Holger Bodendorf - Falstaff PROFI

»Regionalität bedeutet für uns keineswegs Verzicht auf Luxus«, sagt Spitzenkoch, Hotelier und Unternehmer Holger Bodendorf.

© Axel Steinbach

»Landhaus Stricker«: Spitzenkoch und Hotelier Holger Bodendorf im PROFI-Interview

2001 ließ Holger Bodendorf seine Vision von charmantem Luxus in Tinnum (Sylt) Wirklichkeit werden. Im Gespräch erklärt er seine Nachhaltigkeitsstrategie, warum er nicht jedem Trend folgt und wie er Appartement-Erlebnis mit Hotelservice aufwertet.

von redaktion
26. Juni 2026

PROFI Ein Vierteljahrhundert »Relais & Châteaux Landhaus Stricker« – da darf man gratulieren! Was hat sich in der Zeit auf Gästeseite am meisten geändert?

HOLGER BODENDORF Die Gästestruktur hat sich auf jeden Fall verändert, allen voran ist der Altersdurchschnitt insgesamt jünger geworden. Gleichzeitig legen die Gäste heute deutlich mehr Wert auf Nachhaltigkeit, entsprechend trifft unser Konzept auf sehr positive Resonanz. Auch das Verhalten vor Ort hat sich verändert. Unsere Gäste sind genussaffiner geworden, was sich besonders in den Restaurants zeigt. Zudem nutzen sie ihren Aufenthalt aktiver: Statt den ganzen Tag im Wellnessbereich zu verbringen, entdecken sie verstärkt die Insel Sylt und sind viel unterwegs, um abends zum Essen wieder ins Hotel zu kommen.

2001 war Sylt als Gourmet-Destination sicher ein Vorreiter. Heute vermarktet sich ganz Deutschland als Urlaubsland für Foodies – wie behält man da seine Avantgarde-Position?

Unser Antrieb ist bis heute die kontinuierliche Weiterentwicklung. Entscheidend war dabei, dass wir uns stets treu geblieben sind und bewusst nicht jedem Trend gefolgt sind. Ein Blick in mein Kochbuch von vor 15 Jahren zeigt, dass meine kulinarische Handschrift nach wie vor klar erkennbar ist. Auch die gastronomische Landschaft auf Sylt hat sich gewandelt: Während es 2001 vor allem viele High-End-Restaurants und einfache Angebote gab, jedoch wenig dazwischen, ist die Vielfalt in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Zahlreiche großartige Restaurants, kreative Kolleginnen und Kollegen sowie spannende Konzepte sind hinzugekommen und machen Sylt nach wie vor zu einer hervorragenden Destination für Genießer.

Landhaus Stricker - Falstaff PROFI
Den Michelin-Stern trägt das »Relais & Châteaux Landhaus Stricker« seit 24 Jahren. | © Ydo Sol

Spannend ist auch das Küchenkonzept im legeren »Siebzehn84«: 100 Prozent Rohprodukte aus Schleswig-Holstein – eine bewusste Antithese zum Luxusimage der Insel?

Das ist in erster Linie Ausdruck unserer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie und weniger als bewusste Antithese zu verstehen. Wir arbeiten nahezu plastikfrei, sind mit
76 Prozent »GreenSign«zertifiziert und stehen im engen Austausch mit unseren Lieferanten, um auch dort nachhaltigere Lösungen voranzutreiben. Die Fokussierung auf nahezu 100 Prozent Rohprodukte aus Schleswig-Holstein ergibt sich daraus ganz natürlich, auch inspiriert und vorangetrieben von unserem Küchenchef Denis Brühl. Gleichzeitig bedeutet Regionalität für uns keineswegs Verzicht auf Luxus. Schleswig-Holstein bietet eine Produktvielfalt auf höchstem Niveau, die sich nicht verstecken muss. Und mit der Nordsee direkt vor der Tür liegt es nahe, auf Fisch zurückzugreifen, der nicht erst um die halbe Welt transportiert werden muss.

Die aktuelle Erweiterung um vier Appartements (»Landhaus Stricker Living«) eröffnet ein neues Kapitel. Welche Überlegung stand hinter der Verbindung von »Privacy« und den Annehmlichkeiten eines Hotels?

Das hat sich ehrlich gesagt zufällig ergeben. Auf dem Grundstück neben dem Landhaus Stricker wurde das Neubauprojekt bestätigt und wir hatten schon lange Anfragen von
Gästen zu eigenen Appartements. Da haben wir die
Chance ergriffen, auf diese Nachfrage einzugehen und das Appartement-Erlebnis mit Hotelservice aufzuwerten.

Info: landhaus-sticker.com

 

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