Kleinteilig und doch mit der größten Bio-Fläche: Den Status quo der Domäne Wachau stellten Lukas Weitschacher und Roman Horvath (re.) vor.
© Roland Graf
Klima-fit in die Zukunft: Die 20 Jahres-Bilanz der »Domäne Wachau«
Den Hautgout des genossenschaftlichen Weinbaus hat die „Domäne Wachau“ hinter sich gelassen. Heute warten andere Herausforderungen in Österreichs Parade-Weißwein-Region, so das seit zwei Jahrzehnten verantwortliche Management-Duo.
von Roland Graf
11. April 2025
Ein symbolischer Schluck Wein der »Domäne Wachau« leitete die Bilanz der letzte zwei Jahrzehnte ein: Der Jahrgang 2005, aus dem der Riesling Smaragd »Achleiten« stammte, war der erste, den Kellermeister Heinz Frischengruber in Dürnstein verantwortete. Gemeinsam mit Weingutsleiter Roman Horvath, MW wurde das Leitungsduo 2024 zu FALSTAFF-»Winzern des Jahres« 2024. Frischengruber fehlte zwar gesundheitsbedingt bei der kleinen Jubiläumsrückschau in der »Cucina Itameshi« in Wien, doch seine Handschrift ließ sich in den gereichten Weinen verfolgen. Sie hat sich im Lauf der Jahre geändert. Denn statt dem Titel »Genossenschaft neu gedacht« zu tragen, hätte der Vormittag auch »Angekommen!« heißen können.
Österreichs größte Bio-Weingartenfläche
»Das traditionelle Handwerk war stets vorhanden, es musste nur in die moderne Zeit geführt werden«, so Horvath. Die veränderte Weingartenarbeit im Klimawandel ist dabei ein Hauptthema. Von der ganzjährigen Begrünung im Weingarten – einem von der BOKU begleiteten Projekt – über ein Bonussystem für Trauben, das auch auf kargere Standorte Rücksicht nimmt, reichen die Maßnahmen. Sie alle werden von 200 Weinhauer:innen getragen, die als Eigentümer der Genossenschaft 2.500 einzelne Parzellen bewirtschaften. Die großen Dimensionen gehören zur »Domäne Wachau«: Mit 160 Hektar in biologischer Bewirtschaftung stellt man mit Abstand die größte Bio-Fläche aller österreichischen Betriebe dar.
Allerdings besteht Roman Horvath darauf, von »Weinhauer:innen« zu sprechen. Denn es sind im Schnitt nur zwei Hektar pro Familie, was weiterhin auch Weinbau im Nebenerwerb ermögliche. »Das traditionelle Bild einer Winzergenossenschaft – riesengroß, im Weingarten macht jeder, was er will, und die Trauben werden bloß »geliefert« – hält sich noch hartnäckig«. Doch mittlerweile habe man den Beweis angetreten, dass es auch anders geht. Die 20 Jahre unter dem aktuellen Management hätten auch zu einem neuen Qualitätsdenken geführt, nicht erst in den Flaschen, sondern auch beim regenerativen Weinbau.
Als Beispiel kamen zwei Smaragde aus dem »Spitzer Graben« auf den Tisch. Sie sind in ihrer kühlen und straffen Art – vor allem die »Ried Schön« zeigte sich so – für eine neue Sommelier-Generation echte Lieblinge. Und sie führten auch zu einem Dauerbrenner-Thema in Österreichs bekanntestem Weinbaugebiet.

Bekenntnis zu Smaragd und Co.
Was die zuletzt von Winzern wie Franz-Josef Gritsch oder Lucas Pichler verlassene »Vinea Wachau« und die Drei-Teilung Steinfeder/Federspiel/Smaragd betrifft, hat man eine differenzierte Meinung. »Auch ein Smaragd mit 12,5% vol. ist möglich«, verweist Horvath etwa auf die Genossenschaft-Füllung »Ried Schön« aus dem Spitzer Graben. Er verstehe Winzer, die stattdessen aber die Gebietsbezeichnungen des DAC-Systems für ihre Weine bevorzugen. »Ich kann aber auch alle verstehen, die sagen »Das ist ein gelerntes System«, spricht für die Genossenschaft nicht gegen die Beibehaltung der »Vinea«-Nomenklatur.
»Wir sprechen eher von Weinstilen«, sieht man durch die fließenden Übergänge (»mit 12,5% vol. kann ich ein Federspiel oder einen Smaragd erzeugen«) sogar Flexibilität. Auch wenn die Bilanz viel Rückblicke enthielt, schaut man auf Basis der Neuaufstellung klar in die Zukunft. Das zeigte auch Horvaths Fazit: »Wir wollen nicht in der Sonderklasse Genossenschaft die besten sein, sondern eines der besten Weingüter Österreich sein«.
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