Was unter Whisky-Sammlern lange als Nachteil galt, punktet heute bei Gästen unter 30 Jahren – Sanftheit und Zugänglichkeit.
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19. März 2026
Die Ebbe, könnte man ein Sprichwort abwandeln, senkt alle Boote. Die rückläufigen Konsumgewohnheiten bei Alkohol treffen die Spirituosen nämlich durch die Bank. Und dann gibt es noch eine Kategorie, die trotz 40 Volumenprozenten als gesetzlichem Minimum 2024 einen Rekord hinlegte. Noch nie, seit es darüber Statistiken gibt, hatte irischer Whiskey mehr exportiert! 145 Millionen Liter gingen von der »Grünen Insel« in die Welt hinaus. Und man reibt sich die Augen, wenn man einzelne Details aus dem Bericht der »Irish Whiskey Association« liest: 120 Prozent betrug das Plus seit 2022 in Indien, 124 Prozent in Japan. Doch man braucht nicht in die Ferne schweifen: 2025 trank Deutschland auch mehr Whiskey als Irland selbst! Mit 6,435 Millionen Litern hat die Bundesrepublik Platz vier unter den Freunden des Irish Whiskey erobert. Geht dieses Wachstum heuer so weiter, liegen beim Absatz dann nur mehr die USA und Großbritannien vor Deutschland. Wohlgemerkt in einer Zeit, in der Gin, Bier, aber auch Wein massive Rückgänge erleben! »Bei uns ist die Kategorie von 2024 auf 2025 um neun Prozent gewachsen«, bestätigt Andreas Osler auch aus österreichischer Sicht die Stärke der irischen Marken im Portfolio.

Die Vielfalt der Fässer
Sein Spirituosen-Handel »Weisshaus« liegt an der Grenze zwischen dem Tiroler Außerfern und dem Allgäu; früh setzte man auch auf Sonderabfüllungen, die nicht überall erhältlich sind. Denn aktuell gibt es viel zu entdecken: Lange gereifte Spirituosen aus den »dunklen Jahren«, in denen sich kaum jemand für irischen Whiskey interessierte (grob gesagt: 1961 bis 2011), ebenso wie rare Fassarten bei neuen Brennereien. Als »Glendalough« etwa den ersten Irish Whiskey in die japanische Wasser-Eiche Mizunara füllte, wurden auch hartnäckige Scotch-Fans hellhörig.
Spezialisten-Flaschen wie ein Midleton Very Rare im Fass aus irischer Eiche (»Dair Ghaelach«) oder der Moscatel-gereiften Lough Ree (»Elfeet Bay«)-Serie gibt es weiterhin. Doch schon im Einstiegssegment warten Whiskeys, die aus Guinness- oder India-Pale-Ale-Fässern stammen (Jamesons »Caskmates«-Reihe), auf experimentierfreudige Naturen. Das »Herrengedeck« dazu schenkt sich beinah schon von selbst ein! Und es hat Einkaufspreise, die mitunter bei der Hälfte des Mitbewerbs aus Schottland oder Kentucky liegen.

»Nur fünf Prozent unseres Whiskeys werden im Inland konsumiert – für Irlands Brennereien macht der Export das Spiel aus.«
DARREN MURPHY, Marketing Manager, Blacks Distilling
Preiswert für die Bars
Das dürfte angesichts der aktuell 50 bereits operativ tätigen Whiskey-Brennereien auch so bleiben. Denn der Wettbewerb ist hoch und der Export entscheidend: »Weniger als fünf Prozent der irischen Gesamtproduktion wird im Inland verkauft; der Export macht also das Spiel aus.« Darren Murphy war früher Geschäftsführer der Wiener Bier-Lokale »Charlie P.« und »Brickmakers«, heute arbeitet er als Sales Manager von »Blacks Brewing and Distilling« im berühmten Küstenort Kinsale. Der Gastronomie kommt das »wettbewerbsintensive Marktumfeld« (© Murphy) entgegen. Den Gästen scheint aber auch der Whiskey der Grünen Insel deutlich besser zu schmecken als andere. Nur: Warum ist das so?
Ein Erklärungsmodell liefert Dave Mulligan, der die auf irische Spirituosen spezialisierte Bar »1661« in Dublin führt: »Früher war es ein von Blends dominierter Markt. Da eine Reihe neuer Destillerien gerade das Zehn-Jahres-Alter erreichen, ist aber jetzt die spannendste Zeit, den irischen Whiskey zu verfolgen.« Die Vielfalt des irischen Whiskey-Outputs, in die praktisch alle namhaften Spirituosenkonzerne der Welt investiert haben, ist aber nur ein Aspekt. Viel wesentlicher sind Geschmacksprofile und Marktauftritt. Was unter Whisky-Sammlern lange als Nachteil galt, punktet nämlich heute bei Gästen unter 30 Jahren – Sanftheit und Zugänglichkeit.

Sanfter Liebling der »Gen Z«
Sie ist sogar gesetzlich verankert und wird auch von der klassischen dreifachen Destillation der Insel-Brenner unterstützt. Den Weg zum liebsten Whisky der »Generation Z« (= Geburtsjahrgänge ab 1997) ebnete zweifellos Jameson mit seinem Signature-Drink »Jameson & Ginger«. Der Highball mit Ingwer-Limonade und Limette begann seinen Siegeszug parallel zum Gin Tonic. Er ist ebenso einfach gemixt, bringt aber ein anderes Geschmacksprofil. Umgekehrt eignet sich der irische Whiskey nur bedingt für die klassischen Cocktails mit gereiften Getreidebränden: Für einen »Manhattan« oder »Old Fashioned« nimmt man ihn eher nicht.
Dafür allerdings hat der irische Whiskey aber nicht das Problem vieler Single Malts aus Schottland oder der durch Zölle verteuerten US-Whiskeys. Wenn es eine Schwäche gibt, dann liegt sie aus Herstellersicht darin, dass Irish Whiskey kaum in der preislichen Premium-Liga mitspielt. Für die Gastronomie ist das eine Idealsituation. »Da kann man den Gästen schon mal einen Probierschluck anbieten«, formuliert es Dominik Köhler aus der Berliner Bar »Green Door«. Mittlerweile hat man nicht nur dank der »zugänglichen Preise« viele Iren im Portfolio. »Wir legen einen Fokus auf europäische Spirituosen«, spricht Köhler auch einen weiteren Vorteil an – den problemlosen Import innerhalb der EU. Offenbar spricht derzeit einfach alles für Irish Whiskey.

Was Irish Whiskey auszeichnet
Whisky-Vorurteile (wie rauchig und schwer) bedient man in Irland generell nicht. Komplexität bietet der Whiskey mit »e« auf ganz eigene Weise.
Zugänglich
Die rechtliche Basis (»technical file«) des Irish Whiskey hält klar fest: Im Ideal muss er »seidige Geschmeidigkeit« aufweisen. Weiters sollten die Geschmackseigenschaften »tendenziell rund, weich und mild« sein.
Vielfältig
Anders als in Schottland sind alle Holzarten, nicht nur Eiche, für die Lagerfässer (max. 700 Liter Volumen) zulässig. Es gibt daher im Akazienfass gereiften Whiskey – etwa von »Teeling« oder »Bushmills« – ebenso wie solchen aus dem Kastanienfass (z. B. von »Method&Madness«).
Leicht
Standard – wenn auch nicht vorgeschrieben – ist die dreifache Destillation. Das Ergebnis wird somit »leichter im Aroma, aber süßer im Geschmack«. Dazu kommt, dass der Löwenanteil der irischen Produktion Blends sind, die auch mildere Grain Whiskeys enthalten.
Cremig
Dafür ist der traditionelle Brennstil eines »Single Potstill« perfekt: Gemälzte und ungemälzte Gerste plus weitere Getreide (meist: Hafer) machen diesen einzigartigen Whiskey-Typ aus.
Mehr Infos
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