Thomas Reisenzahn ist in der Geschäftsführung der Prodinger Tourismusberatung.
© Prodinger Tourismusberatung
Wie man diese acht Fehler bei der Betriebsübergabe im Tourismus vermeidet
Die Übergabe eines touristischen Familienbetriebs von einer Generation zur nächsten war schon immer eine heikle Angelegenheit. Corona und Inflationskosten haben dies in jüngster Zeit nicht gerade einfacher gemacht. Es gilt daher, Fehler schon im Vorfeld möglichst zu vermeiden, wozu Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung Tipps gibt.
von Thomas Reisenzahn & Alexandra Embacher
02. Juli 2023
In der Regel übernimmt der/die Nachfolger:in das Ruder nicht vor dem 30. bis 35. Lebensjahr, weil man zuvor die Ausbildung abschließen und genügend Erfahrungen sammeln sollte. Zu den häufigsten Übergabefehlern, die zum Scheitern des Nachfolgeprojektes führen können, gehören:
- Finanzierungsfehler,
- steuerliche Fehlentscheidungen,
- eine falsche Beurteilung rechtlicher Fragen und
- die Unterschätzung der psychologischen Komponente.
Eine frühzeitige Vorbereitung auf den Führungswechsel ist auf jeden Fall angebracht, um den Betrieb am Markt zu halten. Wer erfolgreich übertragen will, muss eine Reihe von Aufgaben bewältigen, die für beide Seiten eine große Herausforderung bedeuten. Hinzu kommt, dass die unternehmerischen Entwicklungspotenziale eine immer größere Rolle bei der Kreditvergabe spielen und Banken die Spielregeln aufgrund der Krise erneut angepasst haben. Umso wichtiger ist es, die Weichen im Betrieb in Richtung »Zukunftssicherung« zu stellen.
Die Übergabe touristischer Betriebe erfolgt überwiegend innerhalb der Familie an die nächste Generation. Durch eine strukturierte Planung und Wahrnehmung der Interessen aller Beteiligten werden Übergabe und Fortführung wesentlich erleichtert.
Wesentliche Fragen, die sich stellen
- Zeitpunkt der geplanten Übergabe (evtl. Pensions- oder Bilanzstichtag)?
- Rückzug zum Stichtag oder stufenweise Übergabe?
- Langfristige Altersversorgung / Eigenvorsorge / Versorgung der Ehegattin oder des Ehegatten?
- Lebensmittelpunkt der Zukunft / Wohnraum?
Suche und Auswahl geeigneter Personen für die Nachfolge
- innerhalb der Familie
- unter den Mitarbeiter:innen
- in der Branche
Mögliche Übergabeformen
- Verkauf (gesamter Kaufpreis auf einmal / Ratenzahlung)
- Versorgungsrente / Leibrente
- Verpachtung

© Prodinger Tourismusberatung
Aus Fehlern lernen
Die Betriebsnachfolge ist die wohl schwierigste Phase im Lebenszyklus eines Unternehmens. Bei Betriebsnachfolgen werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht. In der Regel geht es um Fragen, die es noch vor dem ersten Weg zur Steuerberatung, Anwält:in oder Notariat zu klären gilt. Thomas Reisenzahn fasst acht Fehler zusammen, die bei einer Betriebsübergabe vermieden werden sollen.
Fehler Nr.1: Konzeptloses Vorgehen verunsichert alle Beteiligten
- Ablauf und Zeitdauer einer Übergabe werden meist unterschätzt.
- Das Fehlen einer klaren Linie führt häufig zu einer Zerreißprobe.
Tipp: Eine Betriebsnachfolge sollte deshalb frühzeitig und sogfältig geplant und kontinuierlich umgesetzt werden.
Fehler Nr. 2: Keine offene Kommunikation und Unausgesprochenes
- Es wird oft zu wenig kommuniziert und keine offene Diskussion über die Zukunft geführt. Eine unzureichende Kommunikation wirkt sich nachteilig aus.
- Andere Erwartungen, Wünsche werden nicht offen ausgesprochen.
Tipp: Eine Familienklausur sollte einen genauen Übergabefahrplan mit Umsetzungsmaßnahmen und Zeitangaben festlegen. Die Niederschrift erfolgt in der Familienverfassung.
Das Ziel ist ein Klima der Offenheit, Sachlichkeit und gegenseitigen Wertschätzung. Folgende Punkte gehören offen angesprochen: Pläne zu Übergabe und Übernahme, Wirtschaftlichkeit, Erbteilung, Übergabezeitpunkt, Übertragungsmodalitäten, Ausscheiden der Geschwister oder die Mitarbeit und Altersversorgung der Eltern.
Fehler Nr. 3: Nicht weitergeben können
In der familiengeführten Hotelwelt geht es oft um
- Lebenswerke,
- Immobilie,
- Hotelbetrieb mit Gastfreundschaftstradition
- Herzblut.
Viele Übergeber:innen haben sich mental nicht ausreichend auf die Betriebsnachfolge vorbereitet und sich auch kein persönliches Ziel für den dritten Lebensabschnitt gesetzt.
Fehler Nr. 4: Es wird kein ausreichendes Einkommen erwirtschaftet
Eine finanzielle Schieflage in den ersten Jahren nach einer Betriebsnachfolge führt meistens zum Scheitern.
- Auszahlungen an Geschwister,
- Rentenverpflichtungen an die Eltern,
- Bankkredite oder
- zwingende Investitionen,
haben zur Folge, dass die Nachfolgenden ohne finanziellen Spielraum starten. Oft haben diese vielen Schulden und zu wenig Kapital. Der Betrieb muss deshalb für die Nachfolgenden attraktiv sein. Nicht zu vergessen ist der künftig notwendige Investitionsbedarf.
Tipp: Auch der Betrieb gehört auf die Übergabe vorbereitet. Die betriebswirtschaftliche Situation des Unternehmens analysieren.
Fehler Nr. 5: Der Betriebswert wird überschätzt
Ertragswert und Substanzwert des Betriebs werden häufig von den Übergebenden überschätzt.
Viele Betriebe lassen sich nicht teilen, und nur gesunde Betriebe können übergeben werden. Erbstreitereien sind überhaupt die größten »Betriebsvernichtungsmaschinen«.
Fehler Nr. 6: Keine klaren Gedanken über die Tätigkeiten nach dem Betriebsausstieg
Nach der Betriebsnachfolge braucht es klare Regelungen für die künftige Rolle von Eltern und ausscheidenden Geschwistern.
Tipp: Die private Nutzung betrieblicher Leistungen (Wohnung, Auto, Essen) und die gewünschte Mitarbeit der Übergebenden schriftlich regeln.
Fehler Nr. 7: Das Tagesgeschäft begleitet weiterhin den Alltag
Die häufigste Ursache des Scheiterns einer Betriebsnachfolge ist das zu späte Zurückziehen aus dem Tagesgeschäft. Nicht selten kritisieren die Übergebenden ihre Nachfolger oder greifen gar noch in die Unternehmensführung ein.
Fehler Nr. 8: Banken werden nicht informiert
Es ist kein Geheimnis, dass das Thema Nachfolgeregelung bei Ratingverfahren eine wichtige Rolle spielt. Banken machen die Kreditvergabe und ihre Kreditkonditionen auch davon abhängig, wie gut die Nachfolge geregelt ist.
Tipp: Das Nachfolgekonzept und den Nachfolgeprozess offen mit den Banken besprechen.
Ein Plan B sollte immer vorhanden sein
Sich die Frage stellen: Was passiert, wie möchte man vorgehen bzw. welche Maßnahmen will man ergreifen, sollte es zu keiner konkreten Einigung kommen? Alternativen: Fremdmanagement, Verpachtung, Betriebsführungsvertrag.
Lesenswert
Familienangelegenheit: Bei der Betriebsübergabe von einer Generation zur nächsten kommt es nicht selten zu Streit.
© canva.com
Modell der »Drei Gipfel«: So gelingt die Hotel-Übernahme in der Familie
Betriebsübergaben sind beides: eine formale Businesstransformation und hoch emotionale Angelegenheit. Doch der Generationenwechsel kann gelingen – vorausgesetzt, die richtigen Schritte werden gesetzt.
Investitionen: Während Hotel-Berater zur Größe tendieren, empfiehlt OeHT-Geschäftsführer Matthias Matzer »verdaubare Portionen«.
© David Sailer IMAGES 2025
Hotel-Übergabe in der Praxis: Eine Erfolgsgeschichte aus Salzburg
Die Übergabe von Hotels ist diffizil. Doch ohne sie stirbt die Branche. Wie es wirklich abläuft, erzählen Hotelier Thomas Maier von der »Habachklause« und die Österreichische Hotel- und Tourismusbank.
Hollywood-Star Ashton Kutcher sitzt künftig im Vorstand von Soho House – und soll Aufmerksamkeit und Kapitalgeber anziehen.
© Shutterstock | Everett Collection
Soho House für 2,7 Milliarden Dollar verkauft. Ashton Kutcher tritt Vorstand bei
Die Hotel- und Clubkette »Soho House & Co.« wurde von »MCR Hotels« übernommen – und wieder privatisiert. Im Geiste der legendären Clubs sind auch prominente Investoren an Bord. Aber: Verblasst die Exklusivität der Häuser?
Aufgrund der Orientierung auf Betriebe mit regionalem Speiseangebot wird der Zuschuss auch »Schnitzelprämie« genannt.
© Shutterstock
Wirtshausprämie 2025: Unterstützung für regionale Gastronomie in Niederösterreich wird fortgesetzt
Die Wirtshausprämie in Niederösterreich wird 2025 fortgesetzt, um regionale Gastronomiebetriebe mit finanziellen Anreizen zu fördern und deren Qualität zu steigern.
© Adrian Almasan/ i.A.v the first thought GmbH7
Genuss pur im »Richardhof«: Matthias Birnbach setzt neue Maßstäbe
Das im April umgestaltete Lokal in Gumpoldskirchen holt den Spitzenkoch ins Team. Der erfahrene Küchenchef soll für frischen Wind sorgen und das kulinarische Konzept mit seiner persönlichen Handschrift prägen.
Das neue HOTREC-Executive-Committee © HOTREC
HOTREC: Europas Gastgewerbe hat eine neue Führungsspitze gewählt
Der europäische Dachverband der Hotels, Restaurants, Bars und Cafés und ähnlicher Einrichtungen hat Alexandros Vassilikos als Präsident bestätigt. Neu ist hingegen der Vizepräsident und auch im Executive Comittee gibt es einige neue Gesichter.
Meist gelesen
Ausbildungsstart im Living Hotel.
© Foto beigestellt
Nachwuchs im Fokus: »Living Hotels« überzeugt mit Azubi-Hotel und intensivem Onboarding
Die »Living Hotels« setzen auf innovative Ausbildungskonzepte, um junge Talente für die Hotellerie zu begeistern. Mit dem Azubi-Hotel und einem umfassenden Onboarding-Programm schaffen sie nicht nur einzigartige Lernmöglichkeiten, sondern stärken auch das Teamgefühl und die Selbstständigkeit ihrer Auszubildenden.
Die Auszubildenden am Feldberger Hof kommen unter anderem aus Tadschikistan, Marokko, Thailand, Vietnam.
© Feldberger Hof
Erfolgreiche Personalstrategie im Hotelgewerbe: Wie der »Feldberger Hof« von ausländischen Fachkräften profitiert
Der Gastronomietrieb setzt auf internationale Talente und demonstriert wie dem Fachkräftemangel innerhalb der Branche entgegengewirkt werden kann.
Vivien Schulter spricht über Mitarbeiterbindung und was diese in der Hotellerie, Gastronomie und im Tourismus bewirken könnte.
© Rene Strasser
Erfolgsstrategien zur Mitarbeiter:innenbindung: Tipps für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus
Vivien Schulter im Interview: Die Expertin für Personalentwicklung und Motivation spricht über Mitarbeiterbindung in der Hotellerie, Gastronomie und im Tourismus. Sie gibt praktische Tipps zur Überwindung branchenspezifischer Herausforderungen, zur Schaffung einer positiven Arbeitskultur und zur Förderung beruflicher Entwicklung. Mitarbeiter langfristig binden und den Wettbewerbsvorteil steigern – das ist das Ziel!
Veggie-Kochlehre kommt nun fix. © Shutterstock
Vegan-vegetarische Kochlehre kommt 2025
Bereits ab Anfang 2025 startet in Österreich die Ausbildung zur »Fachkraft für vegetarische Kulinarik«.
Der Heurigenhof Bründlmayer.
© Studio Pilens
Einblick in die kulinarische Vision von Matthias Schütz im Heurigenhof »Bründlmayer«
Neue Wege im Heurigenhof Bründlmayer: Victoria und Martin Schierhuber im Gespräch über den neuen Küchenchef und ihre Zukunftsvisionen.
Der Sternekoch Gareth Ward.
© Helge Kirchberger Photography
Im »Hangar 7« treffen walisische Tradition auf japanische Perfektion
Gareth Ward, innovativer Sternekoch aus Wales liefert sich im »Hangar 7« ein kulinarisches Gastspiel.
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

