Stillstand ist Rückschritt? Blödsinn! David Heimer war gewiss der kreativere, mutigere Küchenchef, als es Lukas Zehnder ist. Geht man nun aber weniger gern ins «Josef»? Sicher nicht. Das Lokal gleich neben der berüchtigten Zürcher Langstrasse ist und bleibt Kult. Es ist ein verrückter Laden, recht dunkel ist es, bisweilen etwas laut, die Bar mitten im Restaurant trägt zur lebhaften Stimmung bei. Gerade weil das «Josef» ohnehin schrill ist, bedarf es keiner Küche, die Intro und Erklärung braucht. Weisser Spargel mit confierter Königskrabbe und Krustentier-Bisque. Morchel-Parmesan-Tarte an einer Schmorzwiebel-Beurre-Blanc. Perlhuhn vom Holzkohlegrill mit Senfsauce, Kräuter-seitlingen und Petersilie. Das liegt alles irgendwo guter Bistro-Cuisine und Fine Dining. Tolle Produkte, akkurat gekocht, schöne Portionen. Die Gerichte sind nicht herausfordernd und doch spannend. Keine Selbstverwirklichung. Der Fünfgänger kostet lediglich 97 Franken – Schnäppchen-Alarm! Der Service ist locker, die Weinkarte oszilliert zwischen keckem Naturwein und Burgunder Grand Cru. Oder wie wäre es mit einem ebenfalls hervorragenden Negroni? Links eine Date Night mit Hund, rechts eine Gruppe im Business-Outfit, gleich dahinter vier junge Frauen, die einen sehr lustigen Abend geniessen. Und in der Ecke ein nicht ganz unbekannter Schweizer Winzer, der mit seinen Kollegen überdurchschnittlich viel Wein am Tisch teilt. Später schliesst er die Lücke zum Nebentisch und lässt das Paar am anderen Tisch mittrinken. Und wir? Wir bestellen zum Nachtisch nochmals eine Morchel-Parmesan-Tarte. So geht «Josef».