(c) Shutterstock

Valencia: Das sind die Kunst- und Designhighlights

Sie ist Spaniens drittgrößte Stadt und kombiniert südliche Lebensfreude mit dem Sinn fürs Dramatische. In Valencia, der vibrierenden Metropole am Mittelmeer, ist alles Kunst: Stadt, Plätze, Parks und natürlich die zahlreichen Museen und Galerien. 

08.07.2024 - By

Titelbild: Schwereloser Schwung: Die Ciutat de les Arts i les Ciències, von Architekt Santiago Calatrava mit großer Geste inszeniert.

Gut, Bilbao hat das Guggenheim, Frank Gehry und den Bilbao-Effekt. Doch Valencia hat nicht nur mehr Sonne, sondern auch den Calatrava-Effekt. Dieser hat in der stolzen Stadt so atemberaubende wie blendend weiße Bauten im XL-Format in das ehemalige Flussbett des Turia gesetzt. Eigentlich sollte der breite Streifen, der sich um die Innenstadt schlängelt, eine Stadtautobahn werden, doch daraus wurde zum Glück nichts. Zwar wurde Calatrava auch hier seinem Ruf gerecht, seine ohnehin schon astronomischen Budgets locker zu sprengen, doch für die Besucher:innen ist das zweitrangig. Sie können sich an den futuristischen Schwüngen erfreuen, die den Weg Richtung Kulturgenuss weisen. Aber auch in der Altstadt von Valencia finden sich Schätze der Kunstgeschichte und Art Spaces für Zeitgenössisches, mal prachtvoll und -unübersehbar, mal versteckt in einem Innenhof. Valencianer:innen ver-stehen es ganz besonders, zu -feiern. Das zwei-wöchige Festival Las Fallas, das jedes Jahr im März stattfindet, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. In diesen wilden Tagen explodiert die Stadt förmlich in Farben und Formen, die oft grotesken Figuren aus Papier, Holz und Schaumstoff sind mehrere Meter hoch und werden in monatelanger Arbeit handgefertigt, ein ganzes Stadtviertel wird zur Ciutat Fallera. Also: mit Lebensfreude ins lange Wochenende!

FREITAG

Für eine Stadt, die sich einer überreichen Kunstgeschichte rühmen darf, steht Valencia mit beiden Beinen erstaunlich fest im Heute, mit dem Blick nach vorne. Denn der spektakulärste Kulturbau der letzten Jahrzehnte ist der Kunst und Wissenschaft gewidmet. Die opulente Ciutat de les Arts i les Ciències besteht aus den Teilen Hemisfèric, Umbracle, Museu de les ­Ciències, Oceanogràfic, Palau de les Arts und Àgora – die Namen erklären sich von selbst. Das inkludiert viel bombastisches IMAX-Techno-Wunderland, ist aber auch ein Statement, dass sich Wissenschaft und Kultur gegenseitig ­befruchten – ein Beispiel von vielen ist die ­Installation »Chromosome Forest«.

DIGITAL UND ANALOG

Ein Spaziergang durch den Park im alten ­Flussbett des Turia bringt uns ins Stadtviertel Marxalenes und zum Kulturzentrum Bombas Gens, das sich ganz der digitalen Kunst und der Fotografie verschrieben hat. In den riesigen Räumen kann man in aufwendigen immersiven Installationen versinken, als Ausgleich dafür darf man ganz analog die Art-déco-Räumlichkeiten der ehemaligen Pumpenfabrik bewundern, in denen das Bombas Gens zu Hause ist. Die Nummer eins für zeitgenössische Kunst ist zweifellos das IVAM, und das nicht nur in Valencia, denn es war das erste Museum für Gegenwartskunst in Spanien überhaupt. Seit 1989 ist es im Carmen-Viertel in der Altstadt angesiedelt und umfasst acht Galerien, darunter Dauerausstellungen zu den Malern Julio ­González und Ignacio Pinazo. Unter den 10.000 Werken der Sammlung finden sich praktisch alle großen Namen des 20. Jahrhunderts von der Pop-Art über die abstrakte Kunst bis zu Rauminstallation und Fotografie.

Museu de les Ciències
cac.es

Bombas Gens (Digital Arts)
bombasgens.com

IVAM
ivam.es

Türen der Wahrnehmung: Immersive Kunsterfahrung wartet im Kulturzentrum Bombas Gens.

(c) Bombas Gens Centre D’Arts

SAMSTAG

Jeder Kunsttrip ist nicht nur eine Reise durch den Reichtum der Kultur, sondern auch Spiegel des öffentlichen und privaten Engagements einer Gesellschaft. Ersteres hat sich in Valencia ein Aushängeschild in Form des Centre del Carme Cultura ­Contemporània (CCCC) geschaffen, das 2017 in den Räumen eines ehemaligen Klosters eröffnet wurde. Kultur wird im CCCC bewusst weit gefasst: Kunst, Performance, Musik, Design, Medien, Soziologie und vieles mehr. Besonders lohnt der Besuch während des Fallas-Festivals, das jedes Jahr mit einer Sonderausstellung begleitet wird.

GRACIAS, SEÑORA

Wenn es um privates Engagement in großem Maßstab geht, steht in Valencia ein Name ganz oben: Hortensia Herrero. Die glamouröse Supermarktketten-Milliardärin und Tochter der Stadt hat ihrer Heimat die ­Hortensia ­Herrero Foundation geschenkt, die als ­Magnet für herausragende zeitgenössische Kunst dient, mit Namen wie Andreas Gursky, ­Anselm Kiefer, Georg Baselitz oder Anish Kapoor. Dafür wurde der Palacio Valeriola, dessen älteste Bauteile noch aus römischen Zeiten stammen, aufwendig restauriert. Etwas jünger, aber ebenso beeindruckend sind die beiden Bauten, in denen die ­Fundación Bancaja ihre Kunst zeigt. Die von der Region Valencia unterstützte Privatstiftung widmet sich mit hohem Anspruch der spanischen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Hier gibt es einiges zu entdecken, allen voran den Maler Joaquín Sorolla, der sein Heimatland in lebendigen Farben festhielt und dessen Werk in mehreren Ausstellungen in der Fundación Bancaja immer wieder neu beleuchtet wird.

CCCC – Centre del Carme Cultura Contemporánia
consorcimuseus.gva.es

CAHH – Centro de Arte Hortensia Herrero
cahh.es

Fundación Bancaja
fundacionbancaja.es

Ruhiger Rahmen: Das CCCC ist in einem ehemaligen Kloster beheimatet.

(c) beigestellt

SONNTAG

Nach zwei Tagen voller Gegenwart ist es Zeit, den Ursprüngen des spanisch-­valencianischen Stolzes auf den Grund zu ­gehen. Der zweifellos beste Ort dafür ist das Museu de Belles Arts, das mit seinem Gründungsjahr 1837 selbst ein Teil der Nationalgeschichte und zudem in einem stattlichen Palacio zu Hause ist. Mit Diego Velázquez, El Greco und Francisco Goya sind die Heroen der spanischen Malerei vertreten, die den Schwerpunkt der beeindruckenden Sammlung bildet – doch dieser wird in regel­mäßigen Abständen mit Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst bereichert.

METAmUSEUM

Wohl eines der eigenartigsten Museen ­Valencias ist das MuVIM, das sich gleichzeitig der Moderne, der Illustration und der Aufklärung widmet. Was diese drei Begriffe miteinander zu tun haben? Wer darüber nachdenkt, ist bereits mittendrin in der wundersamen Welt des MuVIM, dessen drei Daueraus­stellungen intellektuelle und sinnliche Erfahrungen zu verschmelzen suchen. Ein Museum der Ideen und ein Museum, das darüber ­reflektiert, warum es Museen gibt (Führungen sollten im Voraus gebucht werden). Schwere Kost, schwerer Kopf? Keine Sorge, wir beenden unser Kunst-Wochenende in entspanntem Rahmen in der Galería Ana Serratosa, deren Hauptquartier sich in einem Dachgeschoß in der Altstadt befindet, die sich aber vor allem der Kunst im öffentlichen Raum und der Land-Art widmet, die unter anderem rund um die Ciutat de les Arts i les Ciències zu sehen sind. Mit einem Spaziergang dorthin schließt sich der Kreis – wir ­holen tief Luft und dürfen jetzt feiern gehen, hinein in die lange valencianische Nacht.

Museu de Belles Arts
museobellasartesvalencia.gva.es

MUVIM
muvim.es

Galería Ana Serratosa
anaserratosa.com

Schräge Sache: Das MuVIM, ein Museum zum Nachdenken.

(c) anyconv.com

Erschienen in:

Falstaff LIVING 03/2024

Für den LIVING Newsletter anmelden

* Mit Stern gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Anrede

Lifestyle & Genuss – das sind die zentrale Themen der Falstaff-Magazine. Nun stellen wir das perfekte Surrounding dafür in den Mittelpunkt. Das Ambiente beeinflusst unsere Sinneseindrücke – darum präsentiert Falstaff LIVING Wohnkultur und Immobilien für Genießer!

JETZT NEU LIVING 24/05