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Deutschland: Gastgewerbe beklagt massive Umsatzeinbußen und Gewinnrückgänge
Eine aktuelle DEHOGA-Umfrage zeigt, dass nur wenige Betriebe von der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land direkt profitieren konnten.
von Alexander Schöpf
15. Juli 2024
Die Sorgen in der deutschen Gastronomie und Hotellerie sind groß, die Aussichten getrübt. Von der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land konnten nur wenige Betriebe direkt profitieren. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des »Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes« (DEHOGA Bundesverband) hervor, für die der Verband vom 2. bis 10. Juli 2024 insgesamt 2.730 gastgewerbliche Unternehmen aus ganz Deutschland befragt hat. DEHOGA-Präsident Guido Zöllick drängt mit Blick auf die schlechten Umfrageergebnisse auf bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.
Laut der Verbandsumfrage setzten die Hoteliers und Gastronomen im ersten Halbjahr nominal 10,9 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Noch dramatischer sind die Gewinne zurückgegangen. Von Januar bis Juni beträgt das Minus 22,2 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2023. Auch im Juni lagen die nominalen Umsatzverluste bei 11,1 Prozent. »Die aktuellen Umfrageergebnisse verdeutlichen die weiter sehr angespannte Lage im Gastgewerbe«, sagt Zöllick. Überdurchschnittlich hoch seien die Umsatz- und Gewinneinbußen bei Gasthöfen, speisengeprägten Gastronomiebetrieben sowie Clubs und Diskotheken.
Kneipen, Bars und Biergärten profitieren
Durch die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land verzeichneten die meisten Betriebe erwartungsgemäß keine Umsatzzuwächse. Laut der aktuellen DEHOGA-Umfrage melden 88 Prozent der Umfrageteilnehmer keine positiven Effekte durch die EM. Nur für 8,1 Prozent ergaben sich positive Impulse durch das sportliche Großevent. Dabei gab es deutliche standort- und konzeptabhängige Unterschiede. Nicht überraschend ist, dass in den Austragungsorten wie Berlin und Hamburg mit 17,5 Prozent mehr als doppelt so viele Betriebe von der EM profitierten. Eine besonders gute Resonanz melden mit 32,1 Prozent Kneipen, Bars und Biergärten.
»Etwas getrübt wurde die Feierlaune insbesondere durch das wechselhafte Wetter und das Ausscheiden unserer Mannschaft im Viertelfinale«, berichtet Zöllick. »Die Stimmung war gut. Unsere Betriebe präsentierten sich als tolle Gastgeber mit kreativen Angeboten für die Fußballfans aus ganz Europa. Die EM ist auf jeden Fall ein wichtiger Impulsgeber zur Stärkung des Deutschlandtourismus.«
Getrübte Aussichten
Die Geschäftsaussichten auf die kommenden drei Monate sind getrübt. Nur 18 Prozent melden »gute« und 4,4 Prozent »sehr gute« Vorbuchungszahlen für die Monate Juli, August und September. Jeder Dritte beurteilt seine Buchungs- beziehungsweise Reservierungslage als »schlecht« (32,2 Prozent), 8,8 Prozent bezeichnen die Aussichten auf das dritte Quartal sogar mit »sehr schlecht«. Rund ein weiteres Drittel der Befragten bewertet seine Buchungslage mit »befriedigend« (36,6 Prozent).
Die speisengeprägten Betriebe beklagen insbesondere die Folgen der Beendigung des zeitweise eingeführten reduzierten Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent – jetzt liegt er wieder bei 19 Prozent – für Speisen in der Gastronomie zum Jahresanfang. 66,1 Prozent melden Ertragsrückgänge, 63,3 Prozent zählen weniger Gäste, 62,4 Prozent berichten von sinkenden Umsätzen und 41,7 Prozent von niedrigeren Durchschnittsbons. 87 Prozent der Betriebe sahen sich laut DEHOGA gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. »Nach vier Verlustjahren ließen die massiv gestiegenen Kosten den Betrieben keine andere Wahl, als die Preise anzupassen«, erklärt Zöllick. Zudem versuchen die Betriebe, ihre Kosten in den Griff zu kriegen. Sie fahren geplante Investitionen zurück (77,8 Prozent), passen ihr Angebot an (62 Prozent) und haben ihre Öffnungszeiten reduziert (40,5 Prozent).
Aufgrund der Wiedereinführung des regulären Mwst-Satzes sehen sich 5,7 Prozent der befragten Unternehmer gezwungen, ihren Betrieb aufgeben zu müssen. 23,5 Prozent ziehen eine Betriebsaufgabe in Erwägung. »Trotz größter Anstrengungen wird es für unsere Betriebe immer schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten«, schlägt Zöllick Alarm. »Wenn sich nichts ändert, stehen weitere Tausende Betriebe vor dem Aus.«
Bürokratieabbau und fairer Wettbewerb
Neben der Anhebung der Mehrwertsteuer für Speisen (71,4 Prozent) gehören die steigenden Personalkosten (79,6 Prozent), die sinkenden Gewinne (72,9 Prozent), die höheren Kosten bei Lebensmitteln und Getränken (72 Prozent) und die zunehmende Bürokratie (66,6 Prozent) zu den größten Herausforderungen, so die DEHOGA-Umfrage.
Mehr denn je käme es angesichts der gewaltigen Herausforderungen für die Branche auf die politischen Rahmenbedingungen an, betont Zöllick und bekräftigt die zentrale Branchenforderung: »Die einheitliche Besteuerung von Essen mit sieben Prozent ist für die Zukunftssicherung der öffentlichen Wohnzimmer von elementarer Bedeutung.« Es könne nicht sein, dass Restaurants und Cafés im Wettbewerb gegenüber Lieferdiensten und Mitnahmeangeboten aus dem Lebensmitteleinzelhandel weiter benachteiligt würden. Die Politik sei gefordert, jetzt konsequent Bürokratie abzubauen und insbesondere drohende Neuregelungen zu stoppen. »Unsere Betriebe haben eine hohe gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz in den Städten wie im ländlichen Raum. Dies gilt es durch konkretes politisches Handeln anzuerkennen und zu fördern«, so Zöllick.
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