Ein Abend im »Wild Scandinavian Cooking« kann schnell zur Mutprobe werden. Nehmen wir den ganzen Kabeljaukopf: eine nicht alltägliche kulinarische Erscheinung. Das feste Fleisch findet sich in den Bäckchen, Hartgesottene verzehren auch die Augen mit, die Zunge jedenfalls schmilzt zart am Gaumen. Dazu werden knusprige Fries mit marinierten roten Zwiebeln, Wildkräutern und gepickeltem Kürbis serviert. Der bekannte dänische Gastronom Brian Bojsen, der »Brian’s – Steak & Lobster« in Pöseldorf führte, hat reichlich Erfahrung, um auch weniger couragierte Esser mitzunehmen: Das Norwegian Surf & Turf mit Jakobsmuschel, saftigem Schweinebauch mit krosser Kruste, Erbsenkraut, Gurke und grünem Sauerrahm ist in seinen dezenten Kontrasten schnörkellos ausgewogen – wie auch die geräucherte Makrele mit Erbsen, Blaubeeren, Sauerrahm und Dill-Öl. Das Restaurant befindet sich auf dem 1902 erbauten Hausboot »Caesar«, das in Sichtweite der Elbphilharmonie im Sandtorkai ankert. An den holzgetäfelten Wänden hängen Geweihe und Felle, in der Mitte thront ein massiver Holztisch. Wer austreten muss, geht über die Reling an Land, die 50 Cent für die öffentliche Toilette spendiert der Gastgeber. Die Atmosphäre ist entspannt, allerdings ist im Umfeld von Brian Bojsen zu hören ist, dass er sich mit seinem Geschäftspartner überworfen habe. Besonders Experimentierfreudigen ist Surfströmming vorbehalten, der fermentierte Hering wird als »absolute Mutprobe für Gaumen und Magen« angekündigt. Der wird nur draußen und für vier Personen serviert – seit der Eröffnung im vergangenen August erst zwei Mal.