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© studio wiedenhofer

Fin de Partie: Sabine Wiedenhofer im Interview

Kunst
Interview

Im Kontext der 60. Biennale Arte zeigt die Künstlerin Sabine Wiedenhofer im Arsenale eine großformatige Skulptur, die mit dem diesjährigen Biennale-Motto »Foreigners everywhere« in Dialog tritt. LIVING hat die Künstlerin in ihrem Wiener Studio besucht.   

LiVING Mit Ihrer installativen Skulptur »So sorry! – Alea iacta est« verweisen Sie auf das diesjährige Biennale-Motto »Foreigners everywhere«. Inwiefern stehen die beiden im Zusammenhang?

Sabine Wiedenhofer Es war klar, dass das Thema von Flucht und Zuwanderung im Biennale-Gastgeberland Italien in naher Zukunft aufgegriffen wird. Für mich gibt dies Anlass, mit der Conditio humana des 21. Jahrhunderts in Dialog zu treten. Die Frage ist, würfelst du für dein Leben oder überlässt du einem anderen den Wurf? Was sagt die Augenzahl und was machen wir mit dem Ergebnis? Ich möchte mit meiner Arbeit zum Nachdenken anregen, idealerweise ergibt sich daraus ein Aktivwerden.

Der Würfel Ihrer Skulptur ist mobil und kann von Besucher:innen gedreht werden. Seine symbolischen Zuschreibungen sind Glück, Schicksal und Zufall.

Ja, genau, darauf spiele ich an. Bereits die Geburt weist jedem Menschen eine ganz bestimmte Ausgangsbasis zu: Wo man auf die Welt kommt, ist Zufall, Glück, Unglück oder Schicksal, jedenfalls aber der persönliche Startpunkt eines jeden von uns. Damit müssen wir umgehen. Ob wir selber die Würfel von dieser Basis aus in die Hand nehmen oder nicht und uns vom Strom des Lebens treiben lassen, bleibt in der eigenen Verantwortung.

»So sorry! – Alea iacta est«. Die Skulptur von Sabine Wiedenhofer spielt mit Glück und Schicksal innerhalb des menschlichen Lebens.
wiedenhofer.cc

© studio wiedenhofer

Ein Teil Ihrer Skulptur ist ein überlebensgroßes »Mensch-ärgere-dich-nicht«-Brettspiel. Was hat es damit auf sich?

Es ist eines der weltweit bekanntesten und ältesten Brettspiele der Menschheit. Vom Verlassen des Heims bis zum Ankommen und diverses Taktieren irgendwo dazwischen, ist dieses Spiel ein Abbild des menschlichen Lebens. Den Spielfiguren steht in meiner Arbeit das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals, denn das Spielbrett ist auf einem mit Wasser befüllten Glasbecken platziert. Eine stark aufgeladene Symbolik, denkt man an Umweltkatastrophen, die versinkende Lagunenstadt und die überladenen Flüchtlingsboote im Süden von Italien.

Gibt es denn in Anbetracht des Status quo noch Hoffnung für die Gesellschaft und den einzelnen Menschen in ihr?

Die gegenwärtige Situation lässt viele Menschen mit einer Überforderung zurück, die sich als eine Art Schockstarre und Passivität manifestiert. Doch ich bin mir sicher, wenn der Mut und der Wille in uns Menschen zu einer Veränderung da sind, kann man die Würfel einsammeln und einen neuen Wurf wagen.

Zuversichtliche Mahnerin. Mit ihren Arbeiten möchte die Künstlerin Sabine Wiedenhofer die Menschen wachrütteln und von der gegenwärtigen Überforderung befreien.

© Julie Brass
Verena Schweiger
Verena Schweiger
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