Englische Ambition und schottischer Ärger: neuer Streit um den Single Malt
Die 2022 gegründete »English Whisky Guild« strebt Großes an: eine eigene geschützte Herkunftsangabe für ihre Whiskys. Die Schotten zeigen sich darüber jedoch »not amused« und sehen den Single Malt in Gefahr.
Bereits in der Vergangenheit hat sich Scotch Whisky Association (SWA) äußerst streitbar gezeigt, sobald am Horizont nur der kleinste Schatten einer Gefahr für ihre wohl behütete Whisky-Kategorie auftauchte. Kleine, nicht-schottische Brennereien wie Glen Els oder Glen Buchenbach, die aufgrund ihres Namenszusatzes »Glen« mit Klagen überzogen wurden und so zu einer Umfirmierung gezwungen wurden, können davon ein Liedchen singen. Wehe dem, der dem schottischen Single Malt zu nahe kommt! Nun braut sich seit Mai 2022 jedoch eine neue Bedrohung zusammen, welche erneut das Potential hat, die Schotten auf die Zinne zu treiben. Diesmal sind es aber nicht irgendwelche impertinenten Festlandseuropäer, deren »kulturelle Aneignung« es zu bekämpfen gilt, es ist viel schlimmer: es sind die Engländer, die auf einmal ihr eigenes Whisky-Süppchen kochen und sich dieses sogar noch schützen lassen wollen.
Damals, im Mai 2022, schlossen sich 15 englische Whiskybrennereien zur »English Whisky Guild« (EWG) zusammen, um »die Qualität und Vielfalt der mittlerweile zahlreichen, einzigartigen, in England hergestellten Whiskys zu präsentieren und zu schützen«, wie es offiziell hieß. Das Potenzial dieses Verbandes ist nicht zu unterschätzen, denn die mittlerweile 50 aktiven englischen Brennereien verbuchten schon 2023 über 250.000 Besucher. Etwas mehr als die Hälfte der Destillerien sind mittlerweile Teil der EWA. Zudem schätzt man, dass heute bereits rund 50.000 Fässer in England reifen, was einem Wert von 1 Milliarde Pfund entspricht. Das nächste erklärte Ziel der Gilde ist nun, »English Whisky« als Geographical Indicator (GI) schützen zu lassen und hierüber eigene Regeln für diese neue Kategorie zu definieren.
Angriff auf den Single Malt?
Genau diese Regeln sind es, die nun die Hüter des Scotch hellhörig werden lassen. Die SWA stört sich nämlich nicht grundsätzlich an der Initiative zur Erlangung einer eigenen GI – immerhin genießt der Rest des Vereinigten Königreichs (Schottland, Wales und Nordirland) schon lange den GI-Status – sie fürchtet um die Integrität des Single Malt. Derzeit unterliegt Scotch Whisky strengen Vorschriften, genauer gesagt: Um die Bezeichnung »Single Malt« tragen zu dürfen, muss das Getreide an einem einzigen Standort gemaischt, fermentiert und destilliert werden. Den Engländern schwebt hier aber eine andere Definition vor, die auch alternative Verfahren möglich machen würde – insbesondere könnten das Maischen und die Fermentierung vor der Destillation an verschiedenen Standorten stattfinden. Die SWA fürchtet nun, dass dies dem Ruf des Single Malts schaden und die Qualität der Kategorie beinträchtigen könnte.
Und die Engländer? Bezeichnen die Bedenken der SWA als »völligen Unsinn« und verweisen darauf, dass die geplante englische Whisky-GI keineswegs lax sei, sondern in Bezug auf die Beschaffung der Zutaten sogar strengere Vorschriften durchsetzen möchte als ihr schottisches Pendant. Konkret sollen englische Brennereien ausschließlich in Großbritannien angebautes Getreide verwenden dürfen. Das wäre im Vergleich tatsächlich eine strengere Auslegung, denn die schottische Industrie darf ihre Gerste von überall auf der Welt beziehen. Diese Lieferungen aus Übersee unterlägen nicht der gleichen agronomischen Kontrolle wie britischen Ernten und würden ausnahmslos mit Chemikalien behandelt, die in Großbritannien inzwischen verboten seien, so die bissige Erwiderung der EWG.
Als zumindest »interessant« kann man auch die Tatsache betrachten, dass die Scotch-Lobby seinerzeit keine Einwände erhob, als walisischer Whisky seine eigene geschützte Herkunftsbezeichnung erhielt und sich einem ähnlichen Produktionsmodell verschrieb, das nun den Engländern vorschwebt. Vielleicht war die walisische Konkurrenz aber einfach auch zu unbedeutend, um hier aktiv zu werden. Bis Mai 2025 kann gegen den Antrag der EWG auf Anerkennung einer geografischen Angabe für »English Whisky« noch Einspruch erhoben werden. Gut möglich also, dass die SWA nochmal zur Grätsche ansetzt.
Nichts mehr verpassen!
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.