Adrenalinkick: Die besten Abenteuer in der Steiermark
Ob in der Luft, unter der Erde, am Tiefschneehang, über den Downhill-Trail im Wald oder irgendwo dazwischen: Die Steiermark stillt den Adrenalindurst von Abenteuerhungrigen.
Ein vorsichtiger Blick nach oben: Stramm spannt sich der Paragleitschirm in der Größe einer Kleinwohnung wie ein Dach über uns. Dann und wann ein leichtes Ziehen an den Steuerungsseilen und schon biegen wir in die gewünschte Richtung ab. Die Wipfel der Nadelbäume schrumpfen unter uns. Es fühlt sich an, als wären wir in einen unsichtbaren Lift gestiegen, der uns nach oben zieht. »Die Thermik«, erklärt der Tandempilot mit routinierter Ruhe.
»Lauf, lauf, lauf«, hat er kurz davor noch lautstark das Startprozedere akustisch unterlegt. Und so rennen wir – in einer gefinkelten Sitzgurtkonstruktion aneinandergezurrt – am Gipfelplateau des Hauser Kaiblings Richtung Abgrund. Kurz schreit der Kopf noch »Stopp!« – aber da hat man schon keinen Boden mehr unter den Füßen, dafür ein breites Grinsen im Gesicht. Für jeden Meter, den wir nach oben steigen, gilt: Meine Mundwinkel sind schon dort. Sie scheinen sich der Erdanziehung bereits entzogen und zu einem Dauerlachen versteinert zu haben. So also fühlt es sich an, zu fliegen: Schwerelos.
Adrenalinkicks
Obwohl man gemütlich in einem Sitzgurt hockt, die Beine lose in der Luft baumeln und man völlig anstrengungslos dahinschwebt, beruhigt sich der Puls nur langsam. Auch die Finger, die sich während der Startphase am Brustgurt festgekrallt haben, lösen sich nur zögernd. Die Augen bleiben ohnehin überfordert. Wohin schauen? Nach unten? Da ist bei einer Flughöhe von rund 2000 Meter vor allem viel Nichts. Nach rechts? Da baut sich das Dachsteinmassiv protzig vor uns auf. Nach links? Da reihen sich die Felsspitzen der Schladminger Tauern wie aufgepumpte Ameisenhaufen aneinander. Nach hinten? Da blinzelte der Grimming durch ein zartes Wolkenband, das sich wie ein Zierstreifen rund um seinen Gipfel gelegt hat. Man fühlt sich wie in einem Logenplatz einer 360-Grad-Bühne. »Der Hauser Kaibling eignet sich mit Startplätzen in alle Windrichtungen - im Sommer wie im Winter – perfekt als Ausgangspunkt für atemberaubende Panorama- und Streckenflüge«, hört man im Sky Club Austria. Gegründet wurde der Club vom Gröbminger Fluglehrer und Bergführer Walter Schrempf im Jahr 1988. Geboten werden heute Abflüge vom Kaibling, vom Michaelerberg, vom Stoderzinken und vom Krippenstein. »Action?«, fragt der Tandempilot plötzlich. Mein Daumen schnellt in die Höhe. Plötzlich greifen die Fliehkräfte nach uns und wir schrauben uns in engen Kurven Richtung Boden.
Schneller wieder festen Boden unter den Füßen hat man bei der »Zipline«, die sich am Stoderzinken – neben dem Paragleitschirm – als luftiges Transportmittel Richtung Tal anbietet. Ein schwindelfreies Nervenkostüm braucht es auch hier, hängt man doch während der 2,5 Kilometer langen Talfahrt bis zu 160 Meter über dem Boden an einem wenige Zentimeter dicken Stahlseil. Bis zu 115 km/h bringt man in dem Sitzgurt auf den Tacho – und damit deutlich mehr als auf der Bundesstraße erlaubt ist, die sich in Sichtweite durchs Ennstal schlängelt.
Schwerelose Glücksmomente
Der anfängliche Respekt vor Höhe und Geschwindigkeit weicht auch hier einem adrenalingeschwängerten Glücksgefühl von Schwerelosigkeit. Der Blick auf die Baumwipfel tief unter einem ist atemberaubend. Die Beschleunigung und der um die Ohren pfeifende Fahrtwind wirken »faltenglättend«. Das Surren der Räder am Seil kann das Gejohle der drei neben einem gleichzeitig gestarteten »Zipliner« nur notdürftig übertönen. Man glaubt, zu fliegen – auch wenn es eher einem Sturzflug eines Greifvogels bei der Jagd gleicht. Berührungslose Wirbelstrombremsen sorgen am Ende aber für punktgenaues Abbremsen.
Ebenfalls rasant Richtung Tal – noch dazu »Kopf voraus« – geht es beim Airboarden auf der Reiteralm. Mit Winterbekleidung, Skihelm und Skibrille liegt man dabei am Bauch und bis zur Hüfte auf einer Art Luftkissen und steuert durch geschickte Gewichtsverlagerung und Lenkbewegungen der Beine die vorgesehene präparierte Piste hinunter. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, eine Grundgeschicklichkeit und etwas Mut schaden jedoch nicht – unter anderem wegen des ungefiltert ins Gesicht staubenden Schnees. Die Piste wenige Zentimeter unter dem Kinn durchflitzen zu sehen, eröffnet jedenfalls neue Perspektiven auf kleine und größere Schneehaufen und liefert maximalen Spaß.
Etwas mehr Abstand zum weißen Untergrund gestehen einem die fahrbaren Untersätze am Red Bull Ring zu. Von Winterschlaf ist auf der Rennstrecke im obersteirischen Aichfeld nämlich auch in der Formel-1- und MotoGP-freien Zeit keine Rede. Der Adrenalinspiegel lässt sich mit rasanten Ausritten am Schneemobil, mit dem Offroad-Buggy oder in einem 330 PS starken KTM X-Bow nach oben treiben. Ohne Motorunterstützung rasant zur Sache geht es auch beim Freeriden – der »Offroad«-Variante des Pistenskifahrens. Hinauf auf den Berg und runter durchs Gelände: Mit dem notwendigen Wissen über Schneeverhältnisse, Lawinenkunde und Hangneigungen lässt sich dieses Pulver- oder Firnschnee-Abenteuer beispielsweise in der beeindruckenden Hochgebirgskulisse des Dachsteins erleben. Da pumpt das Herz im oberen Drehzahlbereich – vor Anstrengung und Glück.
Puls-Frequenz under control
Den hohen Puls möglichst schnell in den Griff zu bekommen, heißt es dagegen beim Biathlon. In Ramsau am Dachstein kann man diese komplexe Kombination aus Ausdauerleistung in der Loipe und höchster Konzentration am Schießstand probieren. Egal, ob mit Lasergewehr oder wettkampfüblichem Kleinkaliber: Nur mit pulsberuhigendem Laufstil in der Anfahrt zum Schießstand, der richtigen Atemtechnik und einer stabilen Körperhaltung beim Anschlag tanzen die gefühlt viel zu kleinen Zielscheiben nicht pausenlos aus dem Visier.
Bevor die Schnee-Aficionados von den Pisten und Loipen in den alpinen Lagen der Steiermark Besitz ergreifen, sind die Berge vielerorts noch das Revier der Mountainbike-Community. Neben dem konditionsfördernden Bergauftreten ist es vor allem das rasante Bergabfahren, das für Adrenalinkicks sorgt. Wobei das mit dem »Fahren« nicht überall und immer stimmt. Es ist auch ein Springen und Durch-die-Luft-Fliegen. »Airtime« heißt das im Branchenjargon – manche können davon gar nicht genug bekommen. Gewünscht? Geliefert! Die »99 Jumpline und Monster Jumpline« im Bikepark Schladming heißt nicht zufällig so. Auf dreieinhalb Kilometern gibt es hier massig Abflugmöglichkeiten auf perfekt gebauten Jumps mit Luftwegen zwischen drei und acht Metern Länge. Wem das nicht ausreicht, der kann im Finish noch auf die »Monsterline« abbiegen, wo richtig große Booter mit bis zu zwölf Meter warten. Wer es erdverbundener, aber nicht minder herausfordernd mag, auf den wartet der zwei Kilometer lange »Pro Downhill«. Fullspeed und Jumps wechseln sich mit kniffligen Wurzelpassagen ab. Der Start befindet sich auf 1830 Metern Seehöhe und ist kräfteschonend mit der Planai Seilbahn erreichbar. Anschließend geht es in naturbelassener Umgebung zur Sache. Steile Abschnitte mit Wurzeln und Steinen führen vorbei am Speichersee bis zur Mittelstation auf 1325 Metern Seehöhe, wo ein Waschplatz und die notwendigsten Werkzeuge vorhanden sind.
Ein ebenso abwechslungsreiches Streckenangebot findet sich an anderen Orten der Steiermark – von der Turracher Höhe über Knittelfeld bis nach Aflenz. Die dortige »Bikearena« umfasst drei Downhill Trails und lockt mit einer bunten Mischung aus natürlichem Singletrail, gebaggerten Flow-Abschnitten und kurzen »North-Shore«-Elementen (so nennt man die teils aufgestelzten und nicht übermäßig breiten Bretterbahnen mit eingebauten Sprüngen und Steilkurven, die einiges fahrerisches Können voraussetzen). Langweilig wird es einem dort also nicht. Ebenso wenig wie am Schöckl. Am Grazer Hausberg können sich Mutige am Europameisterschafts-Downhillkurs von 2003 austoben. Der in der Szene als »Streif des Bikesports« bekannte Kurs bietet alles, was es braucht, um Downhillfreaks zu begeistern: Steilpassagen, Highspeed, knifflige Steinpassagen, Wurzeln, Anleger und hängende Old-School-Turns.
Ice, Ice, Cool
Was die Steiermark ihren Besuchern zu ebener Erde und in luftiger Höhe bietet – nämlich das anregende Gefühl einer abenteuerbedingten Atemnot –, lässt sich von Wagemutigen auch in der »Lurgrotte« nördlich von Graz erleben. Teile von Österreichs größter Tropfsteinhöhle kann man nämlich auch als »Offroad«-Abenteuer im Kletter- und Krabbelmodus abseits der befestigten Besichtigungswege erkunden. Dafür reserviert sind die Wintermonate – im Rest des Jahres ist die Gefahr von überraschenden, niederschlagsbedingten Überflutungen der Höhlengänge tief im Inneren des Karststocks zu groß. Entsprechend »erfrischend« ist die Wassertemperatur des Lurbachs, den man im Rahmen dieser Tour nicht nur im Vorbeigehen kennenlernt, sondern auch durchs Reingehen.
Die Frage, die schon die ersten Schritte begleitet: Wann spürt man es, das klirrende acht Grad kalte Wasser? Wenn es von oben in die Schuhe rinnt? Wenn es beginnt, durch die Poren des Overalls zu drücken und den Bauchnabel flutet? Wenn man bis zu den Achselhöhlen im Wasser steht und sich durch einen nicht einmal schulterbreiten Felsschlurf zwängt? Antwort: Man spürt es – immer! Und stets in Begleitung dieser kurzzeitigen, abenteuerbedingten Atemnot. Von feuchtkalt bis eisig nass dauert es nur zwei weitere wackelige Schritte am schottrigen Boden des unter einem dahingurgelnden Baches. Es ist eine Meisterprüfung in Selbstbeherrschung. Aber ein Schreianfall würde das Wasser auch nicht wärmer machen. Dafür sorgen spektakuläre Gesteinsformationen für Ablenkung: eine schneeweiße Kalksedimentwelle, die sich von links durch die dunkle Felswand drückt; ein Meer aus stachelartigen Stalaktiten, das von der Decke hängt. Dort das Skelett eines Höhlenbären, da eine Fledermausgroßfamilie, die sich mit ihren zarten Füßen an die Höhlendecke gehängt hat und eingehüllt in ihre Flügel Winterschlaf hält. Und jetzt noch eine Abseilpassage. Die Lichtkegel der Stirnlampen huschen noch eine Spur nervöser durch die Dunkelheit. Nach ein paar weiteren Krabbel- und Kletterabschnitten durch unterirdische Canyons, Gänge und Hallen spuckt einen der Berg nach sechs Stunden wieder aus. Selten hat sich die kalte Wintersonne wärmer angefühlt.
Die Orte für den besonderen Kick
Abenteuertour Lurgrotte
Nur von Dezember bis März mit Führung möglich. Vier bis sechs Stunden, in Kleingruppen.
lurgrotte.com
Paragleiten
Ennstal: Der Sky Club Austria bietet Tandemflüge vom Hauser Kaibling, Stoderzinken und Krippenstein.
skyclub-austria.at
Schöckl: Tandemflüge vom Grazer Hausberg (oder vom Gelderkogel im Teichalmgebiet) kann man beim erfahrenen Team von Thomas Friedrich buchen:
flugschule-steiermark.at
Zipline Stoderzinken
Gestartet wird auf rund 1600 Metern Seehöhe nahe der Kaiserwand. In einem Gurtzeug sausen bis zu vier Zipliner gleichzeitig in zwei Sektionen talwärts. Winterpause zwischen November und Mai.
zipline.at
Red Bull Ring am Spielberg
Motorsportspaß auch im Winter auf Kufen, zwei und vier Rädern im Areal der Rennstrecke im obersteirischen Aichfeld bei Spielberg.
redbullring.com
Biathlon Ramsau am Dachstein
Mit Lasergewehren im Langlaufstadion oder Kleinkalibergewehren am Wettkampf-Skistand entlang der Loipe. Schnuppereinheiten und gezielte Trainings.
skischule-ramsau.at langlauf.co.at
Airboarden Reiteralm
Dreistündiges Abenteuer (ab 12 Jahre) mit geschulten Guides. Touren ab sechs Personen, Liftkarte für Silverjet-Gondel nicht inkludiert.
steiermarkadventures.com
Mountainbike-Parks
Schöckl: Auch wenn er mit seinen 1445 Metern nicht zu den höchsten Bergen zählt, gehört der Grazer Hausberg zu den besten Mountainbike-Downhill-Revieren des Landes. Zahlreiche Trails in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
schoeckl-trail-area.at
Bikearena Aflenz: Ein Sessellift bringt Bike und Fahrer bequem vom Parkplatz im Tal zum Almboden der Bürgeralm, von wo alle Trails zu erreichen sind.
bikearena-aflenz.at
Schladming: Mit der 10er-Seilbahn auf die Planai und über ein abwechslungsreiches Streckenangebot (Flowline, Uphill Flow Trail, Jumpline) zurück ins Tal.
planai.at/de/sommer/mountain-bike
Reiteralm: Die Reiteralm Trails bieten rund 17 Kilometer flowige Strecken für Einsteiger und Profis. Die Trails beginnen direkt bei der Bergstation des Preunegg Jets.
schladming-dachstein.at