Deshalb ist After-Sun Pflege so wichtig
Nach dem Sonnenbad braucht die Haut mehr als nur Feuchtigkeit. Wir haben mit einer Suncare-Expertin darüber gesprochen, was UV-Strahlung in der Haut auslöst und warum eine gewöhnliche Bodylotion dabei nicht ausreicht.
Ein Tag am Strand, im Freibad oder auf dem Balkon: Sommersonne tut der Seele gut, hinterlässt aber Spuren. UV-Strahlung schwächt die Hautbarriere, erhöht den transepidermalen Wasserverlust und setzt oxidative Prozesse in Gang. Freie Radikale entstehen, die Zellstrukturen belasten und langfristig zur Hautalterung beitragen können. Das passiert auch dann, wenn kein sichtbarer Sonnenbrand auftritt: Die Haut arbeitet nach intensiver UV-Belastung auf Hochtouren, lange bevor sich das äußerlich zeigt. Eine gewöhnliche Bodylotion wird diesen Prozessen nicht gerecht: Sie spendet in erster Linie Feuchtigkeit, ohne gezielt auf Beruhigung und Regeneration ausgelegt zu sein. After-Sun-Produkte enthalten dagegen typischerweise eine höhere Konzentration an feuchtigkeitsbindenden und entzündungshemmenden Wirkstoffen. Wie oft sie zum Einsatz kommen sollte, welche Inhaltsstoffe wirklich wirken und worauf besonders bei Kinderhaut zu achten ist, erklärt Claire Collin, Produktentwicklerin bei Naïf Good Care, im Interview mit falstaff HappyLife.
Claire Collin
Claire Collin ist Chemieingenieurin und seit Januar 2025 Produktentwicklerin bei Naïf Good Care in Den Haag. Sie verantwortet Produktformulierungen und -spezifikationen, sichert Qualitäts-, Nachhaltigkeits- und Regulierungsstandards und ist zuständig für Zertifizierungen wie Vegan Trademark, Allergy Certified und Dermatest.
Naïf wurde 2013 von den niederländischen Vätern Jochem Hes und Sjoerd Trompetter gegründet und bietet natürliche, B-Corp-zertifizierte Pflegeprodukte für die ganze Familie – frei von Mikroplastik, Silikonen und Mineralölen.
Foto beigestelltfalstaff HappyLife: Was passiert biochemisch in der Haut nach längerer UV-Exposition? Warum reicht eine normale Bodylotion nicht aus?
Claire Collin: Längere UV-Exposition löst in der Haut oxidativen Stress aus, erhöht die Bildung freier Radikale und setzt entzündliche Prozesse in Gang. Gleichzeitig wird die Hautbarriere geschwächt, wodurch der transepidermale Wasserverlust zunimmt. Eine herkömmliche Bodylotion spendet in erster Linie Feuchtigkeit. Ein After-Sun-Produkt hingegen ist gezielt darauf ausgelegt, die Haut zu beruhigen, die Regeneration der Hautbarriere zu unterstützen und antioxidative sowie hautberuhigende Inhaltsstoffe bereitzustellen, die den Auswirkungen des UV-bedingten Stresses entgegenwirken.
Ab welchem Maß an Sonneneinstrahlung (UV-Index) empfehlen Sie die regelmäßige Anwendung von After-Sun-Pflege – auch ohne sichtbaren Sonnenbrand?
Claire Collin: Wir empfehlen, After-Sun-Pflege regelmäßig anzuwenden, sobald der UV-Index 3 oder höher beträgt. Bereits ab diesem Wert kann UV-Strahlung die Haut beeinträchtigen, auch wenn noch keine sichtbare Rötung oder ein Sonnenbrand auftritt. UV-bedingte Hautschäden beginnen lange bevor sie äußerlich erkennbar sind. Daher ist es sinnvoll, die Haut nach dem Sonnenbaden mit Feuchtigkeit zu versorgen und die Hautbarriere gezielt zu unterstützen.
Welche Inhaltsstoffe sind in einer wirksamen After-Sun-Formulierung unverzichtbar?
Claire Collin: Eine wirksame After-Sun-Pflege sollte feuchtigkeitsspendende, beruhigende und hautbarrierestärkende Inhaltsstoffe kombinieren. Feuchthaltemittel wie Glycerin helfen dabei, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut wiederherzustellen. Inhaltsstoffe wie Allantoin und Aloe Vera wirken beruhigend und können gereizte Haut entspannen. Zusätzlich sind hautidentische Lipide zur Unterstützung der Hautbarriere sowie Antioxidantien sinnvoll, um oxidativen Stress zu reduzieren und die natürliche Regeneration der Haut zu fördern.
Kinder reagieren anders auf Sonnenschäden als Erwachsene. Worauf sollten Eltern bei der Wahl einer After-Sun-Pflege für Kinder besonders achten?
Claire Collin: Die Haut von Kindern ist dünner, empfindlicher und verfügt über eine noch nicht vollständig ausgereifte Hautbarriere. Dadurch ist sie anfälliger für UV-bedingte Schäden und Feuchtigkeitsverlust. After-Sun-Produkte für Kinder sollten daher besonders sanft formuliert sein und auf beruhigende sowie feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe setzen, die die Hautbarriere unterstützen und gleichzeitig das Risiko von Hautreizungen möglichst gering halten.
Wie schnell nach dem Sonnenbaden sollte After-Sun aufgetragen werden, und spielt der Zeitpunkt tatsächlich eine messbare Rolle?
Claire Collin: Idealerweise sollte After-Sun-Pflege möglichst zeitnah nach dem Duschen oder nachdem die Haut nach der Sonneneinstrahlung abgekühlt ist aufgetragen werden. Eine frühe Anwendung hilft dabei, verlorene Feuchtigkeit zu ersetzen, die Hautbarriere zu unterstützen und die Haut zu beruhigen, während die UV-bedingten Entzündungsprozesse noch im Anfangsstadium sind. Entscheidend ist vor allem die konsequente Anwendung nach jeder intensiveren Sonnenexposition – nicht erst dann, wenn sich die Haut trocken oder gereizt anfühlt.
Welche Fehler werden bei der Anwendung von After-Sun-Produkten am häufigsten gemacht?
Claire Collin: Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass After-Sun-Produkte nur nach einem Sonnenbrand notwendig sind. Tatsächlich profitiert die Haut bereits nach jeder nennenswerten UV-Exposition von einer gezielten Pflege. Ein weiterer häufiger Fehler ist, zu wenig Produkt aufzutragen oder es nur einmal anzuwenden, obwohl die Haut über viele Stunden hinweg weiterhin Feuchtigkeit verliert. Außerdem ist wichtig zu beachten, dass After-Sun-Produkte keinen Sonnenschutz ersetzen. Sie dienen der Regeneration der Haut nach der Sonneneinstrahlung, schützen jedoch nicht vor zukünftigen UV-Schäden.
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