»Eco Austria«-Direktorin Monika Köppl-Turyna © BMF/Wenzel

»Eco Austria«-Direktorin Monika Köppl-Turyna © BMF/Wenzel

1,2 Milliarden Euro: So viel kostet uns der Fachkräftemangel im Tourismus

»EcoAustria« hat die Effekte nicht besetzter Stellen im Tourismus berechnet.

von Alexander Schöpf
18. April 2024

Welche wirtschaftlichen Effekte haben nicht besetzte Stellen im Tourismus? Dieser Frage ist das Wirtschaftsforschungsinstitut »EcoAustria« nachgegangen und die Zahlen sind durchaus alarmierend. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt am »Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung« in Graz präsentiert, auf dem 600 Teilnehmer:innen aus der Hotellerie und angrenzenden Wirtschaftsbereichen, Politik, Wissenschaft und Journalismus sowie zahlreiche Tourismusschüler:innen drei Tage lang die großen Herausforderungen der Zeit diskutierten.

49 Prozent von 258 Hotels aus ganz Österreich geben an, sie könnten nicht alle Stellen besetzen, 62 Prozent von ihnen im Service, 55 Prozent in Rezeption und Küche, 38 Prozent auf der Etage. 53 Prozent der Befragten sagen, dass sich nicht besetzte Stellen im Service stark auf den Umsatz auswirken. Für Küche und Rezeption geben das 45 bzw. 28 Prozent, an, knapp gefolgt vom Etagendienst mit 22 Prozent. Auf die Frage, wie sich die nicht besetzten Stellen auf den Umsatz ihres Unternehmens auswirken, gaben knapp ein Drittel der Befragten einen Rückgang um fünf bis zehn Prozent an, 18 Prozent einen um zehn bis 20 Prozent und jede:r elfte Befragte einen um mehr als 20 Prozent. Berechnungen von »EcoAustria« zufolge ergibt das einen durchschnittlichen Umsatzrückgang um 7,4 Prozent.

Enormer Schaden für den Standort

»Der Tourismus war und ist in vielen Bereichen Vorreiter, bei Onlinebewertungen, in der sharing economy und auch am Arbeitsmarkt: Durch das kräftige Wachstum haben wir den Mitarbeiter:innen-Mangel früher gespürt als alle anderen Branchen. Heute stehen alle vor derselben Herausforderung. In Summe schadet das dem Standort ganz enorm. Hier geht viel Wertschöpfung verloren«, warnt Walter Veit, Präsident der »Österreichischen Hoteliervereinigung« (ÖHV).

»EcoAustria«-Direktorin Monika Köppl-Turyna ergänzt: »Inklusive direkter und indirekter Effekte beläuft sich das auf einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr und den Verlust von 9.500 Vollzeit-Arbeitsplätzen: Effekte, die man seinem Standort nie wünscht, in wirtschaftlich so herausfordernden Phasen wie jetzt schon gar nicht.« Den Anteil von 70 Prozent der befragten Unternehmen, die einen Umsatzrückgang erwarten, bezeichnet sie als »erheblich«. »Das unterstreicht die Notwendigkeit konsequenten Personalmanagements und aktiver Maßnahmen durch die Politik, um finanzielle Risiken zu mindern und die langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten der Unternehmen der Beherbergungsbranche zu sichern«, so Köppl-Turyna.

ÖHV fordert Maßnahmenpaket

Einig sind sich Veit und Köppl-Turyna, dass die offenen Stellen rasch besetzt werden sollten – und zwar im Interesse aller Beteiligten – und dass es eine Vielzahl von Maßnahmen dazu braucht, auf betrieblicher wie auf überbetrieblicher Ebene. In einigen Bereichen könnten technische Lösungen Aufgaben übernehmen, vor allem in der Rezeption. »Aber es braucht mehr, das ist klar«, gibt Veit zu bedenken. Er fordert ein umfassendes Maßnahmenpaket. Zu diesem gehören unter anderem: die Senkung der Einkommenssteuer und Lohnnebenkosten, die Entbürokratisierung der »Rot-Weiß-Rot-Karte«, mehr Attraktivierung für qualifizierte Zuwanderung, eine Reform der Saisonierkontingente, die Stärkung des Ganzjahrestourismus, steuerliche Begünstigungen für Investitionen und einen Förderschwerpunkt für Künstliche Intelligenz (KI) im Tourismus.

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