Kalligraphie in Grossraming: Der fernöstliche Rahmen schlug die Brücke vom Ennstal zur asiatischen Teekultur.
© Roland Graf
Eisen- statt Seidenstraße: Restaurant »Rau« pflanzte Österreichs ersten Tee-Garten
Der ungewöhnliche Name »Hinter der Küch« verweist auf den Mann hinter der Pionier-Tat: Spitzenkoch Klemens Gold vom »Rau« in Großraming erweiterte die Landwirtschaft in OÖ – um den ersten Tee-Garten des Landes.
von Roland Graf
01. April 2025
Selbst der Himmel begünstigte den Aufbruch im Ennstal: Zwischen Nieselregen und Graupelschauer kam der einzige Sonnenstrahl just heraus, als Klemens Gold die Kiste mit den Tee-Pflanzen holte. Das Alpenvorland mag zwar eine ungewöhnliche Gegend für einen Teegarten sein, ein Einzelfall ist sie in Europas längst nicht mehr. »Es gibt rund 30 Teeproduzenten, wobei es meist einzelne Unternehmen sind«. Der Spitzenkoch aus dem »Rau« will gerade das ändern. Erste Partner unter den lokalen Landwirten hat er bereits gefunden.

Tee als Tourismus-Motor?
Denn der knappe Hektar, den Gold bepflanzt, soll nur ein Anfang sein. »Am Ende könnte auch eine eigene Tourismusattraktion entstehen, die unseren Weg des Sanften Tourismus fortsetzt«. Denn vieles spräche für den Neuzugang Camelia sinensis in Großraming. »Die Kalkalpen speichern Wasser wie ein Schwamm«, so der Gastronom, der damit auch die Wasserversorgung der Teegärten gewährleisten will. Nebel gehöre zu den Voraussetzungen für das Gedeihen, nur Staunässe gefällt den Pflanzen nicht. Die größte Frage hat man bereits in Deutschland geklärt: »Ja, die Tee-Sträucher sind frosthart«. Seit 26 Jahren kultiviert sie Wolfgang Bucher in Odenthal bei Köln. Drei dieser aus Taiwan stammenden Pflanzen zeigen vor dem »Rau«, wo die Reise hingeht.
Gleich zwei Rieden hat sich Gold auserkoren, hinter dem Musikerheim des MV Pechgraben wird gemeinsam die Ried Waldbühne bepflanzt, originell ist der zweite Bereich: »Hinter der Küch« hat Gold diese steile Lage benannt. »Was näher beim Wald liegt, wird mit Gyokuro bepflanzt, dahinter folgt dann Matcha, im Flacheren wird es Oolong werden«.

Oolongs für das Ennstal
Letzterer hat die ungewöhnliche Tee-Liebe Golds ausgelöst. Denn mit zwei Kultivaren, wie die Züchter ihre »Sorten« nennen, wurde Schramls alkoholarmes Getränk Kombuchont kreiert. Florian Renner (»Yun Tea«) liefert dafür die Tees aus Taiwan. Er ließ sie auch als kalt gebrühte Varianten verkosten.
Parallel dazu gab es eine chinesische Tee-Zeremonie sowie die spannende Verkostung von wilden Tees durch Charles Du. Den fernöstlichen Rahmen komplettierte Zhang Chun Fa, der nicht nur als Kalligraph brillierte. Mit der Bambusflöte und Gesang schlug er den Kontrapunkt zur lokalen Blasmusik an.
Tee-Blatt-Archiv und Cocktails
Geplant ist in Zukunft auch ein Tee-Archiv in der »Kombuchont«-Kellerei, ließ Renner gegenüber FALSTAFF Profi durchblicken. Die Ernte aus Großraming soll dann auch gelagert werden. So werden die geschmacklichen Veränderungen über die Zeit zur Basis neuer Kreationen.
Denn Aufbrühen ist nicht die einzige Einsatzmöglichkeit, wie Andreas Mühlböck von der Destillerie Reisetbauer den Gästen des Pflanzfests demonstrierte: Aus Tee-Sirup, naturtrübem Apfelsaft und Axberg-Wodka mixte er den Aperitiv, mit dem die Helfer die Neuzugänge »eingossen«. Und auf die Tee-grüne Zukunft des »Rau« anstoßen.

Lesenswert
Bevor der erste Gast sitzt, sind bereits Hunderttausende Euro investiert: Allein Equipment und Weinkeller schlagen mit rund 250.000 Euro zu Buche.
© unsplash.com/Igor Rand
Restaurant-Kalkulation im Detail: PROFI weiß, was die Sterne-Küche kostet
Fine Dining ist ein teures Vergnügen – für Gäste wie Gastgeber. Ein deutsches, junges Sternerestaurant ließ PROFI in seine Zahlen schauen, möchte aber anonym bleiben. Auch so wird transparent, was Spitzenleistungen kosten.
Der Bau des »Elfercoaster« wurde überwiegend mit regionalen Partnern aus dem Stubaital und der näheren Umgebung realisiert.
© Elferbahnen / Oss
Stubaital setzt auf Erlebnistourismus: Der »Elfercoaster« ist eröffnet
An der Bergstation Elfer in Neustift im Stubaital wurde eine der modernsten Schienenrodelbahnen Tirols eröffnet. Der »Elfercoaster« soll die Aufenthaltsdauer erhöhen und neue Gäste ins Tal bringen.
Glaziologin Andrea Fischer und Universitätsprofessor Ralf Roth sind Teil vom Advisory Board des »AlpenKlimaGipfels«.
© Tiroler Zugspitz Arena/Jan Hetfleisch
Der Alpenraum im Wandel: Vier Erkenntnisse für die Tourismus-Branche
Rund 40 Experten diskutierten beim 3. »AlpenKlimaGipfel« an der Zugspitze zwei Tage lang über die Zukunft des Alpenraums. PROFI hat die wichtigsten Erkenntnisse für die Tourismus- und Hotelleriebranche.
Zahlreiche Gäste, ausgelassene Stimmung: das war das »Falstaff Grüner Veltliner Festival 2026«.
© Jan Tiam Dorfer
Auftakt in den Sommer: Das war das Falstaff »Grüner Veltliner Festival 2026«
Beim Falstaff »Grüner Veltliner Festival 2026« im Wiener MuseumsQuartier wurden die Sieger des neuen Weinguides sowie des Heurigen- und Buschenschanken Guides 2026 gekürt. PROFI war dabei – das sind die Top Betriebe aus Österreich!
Landeshauptmann Anton Mattle (li.) und LTH-Geschäftsführer Martin Reiter bedanken sich bei TW-Geschäftsführerin Karin Seiler für ihr Engagement.
© Tiroler Zugspitz Arena / Hetfleisch
Spannung in Tirol: Wer folgt Karin Sailer als Tourismuschef?
Nach vier Jahren an der Spitze der »Tirol Werbung« wird Karin Seiler ihre Funktion nicht verlängern. Die Geschäftsführerin tritt bei der anstehenden Ausschreibung nicht mehr an und will 2027 in die Privatwirtschaft wechseln. Ihre Nachfolge ist offen.
Knackige Kruste: Rubs funktionieren auch bei Gemüse – hier Selleriesteak – bestens.
© Wiberg/Mona Lorenz
BBQ-Königsdisziplin Brisket: So würzen Sie richtig!
Der BBQ-Klassiker erfordert anderes Würzen als ein schnell gegrilltes Steak. Wenn Sie den Unterschied beachten, gelingt nicht nur die perfekte Kruste. Sie sparen auch Zeit mit der idealen Gewürzmischung!
Meist gelesen
Der Clou dieses Gerichts: die grüne Würzpaste »Epis«. Auf Haiti hat jeder »Chef« seine eigene Version davon.
© NICO SCHINCO
Würzige Haiti-Küche: Rawlston Williams’ Rezept für Tasso de Bœuf
Die haitianische Küche ist bekannt für intensive Gewürze und aromatische Marinaden. Rawlston Williams verbindet in seinem Tasso de Bœuf Kräuter, Chili und Bitterorange zu einem kräftigen Gericht. Ihre Gäste werden überrascht sein!
Kunst am Teller – geschmacklich wie optisch: das »verrückte Kalb« von Spitzenkoch Massimo Bottura.
© Lena Staal / STAAL & JOHS
»Verrücktes Kalb«: Massimo Botturas Rinderfilet in Gemüseasche
Ein außergewöhnliches Kalbsgericht, das Kreativität und Technik vereint – und auch noch besonders schön anzusehen ist. Die perfekte Begleitung: ein Wein, der nach reifen, roten Beeren und zarter Lederwürze schmeckt.
Kamado mag Kalb: Die Hitze im Keramikgriller belässt die Saftigkeit.
© Christian Maislinger/Transgourmet
Experten-Tipps: So erkennen Sie Fleischqualitäten, die Ihren Gästen munden
Grillen ganz ohne Fleisch? Kaum vorstellbar. Doch in der Gastronomie werden besondere Ansprüche ans saftige Steak gestellt. Vier Auskenner erklären, worauf Sie bei der Fleischauswahl achten sollten.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Michael Duscher, Geschäftsführer der »Niederösterreich Werbung«, präsentieren die neue Sommerkampagne »Reisen ohne Fernweh«.
© Gerhard Pfeffer
Coolcation und kein Flugärger: Das ist die NÖ-Sommerkampagne für Hotels
Die »Niederösterreich Werbung« setzt im Sommer 2026 auf Urlaub ohne weite Anreise. Die neue Kampagne »Reisen ohne Fernweh« soll kurzfristig zusätzliche Nachfrage generieren und stärkt damit auch Hotels und Gastronomiebetriebe im Bundesland.
Mit indischem Einschlag: Pholourie sind ein Streetfood-Klassiker in Trinidad & Tobago.
© NICO SCHINCO
Karibik-Rezept aus Trinidad: So gelingen knusprige Pholourie
Die karibische Küche lebt von Gewürzen, Kräutern und kräftigen Aromen. Rawlston Williams zeigt mit seinen Pholourie aus Trinidad & Tobago, wie Sie aus einfachen Zutaten einen charakterstarken und hierzulande überraschenden Snack machen.
Frisch, saftig und leicht: Die Zitronen-Tarte ist ein typisches Dessert in der italienischen Emilia-Romagna.
© Lena Staal / STAAL & JOHS
Dessert-Hit von Massimo Bottura: Zitronen-Tarte mit Minzsauce
Der italienische »Rockstar des Fine Dining« zeigt, wie eine »Torta al Limone« auf Spitzenniveau gelingt: mit Zitronengras-Gelato, Minzsauce und fruchtigem Zabaione. Dazu empfiehlt Falstaff den bittersüßen italienischen Kultlikör Campari.
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

