Paul Ivić (2.v.r.) war bereits zu Gast beim Gartensommer von »ARCHE NOAH« in Langenlois, nun hat er den offenen Brief an die EU unterzeichnet.
© Bernd Kajtna (ARCHE NOAH), Alwin Jurtschitsch
»Zukunft des Geschmacks in Gefahr«: 122 Spitzenköche kritisieren EU-Saatgutgesetz
Kurz vor dem Ende der Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht wächst der Widerstand aus der Gastronomie. 122 Küchenchefs und Gastronomen aus 19 Ländern warnen vor negativen Folgen für Vielfalt, Geschmack und Ernährungssicherheit.
von Brigitte Radl
08. Juni 2026
Mit einem offenen Brief an das Europäische Parlament sowie die Landwirtschaftsminister der EU haben sich zahlreiche renommierte Köche und Gastronomen in die laufende Debatte um das neue Saatgutrecht eingeschaltet. Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem Paul Ivić, Thomas Imbusch, Rebecca Clopath sowie Paul Kolarik. Die vollständige Liste finden Sie hier.
Die Initiative wurde von der österreichischen Organisation »ARCHE NOAH, Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt« begleitet. Anlass sind die laufenden Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Parlament, Kommission und Mitgliedstaaten, die am 15. Juni abgeschlossen werden sollen.
Sorge um Produktvielfalt und regionale Sorten
Im Zentrum der Kritik steht die Befürchtung, dass traditionelle und regionale Kulturpflanzen künftig stärker unter Druck geraten könnten. Die Unterzeichner argumentieren, dass kulinarische Vielfalt unmittelbar von einer breiten Saatgutbasis abhängt. Moderne Züchtungen seien häufig auf Ertrag, Haltbarkeit und Standardisierung ausgerichtet, während Geschmack und Nährwert in den Hintergrund rückten.
Die Köche fordern unter anderem das Recht für Landwirte, eigenes Saatgut anzubauen, auszutauschen und zu verkaufen. Zudem sprechen sie sich für eine stärkere Unterstützung kleiner Saatguterzeuger sowie für möglichst unbürokratische Rahmenbedingungen für Initiativen zum Erhalt traditioneller Sorten aus.
Relevanz für Gastronomie und Hotellerie
Für die Gastronomie ist die Debatte mehr als eine agrarpolitische Detailfrage. Gerade Betriebe, die auf Regionalität, Biodiversität und unverwechselbare Produktqualität setzen, sind auf eine möglichst große Vielfalt an Obst-, Gemüse- und Getreidesorten angewiesen. Die Unterzeichner warnen deshalb davor, dass jede verschwundene Sorte nicht nur ein Verlust für die Landwirtschaft sei, sondern auch für die kulinarische Identität Europas.
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