»Whisky-Botschaft« in Österreich: »Potstill«
Mit »Potstill« betreibt Roland Grain eine der renommiertesten Whisky-Adressen Österreichs. Im Gespräch mit Falstaff verrät er, welche Stile ihn begeistern und was Genießer:innen von den ersten Abfüllungen erwarten dürfen.
Während sich der internationale Whiskymarkt vielerorts neu sortiert, zeigt sich Österreich davon kaum berührt und bleibt ein lebendiger, stabiler Genussmarkt. Nun geht der Whisky-Experte »Potstill« aus Wien einen Schritt weiter: In den schottischen Lowlands hat er seine eigene Brennerei eröffnet.
Falstaff: Herr Grain, Ihr Nachname bezeichnet ja selbst eine Whisky-Kategorie – den Grain Whisky. War Ihnen quasi schon in die Wiege gelegt, Whisky-Experte zu werden, oder ist das ein glücklicher Zufall?
Roland Grain: Tatsächlich begann alles mit einem Geburtstagsgeschenk: Mit 16 bekam ich meinen ersten Whisky – und von da an ließ mich das Thema nicht mehr los. Erst sammelte ich, später begann ich zu verkosten. Mit Freunden entstanden bald die ersten Ideen, Whisky auch unternehmerisch anzugehen. Auf unseren »Whiskyreisen« nach Schottland und Spanien tauchten wir tief in die Destillierkunst und die Welt der Fassreifung ein. Aus dem gemeinsamen Projekt wurde schließlich mein persönlicher Weg: Ich übernahm den Whiskyhandel »Potstill« und erfüllte mir Jahre später den Traum einer eigenen Destillerie – im Juni 2025 öffnete die Ardgowan Distillery ihre Türen.
Ihr Fachgeschäft in der Währinger Straße 65 trägt den Namen »Potstill« – eines der traditionsreichsten Herstellungsverfahren für hochwertigen Whisky. Steht dieser Namen auch programmatisch für Ihre Qualitätsphilosophie?
Der Name »Potstill« steht sinnbildlich für klassische schottische Handwerkskunst – und das soll er auch ausdrücken. Diese traditionelle Brennblase prägt den Charakter eines Whiskys in besonderer Weise. Österreichische Anlagen – oft Patent Stills – liefern großartige Produkte, aber die typischen Ecken und Kanten, die Tiefe, entstehen für mich in der klassischen Pot Still der schottischen Destillerien.
Mit rund 1.000 verschiedenen Single Malts im Sortiment sind Sie der größte Single Malt-Importeur Österreichs. Nach welchen Kriterien wählen Sie neue Whiskys für Ihr Angebot aus?
Wir setzen bewusst auf familiengeführte, mittelgroße Destillerien. Dort ist die Balance aus Qualität, Verfügbarkeit und Preis am sinnvollsten. Boutique-Brennereien sind spannend, aber für die winzigen Mengen schlicht zu teuer für den Endkunden. Aktuell importieren wir Whiskys von 39 Destillerien – jede mit etwa zehn, manche sogar mit bis zu hundert verschiedenen Abfüllungen.
Welchen Whisky-Stil würden Sie jemandem empfehlen, der gerade erst in die Welt des Whiskys eintaucht – und welche Abfüllungen begeistern erfahrene Kenner besonders?
Einsteigern empfehle ich milde, leicht süße Whiskys – gerne mit Vanille und dezenten Fruchtnoten. Single Grains aus Patent Still-Brennverfahren bringen genau diese Charakteristika mit. Unser »Riveter« aus der Ardgowan Distillery ist so ein Kandidat: fruchtig, vanillig, mit einem Hauch Zitrone – und preislich gut zugänglich. Sherryfass-Varianten sind kostspieliger, überzeugen aber mit ebenso mildem, rundem Profil. Für leidenschaftliche Genießer gibt es zwei klassische Richtungen: torfig-rauchige Islay-Whiskys und sherrylastige Abfüllungen mit großer aromatischer Tiefe. Unser Fokus bei Ardgowan wird klar auf der Sherry-Schiene liegen.
Highlands, Islay, Speyside oder doch Lowlands: Haben Sie eine persönliche Lieblingsregion – und was macht für Sie den Charakter dieser Region so besonders?
Da wir in den Lowlands brennen, schlägt mein Herz natürlich für diese Region. Die Ardgowan liegt in einem Tal, geprägt von der Meeresbrise. Dieses maritime Klima – das Salz im Nebel, die salzhaltige Luft an den Fässern – hinterlässt eine feine, charakteristische Note im Whisky. Kombiniert mit Sherryfässern entsteht genau das Profil, das ich am meisten schätze. Viele westschottische und Insel-Destillerien teilen diese maritime Signatur.
Neben Whisky führen Sie auch Rum, Gin und Armagnac. Was hat Sie dazu bewogen, das Sortiment über den Whisky hinaus zu erweitern?
Rum ist gewissermaßen der süße Bruder des Whiskys – beliebt bei Einsteigern und preislich ähnlich. Einige schottische Brennereien produzieren selbst Rum oder führen ihn im Sortiment, wir holen unsere Rum-Auswahl aber aus aller Welt. Armagnac kam ins Programm, als Whisky-Importe vor rund zehn Jahren schwieriger wurden. Und bei Gin war der Trend schlicht zu stark, um ihn zu ignorieren – auch wenn die Welle mittlerweile wieder abflacht. Hier setzen wir bewusst auf kleinere, unabhängige Produzenten.
Sie veranstalten regelmäßig Verkostungen. An wen richten sich diese Tastings – eher an Einsteiger, Fortgeschrittene oder echte Connaisseurs – und was dürfen sich die Teilnehmer davon erwarten?
Unsere Verkostungen decken die ganze Bandbreite ab: Die Whisky Academy vermittelt in acht Modulen fundiertes Wissen von den Grundlagen bis zum Expertenlevel. Daneben gibt es unkomplizierte Tastings für alle, die einfach neugierig sind. Einmal im Monat kommt ein Experte aus Schottland zu uns nach Wien und führt englischsprachige Verkostungen durch. Für besondere Abfüllungen bieten wir exklusive High-End-Tastings an – im kleinen Rahmen, auf Ledercouches, für maximal acht Personen.