and Rare Wine«) bezieht sich auf Weine, die sammelwürdig sind und für die es einen sogenannten »Sekundärmarkt« gibt – die also regelmäßig auf Auktionen gehandelt werden und für ein Investment infrage kommen.

Welche Wein-Herkünfte sind wichtig im »Fine Wine«-Segment?
Noch vor 20 oder 25 Jahren wurde der Fine Wine Markt mit großem Abstand von Bordeaux dominiert. Heute stehen Burgund und Bordeaux nach Wert nahezu gleichauf. Große Bedeutung besitzen auch die Champagne und die Toskana, teils auch das Rhônetal, oder in Nischen Port und Madeira. Insgesamt hat in den letzten zehn Jahren die Bedeutung anderer Regionen, etwa Kaliforniens oder des Piemont, stark zugenommen.

Wie groß ist der Fine-Wine-Markt?
Je nach gewählter Abgrenzung des »Fine Wine«-Segments steht dieser Markt für jährliche Umsätze in der Größenordnung von 30-40 Milliarden US-Dollar. Nach Volumen macht der Fine-Wine-Markt nur etwas mehr als ein Prozent des gesamten Weinmarkts aus, nach Wert jedoch mehr als zehn Prozent.

Wo der Markt herkommt:
Nach einer etwa 30-jährigen, weitgehend stabilen Aufwärtsphase sieht der Fine Wine Markt seit Sommer 2023 sinkende Preise und Umsätze. Die Preisrückgänge können – vor allem bei zuvor besonders stark gestiegenen Weinen, etwa bei besonders gesuchten Burgundern – 30 oder sogar 40 Prozent betragen.

Wo der Markt aktuell steht:
Seit Sommer 2025 sinken die Preise nicht weiter, sie gehen seitwärts mit kleineren Ausschlägen nach oben und unten, die vom aktuellen Stand der jeweiligen Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine abzuhängen scheinen. Ob ein möglicher »Rebound« sehr dynamisch oder eher langsam erfolgen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander.

 

 


Redaktion
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