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© Alexander van Berge

Zwischen Material und Gefühl: Das Wohnverständnis von Bernd Gruber

LIVING Interview

Das in den Alpen beheimatete Unternehmen Bernd Gruber richtet seit vielen Jahren schon Villen, Chalets und hochwertige Apartments ein. Worauf ist dabei zu achten? Welche Rolle spielen darin Holz und Stein? Und was ist im Interior-Design »the cherry on top«? Das Gespräch mit Creative Director Philipp Hoflehner.

Living Es gibt einen Begriff, der auf Ihrer Website besonders häufig zu finden ist: Atmosphäre.

Philipp Hoflehner Atmosphäre hat viel mit Wohlfühlen, Materialität, Wohn­lichkeit, Gemütlichkeit und Stimmung in einem Raum zu tun. Es gibt viele schöne Räume auf dieser Welt. Aber Räume mit einer guten Atmosphäre sind selten – das ist »the cherry on top«!

Viele Ihrer Projekte wirken sehr gediegen und sind innerhalb einer ganz bestimmten Farb- und Materialpalette angesiedelt: geseifte und gedämpfte Hölzer, flauschige Textilien in Erd- und Naturfarben, Leder, Messing, Travertin, getöntes Glas, verzunderter Stahl. Ist das die Bernd-Gruber-Handschrift?

Zum Teil. Nach all den Jahren im Geschäft würde ich sagen: Ein Drittel des Entwurfs resultiert aus der Kultur und den Wünschen der Bauherr:innen, ein Drittel aus den Besonderheiten des Ortes, und ein Drittel aus unserer ganz persönlichen Handschrift, die sicherlich einem gewissen zeitlosen Stil folgt.

Wie sieht dieser Stil aus?

Das sind die zeitlosen, langlebigen, hoch­wertigen Materialien, die Sie angesprochen haben, aber auch ein Bekenntnis zu einer gestalterischen und handwerklichen ­Nachhaltigkeit, der wir uns verpflichtet fühlen. Wir wollen Räume schaffen, an denen sich die Menschen in zehn, 20 Jahren immer noch erfreuen.

Ihr Portfolio umfasst vor allem Villen, Chalets und ziemlich gediegene Penthouses. Ist das auch der Hauptbereich?

Ja. Wir machen immer wieder Hotels und Lokale, etwa das »Arlberg Club House« oder das ¬Zuma«-Restaurant in Kitzbühel, aber unser Hauptaugenmerk liegt ohne Zweifel auf Häusern und Privatwohnungen. Erst unlängst haben wir ein modernes Chalet-Dorf in Südtirol gemacht – und zwar die »Amonti Chalets« im Ahrntal. In letzter Zeit sind es vor allem Wohnungen im städtischen Bereich, die wir umbauen und gestalten – in Wien, München, Hamburg und Berlin.

 

Privathaus, Kitzbühel
Dunkle Hölzer, helle Stoffe und Travertin im Außen- wie im Innenraum: Die Wahl des Steins liegt ganz im alpinen Trend der letzten Jahre.

© Alexander van Berge

Welche Rolle in der Gestaltung spielt der alpine Raum?

Das kommt auf den Ort an, an dem wir tätig sind. Wir haben auch schon ein Haus in Sylt und ein ganzes Anwesen in Los Angeles gemacht. Da passen wir uns natürlich dem jeweiligen Ort an, dann bauen wir nördlich-maritim oder indem wir Palmen, Himmel und Sonnenschein zelebrieren. Aber wenn wir in den Alpen tätig sind, dann bleiben wir natürlich dem Wesen des Alpinen treu.

Und das wäre?

Im kalten, windigen, verschneiten Alpenraum geht es darum, mit dem Haus und Interior Wärme und Gemütlichkeit zu erzeugen und den Ausblick und die Naturgewalten zu inszenieren. Es muss ein Raum sein, in den man sich gerne mit einem Buch, einer Tasse Tee oder einem Glas Rotwein hineinsetzt.

Sie sind im hochpreisigen Segment zu Hause. Wie viel Budget pro Quadratmeter muss man für ein hochwertiges Interior kalkulieren?

Der genaue Quadratmeterpreis hängt von Umfang, Projektgröße und dem Einsatz von Materialien und handwerklichen Details ab. Bei uns ist ein Raum erst dann fertig, wenn die Vorhänge hängen, die Kunst platziert ist und das Licht eingeschaltet wird. Diese Form von maßgefertigtem Interior ist – wenn Sie so wollen – eine Form von Luxus.

Das Unternehmen wurde 1958 gegründet, Sie selbst sind nun seit 2010 Creative Director. Was hat sich in den letzten Jahren alles verändert?

Wir kommen ja aus dem Handwerk, arbeiten mit Holz, Stein, Metall, Keramik und Textilien, zugleich aber haben wir eine hohe Designkompetenz und gute Partnerschaften mit Industrie und Möbel- und Leuchten­hersteller:innen. Das heißt: Während das Unternehmen früher eine Tischlerei war, entwickeln wir uns nun mehr und mehr zu einem One-Stop-Shop mit Innenarchitektur und Handwerk aus einer Hand.

Chalet, Reith bei Kitzbühel
Zurückgezogenes, naturgetreues Wohnen war das Motto bei ­diesem Interior-Projekt.

© Alexander van Berge

Penthouse, München
Dunkel getönt mit Blick auf die ganze Stadt. Das Penthouse im Münchner Stadtteil Bogenhausen aus Schwarz, Grün und dunklen Holztönen wurde mit dem German Design Award 2026 ausgezeichnet.

© Jenny Haimerl

Gibt es aktuell bestimmte Trends und ­Tendenzen, die Sie erkennen?

Wir merken, dass warme Metalle wie Kupfer, Bronze oder Messing einen Sättigungspunkt erreicht haben. Nun werden die Metallober­flächen tendenziell wieder leiser und heller. Spezielle Oberflächen in Edelstahl sind wieder im Kommen. Und auch hochwertige Mate­rialien, die man von Vintage-Möbeln kennt – wie etwa Teak, Wurzelholz, dickes Glas. Das merken wir auch bei unseren Branchen­kolleg:innen im In- und Ausland. Und ein Material geht grad voll durch die Decke …

Und zwar?

Stein, Stein, Stein! Das ist ein sehr vielfältiger Naturstoff mit viel Charakter und vielen unterschiedlichen Oberflächen. Sehr zeitlos, extrem robust, aber trotzdem eine gewisse Wärme und Geborgenheit ausstrahlend.

Ausblick in die Zukunft: Wohin geht die Reise?

Es gibt viel gutes Handwerk und viele sehr gute, hochwertige Produzent:innen aus Skandinavien, Frankreich und den USA, die sich nun am Markt breitmachen. Das sorgt für ein kontinuierliches Steigen gestalterischer Qualität. Wenn ich – diesem Trend folgend – eine Prognose abgeben müsste, dann würde ich sagen: Die Welt wird schöner werden. Immer mehr Menschen wollen ihre eigene Individualität leben, und dieser Trend hört nicht bei der Mode auf, sondern bewegt sich weiter ins eigene Zuhause.

Zum Abschluss müssen Sie mir noch verraten: Wozu braucht es einen eigenen Raumduft "Bernd Gruber N°01"?

Wir arbeiten mit allen Sinnen. Wir sehen den Duft als eine Art sensorischen Anker, den man abspeichert und an dem man sich jahrelang an erfreuen kann.

Wonach riecht "N°01"?

Nach Zedern- und Sandelholz, nach Erde, nach Zuhause.

Der Herr des Handwerks
Erst arbeitete Philipp Hoflehner bei Ligne Roset in New York, dann bei einem Interior-Designer in Zürich, seit 2010 ist er schließlich Creative Director bei Bernd Gruber.
bernd-gruber.at

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 8/2025

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Wojciech Czaja
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