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Weinreise Mosel: von Kanzem nach Wiltingen und Ockfen

Wein
Deutschland
Rheinland-Pfalz

Zwischen steilen Reben und stillen Gassen: eine Etappe, die den Riesling in seiner klassischen Form zeigt.

Nach unserer Anreise beziehen wir Quartier im »Gästehaus Cantzheim« in Kanzem oder in einem der gepflegten Hotels in Trier. Dann wartet auch schon einer der Höhepunkte unserer Reise: der Besuch des Weinguts Van Volxem am Ortsrand von Wiltingen.

Der heutige Eigentümer des Weinguts, Roman Niewodniczanski, erwarb das Weingut im Jahr 1999 und stellte es seitdem komplett neu auf. So kaufte oder pachtete der weinverrückte Betriebswirt in den letzten 20 Jahren jede Parzelle in einer Spitzenlage, die er bekommen konnte, denn er hat eine Vision: Er ist davon überzeugt, dass der Saarwein schon bald wieder dort stehen wird, wo er am Ende des 19. Jahrhunderts schon einmal war: ganz oben in der Hierarchie der Spitzenweine Europas. Diesem Ziel ordnet Niewodniczanski alles unter: Die Handarbeit in den halsbrecherischen Steillagen wird mit äußerster Konsequenz und ohne Betrachtung der Kosten durchgeführt, das Streben nach Qualität steht an erster Stelle –und nicht die Maximierung des Ertrags.

Eleganz der Architektur

Im Ortskern Wiltingens ist noch das historische Weingutsgebäude aus dem 18. Jahrhundert erhalten, doch wir wollen uns nun den Neubau in einer Saarschleife außerhalb des Orts anschauen. Das im Sommer 2019 eröffnete Gebäudeensemble beherbergt die Kellerei, eine Vinothek – und ist Veranstaltungsort für Konzerte und Tastings. Da wir nicht nur die Weine verkosten, sondern auch eine Kellerführung erleben möchten, haben wir zuvor einen Termin vereinbart.

Außergewöhnlich ist der Raritätenkeller, in dem ausgewählte Weinpartien jahrelang reifen, ehe sie als »Late Release« in den Verlauf gelangen. Früher war der Saarwein seines Reifevermögens wegen weltbekannt. Mit dem Reifekeller beweist Niewodniczanski, dass sich daran bis zum heutigen Tag nichts geändert hat.

Weinberge in Wiltingen
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Weinberge in Wiltingen

Wiedergeburt einer Lage

Nun geht es in die Lage Geisberg nahe der Ortschaft Ockfen. Dieser Weinberg gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zu den angesehensten des ganzen Tals, auf Versteigerungen erzielten Weine von dort gleich hohe Preise wie diejenigen aus Bernkastel – und höhere als Weine aus Brauneberg oder der heute bekannteren Ockfener Nachbarlage Bockstein. Doch nach dem Zweiten Weltkieg geriet er in Vergessenheit, in den 1970er-Jahren wurde er dann gerodet: Man hielt die Lage für zu kühl und unwirtschaftlich.

Nach der Verkostung einer Flasche 1964er Geisberg entschloss sich Roman Niewodniczanski, den Weinberg wieder anzulegen. Er erwarb zwölf Hektar im Kern der Lage und pflanzte im Frühjahr 2016 die ersten Reben. Mit jedem Jahr, das der Weinberg an Alter gewinnt, gewinnt die einstige Legende wieder an Kontur.


Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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