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© Schweiz Tourismus, Christian Meixner

Kunstvorschau 2026: Messen, Ausstellungen & Biennalen

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Kunst
Messe

Zwischen etablierten Formaten und neuen Narrativen entfaltet sich das Kunstjahr zu einem globalen Parcours aus Messen, Ausstellungen und Biennalen. LIVING zeigt die Player und Highlights.

Weltweite Veränderungen wirken auch in den Kunstsektor hinein. Der Kunstbetrieb setzt auf Erprobtes, zukunftsgerichtete Themen und inhaltliche Struktur. Daraus entsteht ein Kalender, der Kurator:innen und kunstaffines Publikum gleichermaßen fordert und belohnt.

Saisonauftakt

Das Jahr bringt Neuzugänge, denn gleich zwei Messe-Platzhirsche expandieren in die Golfregion. Anfang Februar öffnet die Art Basel in Doha ihre neue Edition Basel Qatar mit angekündigten 87 Galerien und 84 Künstler:innen aus 31 Ländern. Künstlerischer Leiter ist Wael Shawky, der das klassische Messeformat durch ein kuratorisches Konzept ersetzt. Ebenfalls neu ist die Frieze Abu Dhabi, die im November die bisherige Abu Dhabi Art ablöst.

Nach diesem Auftakt geht es mit bewährten Akteuren weiter, wenn die Frieze Los Angeles den Santa Monica Airport bespielt und Anfang März zum 45. Mal die ARCOmadrid den Blick nach Südeuropa lenkt. Im IFEMA Madrid fokussieren sich José Luis Blondet und Magalí Arriola auf die Zukunft der Kunst und den Markt, zusammengefasst unter dem Titel ARCO2045. Satellitenmessen wie die JustMAD, traditionell ein Experimentierfeld für junge Galerien und neue Positionen, verstärken zusätzlich den vielfältigen Charakter der ARCO-Woche.

Frieze New York
Die Frieze NY gehört zu den führenden internationalen Kunstmessen. 2012 gegründet, kehrt heuer die 15. Ausgabe zurück in The Shed.
frieze.com/fairs/frieze-new-york

Casey Kelbaugh/Courtesy: Frieze and CKA

Ohne die TEFAF Maastricht (Mitte März) oder die Art Basel Hong Kong (Ende März) wäre ein Kunstkalender unvollständig. Urlaub und Kunst verbinden sich auf den Balearen, wo die Art Cologne Palma Mallorca ihr neues Format präsentiert. Gleichzeitig lässt sich schon der nächste Flug nach New York planen, um im Mai und Juni die Frieze- und TEFAF-Ableger gut erholt zu besuchen. Mit der Paper Positions Berlin, die Anfang Mai parallel zum Berliner Gallery Weekend stattfindet, rückt die zehnte Ausgabe der Nischenmesse Arbeiten auf Papier wieder ins Zentrum; ein Medium, das häufig zwischen Intimität, Experiment und Sammlertauglichkeit oszilliert. Nur kurz davor wird Belgien mit der Art Brussels ein Treffpunkt für progressive Galerien, gefolgt vom Antwerp Art Weekend, das den nordischen Kunstfrühling regional weiter ausdehnt.

Messekalender in progress

Der Juni markiert mit der Art Basel den unumstrittenen Höhepunkt der Kunstschauen. »Für eine relativ kleine Stadt hat Basel eine enorme internationale Strahlkraft, die sie nicht zuletzt den Museen und der Art Basel verdankt«, erklärt Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler und ehemaliger Direktor der Art Basel. Zeitgleich behauptet sich VOLTA Basel als Plattform für jüngere Galerien und ausgewählte Einzelnamen, was ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zur Marktgröße der Muttermesse darstellt.

Tracy Emin
»I Never Asked to Fall in Love – You Made Me Feel Like This« (2018).
Die Retrospektive in der Tate Modern, London, zeichnet 40 Jahre von Emins Schaffen nach und präsentiert eine Auswahl bekannter Werke sowie bislang unveröffentlichte Arbeiten.
tate.org.uk

© Tracey Emin, Die Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur

Im Herbst steht Wien mit Events und Messen im Fokus, etwa sind die Parallel Vienna und die Vienna Art Week geplant. Die viennacontemporary sowie die Spark Art Fair wurden jedoch abgesagt. Dem bekannten Ablauf folgend, markiert die Art Cologne im November ein stabiles Fundament und spiegelt zugleich aktuelle Entwicklungen wider, ehe im Dezember das Messejahr mit der Art Basel Miami Beach seinen gewohnten Abschluss findet.

Dialoge und Neubewertungen

Während die Messen den Takt vorgeben, rollen Kunstbetriebe 2026 ein dichtes Ausstellungs­programm aus. Historisches trifft auf Zeit­genössisches – nahezu jede Kunstepoche ist vertreten. Mit »Brâncuși« in der Neuen Nationalgalerie Berlin wird eine der zentralen Figuren der modernen Skulptur in einem architektonischen wie inhaltlichen Rahmen neu gelesen. Paris wiederum versammelt gleich 400 Jahre Kunstgeschichte. Im Musée d’Orsay widmet sich »Renoir et l’amour« – eine Kooperation mit dem MFA Boston und der National Gallery in London (3. Oktober 2026 bis 31. Jänner 2027) – der Liebe als Motiv. Im Grand Palais liest eine große Matisse-Schau das Spätwerk mit über 230 Arbeiten als radikalen Akt der Reduktion und Freiheit. Und im Louvre folgt im April ein Gipfeltreffen der westlichen Bildhauerkunst mit Werken von Michelangelo und Rodin im Dialog.

Internationale Museen rücken zunehmend weibliche Positionen in den Fokus, so auch die ALBERTINA Wien, die zum 250-jährigen Jubiläum erstmals die lange übersehene Rolle von Künstlerinnen in ihrer Sammlung sichtbar macht. Bei der Tate Modern stehen zwei bedeutende Solo-Namen im Zentrum. »Tracey Emin – A Second Life« beleuchtet die Transformation biografischer Erfahrung in künstlerische Sprache, während »Frida Kahlo – The Making of an Icon« den Prozess der Mythisierung zwischen Selbstinszenierung und Popkultur analysiert. Wer sich intensiver mit Künstlerinnen aus Lateinamerika beschäftigen möchte, findet in Bonn in der Ausstellung Avant-Guardistas Gelegenheit. In Basel lohnt sich ein Abstecher ins Kunstmuseum, wo Helen Frankenthaler, eine Schlüsselfigur des Color Field Painting, ausgestellt wird.

Gustave Courbet
Das Werk »Die Steineklopfer« (1849) gilt als bedeutendes Beispiel des künstlerischen Realismus. Das Leopold Museum Wien zeigt eine groß angelegte Einzelausstellung.
leopoldmuseum.org

© Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur

Einen vergleichbaren Bruch mit tradierten Sehgewohnheiten vollzog im 19. Jahrhundert Gustave Courbet. Als Vertreter des Realismus machte er politische Haltung sichtbar. Nun würdigt ihn das Leopold Museum in Wien unter dem Titel »Realist und Rebell« mit einer groß angelegten Retrospektive – der ersten Courbet-Einzelausstellung in Österreich, die Werke aus allen Schaffensphasen vereint. Ebenfalls in Wien setzt Billi Thanners Lichtkunstwerk »Unendlichkeit des Lichte« im öffentlichen Raum eine sanfte Metapher für Kontinuität, Balance und Verbindung. Die Installation an den Türmen der Votivkirche zeigt eine 28 × 8 Meter große Aluminiumskulptur in Form einer liegenden Acht und versteht sich, so die Künstlerin, als »Erinnerung an das Licht, das uns verbindet«.

Ein Biennalen-Jahr

Den diskursiven Rahmen des Jahres prägen zwei Biennalen: Die 61. Internationale Kunstbiennale von Venedig widmet sich unter dem Titel »In Minor Keys« leisen, subkutanen Narrativen, die Entschleunigung, Zuhören und Reflexion einfordern. Die Leitidee folgt dem kuratorischen Vermächtnis der kamerunisch-schweizerischen Kuratorin und Kulturproduzentin Koyo Kouoh. Parallel dazu lädt im Frühsommer zum zweiten Mal die Malta-Biennale unter dem Titel CLEAN / CLEAR / CUT als junges, konzeptuell ausgerichtetes Format in den Mittelmeerraum ein. »Wie kann Kunst das kritische Bewusstsein für unsere Vergangenheit und Gegenwart schärfen und gleichzeitig das Erleben von Schönheit fördern?« fragt sich die Künstlerische Leiterin Rosa Martínez. Ziel sei ein Dialog mit dem reichen kulturellen Erbe des maltesischen Archipels, zeitgenössischem Denken und künstlerischen Praktiken. 2026 zeigt sich als Jahr der Überlagerungen: Markt und Museum, große Namen und Revision, lokale Szene und globaler Diskurs greifen ineinander. Kuratorische Konzepte holen auch im Messekontext auf, sichere Anlagen bleiben präsent, junge Positionen gewinnen an Bedeutung.

© Katharina Schiffl

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 1/2026

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Elisabeth Klokar
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