Wienerwald-Torfhaus-c-Sven-Schom

© Sven Schomburg Fotografie

Adieu, Schnitzel? »Wienerwald« ist pleite

Die berühmte Hendl-Kette kann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und steht in Österreich vor dem endgültigen Aus. Aus der »Wienerwald«-Geschichte lassen sich Lehren für die Systemgastronomie ziehen.

von Brigitte Radl
06. August 2025

Es ist offiziell: Am 5. August 2025 wurde über das Handelsgericht Wien laut dem Gläubigerschutzverband KSV1870 ein Insolvenzverfahren gegen die »Wienerwald Restaurants GmbH« eröffnet  – auf Antrag eines Gläubigers. Das Unternehmen kann seinen laufenden Zahlungs­pflichten nicht mehr nachkommen. Auch der Eigentümer, die Düsseldorfer Investmentgesellschaft »Altacon«, bestätigt: Ein gerichtlicher Ausgleich ist unvermeidlich. Von der Insolvenz sind 360 Gläubiger und 425 Mitarbeitende in Österreich betroffen. 

Vorerst ist keine Schließung der 23 österreichischen Filialen vorgesehen. Der Ausgleich soll durch den Verkauf eines Grundstücks finanziert werden, außerdem wollen die Eigentümer mit Investoren über frisches Kapital verhandeln. Für die Branche bedeutet das: Eine bekannte Gastro-Marke verschwindet, und es bleiben wichtige Lehren – insbesondere für Franchisemodelle und systemgastronomische Konzepte.

Vom Weltkonzern in die Insolvenz

In Wirtschaftswunderzeiten wuchs das 1955 von Friedrich Jahn gegründete Hendl-Imperium »Wienerwald« zum Weltkonzern mit 1.600 Filialen rund um den Globus. Der Slogan war legendär: »Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald.« Doch jetzt ist es wohl endgültig vorbei: Wechselnde Eigentümer, ständig neue strategische Konzepte und wiederholte Insolvenzen in den Jahren 2002, 2003 und 2007 führten zum Rückzug auf wenige Standorte, zuletzt nur noch in Wien. Nun steht die Kette vor dem endgültigen Aus. 

Der Grundstein für das »Wienerwald«-Imperium wurde Anfang der 1950er-Jahre gelegt: Der 1923 in Linz geborene Friedrich Jahn eröffnete in München das «Linzer Stüberl«, das später zum ersten »Wienerwald«-Restaurant wurde. Mit gegrillten und gebackenen Hendln traf er den Geschmack der Nachkriegsgesellschaft. Im Zuge des aufkommenden Wirtschaftswunders expandierte Jahn rasant: Mitte der 1960er besaß er bereits 174 Lokale mit 4.200 Mitarbeitenden.

© Bundesarchiv, B 145 Bild-F079050-0025 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

Ende der 1970er-Jahre betrieb »Wienerwald« weltweit 551 Filialen in neun Ländern und versorgte täglich rund 300.000 Gäste – mit einem Bedarf von etwa 150.000 Hühnern täglich. Zusätzlich baute Jahn Beteiligungsgesellschaften und eine Franchise-Struktur auf. Doch Anfang der 1980er folgte der Absturz. Die Expansion in die USA – mit den Ketten »Lums« und »IHOP« – scheiterte. Auch in Europa überdehnte sich Jahn finanziell, unter anderem mit »Jahn-Reisen« und der »Tourotel-Gruppe«. Der Schuldenberg wuchs auf rund zwei Milliarden US-Dollar. 1982 musste Jahn Insolvenz anmelden, die Banken übernahmen das Ruder.

1986 wurde die »Wienerwald-Holding« an die Münchner Unternehmerin Renate Henne-Thyssen verkauft – für 140 Mio. Schilling. Jahn kehrte als Außendienstleiter zurück. Kurze Zeit später übernahm er die deutsche »Wienerwald-Gruppe« zurück, während die österreichischen Standorte an die Wiener Holding-Tochter »Wigast« gingen. In den 1990ern übernahm die »Bank Austria« das Unternehmen, später das »Verkehrsbüro«. 2001 wurde »Wienerwald« von der Düsseldorfer Investorengruppe »Altacon« übernommen. Die Raststättenmarke ging an die italienische »Autogrill-Gruppe«.

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