Einen Einstieg bieten: Die Academy im »Potstilll« baut Brücken zum Whisky (und Vorurteile ab).
© Roland Graf
Whisky kann die Generation Z begeistern: Die Tipps des legendären »Potstill« dazu
Spirituosen haben einen schweren Stand beim Publikum, Whisky ganz besonders. Dieser landläufigen Meinung widerspricht die Entwicklung beim Wiener Fachhändler »Potstill«. Dort holt man »die Jungen« allerdings auch ganz gezielt ab.
von Roland Graf
10. Dezember 2025
33 Jahre sind eine lange Zeit. Und es sammelt sich eine entsprechende Expertise an. »Unsere Verkostungsabende sind wirklich gut besucht«, hat man im Wiener »Potstill« daher auch eine andere Sicht auf das Thema Whisky. Von »unverkäuflich für die Generation Z« ist in der Währinger Straße keine Rede. Im Gegenteil! Während vielerorts beklagt wird, dass die Zielgruppe zwischen 20 und 30 Jahren keine Spirituosen genießt, hat man im Whisky-Fachgeschäft eine andere Erfahrung. »Jüngere Kunden lieben es, sich durch die Destillerien zu verkosten«, sagt dazu Herbert Traxler.
Academy für Einsteiger gegründet
Bester Beweis ist die im Frühjahr dieses Jahres ins Leben gerufene Verkostungsreihe für Einsteiger. Sie wollte Whisky-Mythen rund um ein Altherren-Getränk mit starren Regeln durch neue Abfüllungen korrigieren. »Aus den geplanten vier Abenden der Whisky Academy sind elf geworden – und die sind wirklich gut besucht«, weiß man im »Potstill« zu berichten. Fast stets sind die 40 Verkostplätze bzw. Tickets schnell ausverkauft. Generell kann man beim 1992 von Mario Prinz gegründeten Fachhändler auch keine Investitionsmüdigkeit der Kunden feststellen. Der erst heuer eingerichtete »Tresor«, in dem sich Raritäten (wie die bei 1.250 Euro/Flasche startende »House of Hazelwood«-Kollektion) befinden, kommt bestens an.
Rückläufig seien allenfalls jene Abfüllungen, die es überall zu kaufen gibt. Dafür sieht Traxler auch eine höhere Nachfrage aus der Gastronomie, »immer mehr Bars und Hotels wollen nicht Whisky verwenden, den alle haben«. So kann man sich auch mit den Cocktails »von der Bar nebenan unterscheiden«. Denn Auswahl gäbe es aktuell genug. Und mit kleineren Brennereien ließe sich auch die Sehnsucht nach Geschichten und Hintergrund-Infos leichter erfüllen: »Es ist sympathischer, bei der Kaufberatung den Vornamen des Destillerie-Besitzers erwähnen zu können«.

Hohe Nachfrage schon für 2026
Vor allem jüngere Kunden lieben es, »sich durch die Destillerien zu verkosten«. Einem Newcomer sei es egal, ob eine Abfüllung aus 1985 vielleicht noch cremiger, vanilliger oder rauchiger war, sieht Traxler auch einen Generationswandel. »Wir haben immer wieder selbsternannte ›Whiskypäpste‹ im Shop, welche keine Ahnung von Lochlea, Annandale oder Clydeside haben«, bringt er das konkrete Beispiel neuer Destillerien. Entsprechend macht man im »Potstill« auch Gastronomen Mut, sich die neue Vielfalt neuer Brennereien anzusehen: »Jeder, der in die Whiskywelt eintauchen möchte und offen für Neues ist, ist willkommen«.
Auch für 2026 hat man bereits Termine organisiert (Übersicht unter: https://www.potstill.org/infos/termine). Und auch da, so Traxler, »sind bereits einige Tastings wieder ausgebucht«. Eine Whisky-Krise hört sich in der Tat anders an!
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