Christian Bär © Alpenhof Murnau

Christian Bär © Alpenhof Murnau

Christian Bär: »Wir werden wohl wieder kleinere Brote backen müssen«

Der Hotelier und Bezirksvorsitzende für Oberbayern des DeHoGa Bayern über Greenwashing, regionale Verwurzelung sowie die Herausforderungen, die das Jahr 2024 mit sich bringt.

von Julia Weninger
08. Februar 2024

Der Bezirk Oberbayern thront mit 4.100 Betrieben als unangefochtener Riese im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DeHoGa. Diese Region, die auch die dynamische Metropole und Landeshauptstadt München einschließt, spielt gemeinsam mit Baden-Württemberg in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle sowohl für führende Unternehmen als auch für kleinere Mitgliedsbetriebe.

Christian Bär, gebürtiger Murnauer, leitet den »Alpenhof Murnau« seit knapp über zehn Jahren zusammen mit seiner Frau Elke. Seit 2022 ist er zudem Bezirksvorsitzender für Oberbayern des DeHoGa Bayern und setzt sich in der Rolle besonders für die Entwicklung des Tourismus in seiner Region ein.

PROFI: Können Sie uns einen Einblick in die Entwicklung des »Alpenhofs Murnau« geben und wie sich das Resort in den letzten zehn Jahren unter Ihrer Leitung verändert hat?

Bär: Als ich vor zehn Jahren hier zunächst als Geschäftsführer startete, gab es einen immensen Investitionsstau. Gemeinsam mit der Eigentümerfamilie haben wir einen konsequenten 7-Jahresplan geschmiedet und bis 2020 auch zu 90 Prozent umgesetzt. Renoviert wurden die Küche, die Hotelhalle, die Bar, das Außenschwimmbad und nahezu alle Zimmerausstattungen. Neu entstanden sind inzwischen 15 neue Zimmer, ein Panoramarestaurant, das Almsaunadorf, zwei urige Almhütten und eine attraktive Resort-Gartenlandschaft. Nahezu das gesamte Hotel wurde teilrenoviert, modernisiert und verjüngt. Als im Jahr 2017 absehbar war, dass sich das Unternehmen aus der Krise heraus positiv entwickeln würde, habe ich der Eigentümerfamilie im Jahr 2016 ein Kaufangebot für die Betreibergesellschaft und ein langjähriges Pachtangebot gemacht, welche 2017 schließlich in die Tat umgesetzt wurden. Seither entwickeln wir die Marke »Alpenhof Murnau« kontinuierlich weiter und befinden uns weiterhin im Aufwind. Im 101Beste Hotels Deutschland Ranking stehen wir auf Platz 4 der Hideaways.

Die Vision »Alpenhof 2030« steht im Fokus. Könnten Sie uns mehr darüber erzählen und welche neuen Wege Sie hier einschlagen möchten?

Wir entwickeln das Hotel aufgrund der Lage am größten Hochmoor Europas, dem Murnauer Moos, unter den beiden großen Richtlinien der Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit weiter. Sowohl für Gäste als auch für Mitarbeiter soll präsent sein, dass wir an einem der schönsten Flecken der Erde Urlauben bzw. Arbeiten dürfen. All das geht nur, wenn wir die Natur nachhaltig in unser Tun berücksichtigen und sorgsam mit ihr umgehen, sie aber auch als Kraftgeber in unserer Mitte platzieren.

Als Bezirksvorsitzender für Oberbayern des DeHoGa Bayern tragen Sie eine wichtige Rolle in der Region. Wie beeinflusst diese Position Ihre Arbeit im »Alpenhof Murnau« und welche Synergien ergeben sich daraus?

Eigentlich war die Übernahmen der Position des Bezirksvorsitzenden kein Ziel, sondern eine Folge der Verantwortung meiner Kritik an manchen Systemen. Wer kritisiert muss auch Lösungen schaffen. Es macht unglaublich Spaß, gemeinsam mit den Verbandskollegen des BHG (Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes) neue Lösungen für touristische Betriebe zu entwickeln und Visionen dort zu platzieren, wo sie anderen helfen können. Der Job macht nicht nur Spaß sondern ist eine Herzensangelegenheit. Man kann sich dort einbringen, wo Veränderung gefragt ist.

Sie liegen inmitten des Blauen Lands, direkt am Naturschutzgebiet Murnauer Moos. Wie integrieren Sie Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein in den Betrieb des Resorts?

Inspiriert von der ehemaligen ÖHV-Präsidentin und Freundin Michaela Reitterer, die uns ein Jahr im Nachhaltigkeitsprozess begleitet hat, ist nachhaltiges Handeln zur DNA des Betriebes geworden. Sie hat uns nicht nur nahegebracht, wie »Nachhaltiges Handeln« im Hotel überhaupt zu verstehen ist, sondern hat uns auch die Notwendigkeit bei einem Betrieb in unserer Lage nahegebracht. Egal was wir machen, wir fragen seither bei jeder Entscheidung, ob sie nach unseren nachhaltigen Grundsätzen vertretbar ist. Wir haben nur die eine Natur, und auf die müssen wir alle gemeinsam achtgeben.

Wie stellen Sie sicher, dass diese Bemühungen nicht als »Greenwashing« wahrgenommen werden?

Gar nicht. Wenn wir aus Überzeugung im Team etwas entscheiden, was ein anderer ohne Hintergrundinformationen anders beurteilt, können wir nichts machen. Ausschlaggebend ist allein die authentische interne Diskussion. Wenn die stimmt, ist Greenwashing kein Thema.

Mit der »Roots Bar« präsentieren Sie ein neues Konzept. Welche Elemente zeichnen dieses aus und wie spiegelt es die regionale Verwurzelung wider?

Das »Roots«-Logo wurde durch unseren extrem engagierten Barchef Manuel gemeinsam mit der Hotelleitung entwickelt und hat seine eigene Geschichte. Man könnte sicherlich ein Buch über alle Hintergründe schreiben. Die »Roots Bar« zeigt einmal mehr das Bodenständige, die Verbundenheit mit der Natur und wie wichtig Wurzeln im übertragenen sind. Ich muss nicht viel sagen, aber wer in der »Roots Bar« einen Cocktail gemixt bekommt wird es spüren. Und das Spüren ist als Gefühl die Essenz einer Bar. Probieren Sie es aus!

Mit Blick auf 2024: Welche Entwicklungen und Trends in der Hotellerie erwarten Sie, und wie plant der »Alpenhof Murnau«, sich darauf einzustellen?

Mehr denn je spielt die wirtschaftliche Situation in Deutschland eine Rolle. Mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Speisen, dem Wegfall der Strompreisbremse und zahlreichen anderen Kostenerhöhungen steigen unsere Preise so stark, dass wir viele Gäste verlieren werden. Wir müssen geschickt versuchen einen Weg zu finden bis sich das alles hoffentlich wieder umdreht. Im Moment wird es für alle enger und das bedeutet, dass wir nicht mehr investieren, können.

Wie reagiert Ihr Resort auf die steigende Bedeutung digitaler Technologien in der Hotellerie? Welche Innovationen oder Technologien haben Sie eingeführt, um den Gästen ein modernes und komfortables Erlebnis zu bieten? 

Wir haben dieses Jahr nicht nur ein neues Kassenssystem sondern auch ein cloudbasiertes Hotelreservierungssystem angeschafft. Die Gäste erwarten moderne Technik und wir wollen ganz vorne mit dabei sein. Die Trends werden aber kurzfristiger, wenn ich zum Beispiel an ein Fernsehangebot im Zimmer denke. Bald werden wir nur mehr Netflix und Co. haben, aber dafür fehlt dann wieder die Bandbreite. Ein ewiger Kreislauf also. Wir sind aber gut dabei, denke ich und wollen dabei auch nicht zu technisch für die Gäste werden.

Mit welchen Problemstellungen haben Hotellerie und Gastronomie Ihrer Meinung nach heuer besonders zu kämpfen? Und wo sehen Sie Lösungsansätze?

In erster Linie mit den starken Kostensteigerungen  in allen Segmenten, insbesondere der Energie, aber auch mit der Erhöhung der Preise aufgrund der Mehrwertsteuer auf Speisen, die sich beim Kunden nicht immer durchsetzen lassen. Die Rezession führt bei vielen Menschen dazu weniger Urlaub zu machen und das wird sich in der Hotellerie flächendeckend niederschlagen. Ich glaube auch, dass das nicht alle Betriebe überleben werden. Wir werden wohl wieder kleinere Brote backen müssen.

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