Acht Wundertüten für Single Malt-Fans – Diageos »Special Releases« 2024
Mit 30 schottischen Brennereien ist Spirituosen-Weltmarktführer Diageo auch beim Whisky ein Gigant. Die »Special Releases« stellen alljährliche Abfüllungen dar, bei denen die Phantasie freien Lauf hatte. Nun wurden die Neuzugänge vorgestellt.
Das Interesse an der neuen Kollektion war groß, »wir haben keine einzige Absage erhalten«, freute sich auch Florian Mittendorfer. Der Markenbotschafter von Diageo konnte im Palais Coburg die Crème de la Crème der Single Malt-Auskenner aus mehreren Bundesländern begrüßen. Die Wiener Whisky-Spezialisten Herbert Traxler (Potstill), Ludwig Köstler (Vinothek St. Stephan) und Eric Hirschenbrunner (Hirschenbrunner Spirits) traf man ebenso an wie Gerald Petö (Whisky Purbach), »Schuly« Schulhofer (Steirerpub, Graz) und Christian Seidl-Broschek (Rumzentrum, Baden). Eingestimmt mit Guinness und Happen vom Coburg-Team – »wir verkosten schließlich acht Fass-Stärken-Whiskys«– wurden sodann die Handys gezückt, um die neuen Verpackungen abzulichten.
Islay: Ohne Rauch geht’s auch
Denn wie immer ist auch die Aufmachung Teil der besonderen, von der Standard-Range der Brennereien abweichenden »Special Releases«. Da darf es schon einmal poppig in Zuckerstangen-Rot bei einem 21 Jahre alten Benrinnes werden. Oder das Lagerfeuer auf dem Lagavulin 12 years scheinbar wirklich zu glühen. Neugierig machte schon die erste Teilung der acht Single Malts in den Prunkräumen des Palais Coburg. Dem kenntnisreichen Publikum entging nicht, dass die Islay-Brennerei »Caol Ila« nicht ins zweite Quartett mit den rauchigen Whiskys gereiht wurde. Sondern neben betont fruchtig-sanften Abfüllungen wie »Singleton« zu stehen kam.
Doch die Reihenfolge der Verkostung hatte schon ihre Richtigkeit: »Der ohne Rauchmalz hergestellte »Caol Ila« – Whisky aus einer unserer wichtigsten Destillerien – ist auf jeden Fall etwas Seltenes«, so Florian Mitterndorfer. Zuletzt hatte man 2018 einen »unpeated« der Brennerei im Angebot. Doch ging es in früheren Jahren um rare Bestände, teils auch aus »lost distilleries« Schottlands, dürfen es nun aromatische Ausreisser aus dem breiten Diageo-Angebot sein. Für Sammler dieser limitierten Jahres-Reihe setzt nicht nur das Artwork, sondern auch die Experimentierfreude aus dem Vorjahr fort. Intern heißt die Serie daher auch »Spirited Xchange Second Edition«.
Schmirgel-Steine und Ramandolo
Neben dem ungewohnt Torfrauch-losen Caol Ila und dem Methusalem der 2024er – eben Benrinnes – waren es vor allem die Fässer, mit denen man überraschte. Insbesondere um die »stone spun«-Technik beim acht Jahre alten Talisker ergaben sich Diskussionen. Konkret wurden dabei die Fässer mit Steinen ausgeschmirgelt und ein leichtes neues Toasting vorgenommen. Die unkonventionelle Aufbereitung der Bourbon-Fässer hat sich aber bewährt; der an Adobe-Chili und Leder anklingende Rauchmalz-Whisky gehört zu den Lieblingen der Verkoster.
Eine ungewöhnliche Kombination stellte auch der Einsatz ehemaliger Ramandollo-Fässer aus dem Friaul für den einzigen ohne Altersangabe gefüllten Malt (»Mortlach«) dar. Diese Gebinde ergaben einen fast schon Aperitiv-artigen Whisky mit Geschmack nach kandierten Orangen und Maracuja-Touch. Das »Beast of Dufftown« mit solcher Fruchtigkeit gepaart zu sehen, war ein – durchaus kontrovers diskutiertes – Whisky-Erlebnis!
Hybrid-Fässer als Neuerung
Einigkeit herrschte hingegen bei der Qualität der Riesendestillerie von Elgin: »Roseisle« wurde erst zum zweiten Mal gefüllt, der »12 years« zeigte aber, dass die Lorbeeren für den Vorgänger (2023) mehr als berechtigt waren. Und um Nachschub braucht man sich bei 14 Brennblasen und einer Maximal-Kapazität von 12,6 Millionen Liter pro Jahr keine Sorgen machen!
Für viele war auch die Verwendung von Hybrid-Fässern bei Diageo ein Novum. Für den »14 years« von Singleton of Glen Ord hatte man europäische Eichenholz-Deckel auf Bourbon-Fässer montiert. Die weinigen Töne und Kirsch-Akkorde dieser Abfüllung darf man getrost diesem spanischen Holz-Anteil zuschreiben. Und dass die acht Whiskys keine reinen Sammelstücke für’s Regal darstellten, demonstrierte das Dessert. Zum Schokodessert, das vom Team um Barchef Nikolai Augustin kredenzt wurde, leuchteten die Fass-Stärken in neuen Facetten. Vor allem der 57,2 Prozent vol starke Lagavulin zeigte hier eine fast schon sanfte Seite.
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